Friedensgemeinde wehrt sich gegen Baupläne

Heilbronn  Protest erhebt sich gegen ein Neubauprojekt der evangelischen Gesamtkirchengemeinde an der Moltkestraße. Geplant ist auf der 22 Ar großen Fläche ein Ersatzbau für das Hans-Rießer-Haus. Vor allem die Pfadfinder der Friedensgemeinde sorgen sich um ihre Zukunft.

Von Joachim Friedl

Friedensgemeinde wehrt sich

Pfarrer, Kirchengemeinderat und Pfadfinder setzen sich gegen die Überbauung der Gemeindewiese an der Moltkestraße ein. Foto: Andreas Veigel

 

Heftige Kritik übt die Friedensgemeinde an der evangelischen Gesamtkirchengemeinde Heilbronn für Überlegungen, die etwa 22 Ar große Gemeindewiese an der Moltkestraße mit einem fünfgeschossigen Büro- und Wohngebäude mit Tiefgarage zu überbauen.

Das "Hansi" soll verkauft werden

Wie berichtet, sucht die Gesamtkirchengemeinde einen Standort für einen Ersatzbau für das Hans-Rießer-Haus. Das "Hansi", das 1962 eingeweiht wurde, soll verkauft werden, da eine Sanierung die evangelische Kirche zu teuer käme.

Jugendarbeit der Gemeinde wir kaputt gemacht

"Rettet die Gemeindewiese." Unter diesem Motto wehrt sich jetzt die Friedensgemeinde. "Die gesamte Kinder- und Jugendarbeit in unserer Gemeinde würde empfindlich darunter leiden", begründet Pfarrerin Dorothee Godel den jetzt gewählten Weg. Vor allem die Pfadfinder befürchten, dass sie den nötigen Platz für ihre Aktivitäten im Freien verlieren und sich einen anderen Ort suchen müssen.

Die letzte Möglichkeit wird genommen

Die 70 aktiven Pfadfinder nutzen die Wiese mit den stattlichen sieben Ahorn-, Linden- und Kastanienbäumen für Gemeindespiele, Feste und Zeltaufbau-Übungen. "Pfadfinderarbeit hat als zentrales Element eine starke Naturverbundenheit. Wenn uns diese letzte Möglichkeit nun genommen wird, können wir im Sinne der Pfadfinderidee keine sinnvolle Jugendarbeit in der Gemeinde mehr leisten", zeigt Anne Proetzsch, Leiterin der Wölflinge, das drohende Szenario auf.

Problematik ist Entscheidern nicht bewusst

"Die Kirche kann es sich nicht leisten, eine derart erfolgreiche Jugendarbeit wie die unsrige aufs Spiel zu setzen", ist Pfarrer David S. Terino empört. Der Pfarrer der Friedensgemeinde ist sich sicher, dass "dem Gesamtkirchengemeinderat bisher nicht bewusst ist, was mit dem Neubau an Jugendarbeit kaputtgemacht wird". Deshalb dürfe die Wiese nicht überbaut werden.

 

Gemeindewiese ist ein Segen

Ein "vitales Interesse", dass die Gemeindewiese erhalten bleibt, hat auch der Kirchengemeinderat der Friedensgemeinde. "Was ist das für ein Segen, dass es hier eine Wiese gibt. Und jetzt soll sie bloß wegen des Geldes verschwinden", schüttelt Hans-Martin Weinstock verständnislos seinen Kopf. Hans-Martin Weinstock ist das älteste Mitglied im Kirchengemeinderat der Friedensgemeinde.

Schon 200 Protestunterschriften gesammelt

Um dem Protest der Friedensgemeinde Nachdruck zu verleihen, sammeln die beiden Pfarrer, die Pfadfinder und Mitglieder des Kirchengemeinderats Unterschriften von Gemeindegliedern. "Mehr als 200 Unterschriften sind in der ersten Woche schon zusammengekommen", freut sich Pfarrerin Dorothee Godel über den Erfolg. Um Mitglieder der Gesamtkirchengemeinde für die Rettung der Gemeindewiese zu sensibilisieren, wurde ein Flyer mit vielen Argumenten gedruckt.

Beim Gemeindefest wird Neubau thematisiert

In ihren Gottesdiensten haben Godel und Terino die Gemeindewiese noch nicht thematisiert. Beim Gemeindefest am 8. Juli soll die Problematik jedoch in den Mittelpunkt gerückt werden. Wohl wissend, dass es nicht leicht sein wird, das Bauvorhaben der Gesamtkirchengemeinde zu verhindern. Denn Eigentümerin fast aller Gebäude und Grundstücke der evangelischen Kirchengemeinden in Heilbronn ist die Gesamtkirchengemeinde.

Das Hauptorgan

In der Gesamtkirchengemeinde Heilbronn haben sich die fünf Kirchengemeinden der Stadt Heilbronn (Kiliansgemeinde, Emmausgemeinde, Friedensgemeinde, Nikolaigemeinde und Südgemeinde) und die beiden Kirchengemeinden in Heilbronn-Sontheim (Dietrich-Bonhoeffer-Gemeinde und Matthäusgemeinde) zu einer Verwaltungseinheit zusammengeschlossen. Die Gesamtkirchengemeinde ist Anstellungsträger aller Beschäftigten und unterhält sämtliche kirchlichen Gebäude und Grundstücke.