Jüdischer Chanukka-Leuchter an der Allee beschädigt

Heilbronn  Über Weihnachten wurde an der Allee in Heilbronn der Chanukka-Leuchter der jüdischen Gemeinde beschädigt. Hat die Tat einen politischen Hintergrund?

Von Kilian Krauth

Chanukka-Leuchter an der Heilbronner Allee
Wo früher an der Heilbronner Allee eine Synagoge stand, stellt die jüdische Gemeinde jedes Jahr einen Chanukka-Leuchter auf. Foto: Archiv/Ralf Seidel  

Die Polizei berichtet von einer „sensiblen Sache“, kann sich aber noch nicht abschließend äußern, ob es sich um eine politische Tat handelt oder um einen dummen Streich.

Wie ein Sprecher auf Stimme-Anfrage sagte, werde der Staatsschutz eingeschaltet: Am Montag stellte ein Passant gegen 9.45 Uhr fest, dass der etwa drei Meter hohe Chanukka-Leuchter, der auf der Allee bei der Synagogengasse aufgestellt ist, beschädigt wurde. 

Viele Gläubige fühlen sich vor den Kopf gestoßen

Der neunarmige Leuchter war von der Jüdischen Gemeinde anlässlich des Chanukka-Fests, das traditionell mit der Weihnachtszeit zusammenfällt, aufgestellt worden. Mehrere Lampen und die dazugehörigen Gaskartuschen wurden von unbekannten Tätern heruntergeschlagen. Über den genauen Tatzeitpunkt und die Schadenshöhe können noch keine Angaben gemacht werden.

Das Polizeirevier Heilbronn, Telefonnummer 07131 1042500, hofft noch auf Hinweise von Zeugen der Sachbeschädigung.

Ein Sprecher des Freundeskreis Synagoge berichtet, viele Gläubige seien „wie vor den Kopf gestoßen“. Der Verein bitte als Zeichen der Solidarität um Spenden für die finanziell nicht gut ausgestattete Jüdische Gemeinde: IBAN DE 73 620500001230031855.



Kommentar: Grenzenlose Dummheit

Kilian Krauth  

Von Kilian Krauth

Handelt es sich um einen dummen Jungenstreich oder um eine Tat mit antisemitischem Hintergrund? Diese Frage muss alle umtreiben, die folgende Polizeimeldung vom Zweiten Weihnachtsfeiertag hören: Am Chanukkaleuchter der jüdischen Gemeinde an der Allee 4 wurden am Montag alle neun Lampen zerstört.

Die Behälter wurden nicht vom Winde verweht. Die Tat geschah mutwillig, denn die mit Kartuschen bestückten Lampen waren in drei Metern Höhe angebracht und saßen passgenau in ihren Halterungen.

Wie ein Polizeisprecher auf Stimme-Anfrage sagte, liege kein Bekennerschreiben vor, Hinweise auf mögliche Täter fehlten. „Wegen der Sensibilität der Sache“ gehe er aber davon aus, dass sich der Staatsschutz darum kümmert. Schließlich könne man die Tat nicht einfach unter einer an Wochenenden üblichen Sachbeschädigung abbuchen.

Fest steht: Tatort und Gegenstand sind äußerst symbolträchtig. An der Allee 4 stand bis zur Zerstörung durch den rechtsextremistischen Mob 1938 die jüdische Synagoge. Beim Chanukkaleuchter handelt es sich um ein Zeichen der Befreiung Israel, das in Heilbronn übrigens erst seit wenigen Jahren wieder in aller Öffentlichkeit zu sehen ist: als Zeichen des friedlichen Miteinanders.

Kein Wunder, dass ein Sprecher des Freundeskreises Synagoge berichtet, viele Heilbronner Juden seien „wie vor den Kopf gestoßen“. Dies muss alle nachdenklich machen. Wir sollten uns davor hüten, solche Vorfälle herunterzuspielen. Wir müssen sie als das darstellen, was sie sind: grenzenlose Dummheiten, die wir in unserer Stadt und in unserem Deutschland nicht dulden.