Eiche stört Funkverbindung

Heilbronn  Die Stadt Heilbronn hat an der Schozach zwischen Sontheim und Horkheim eine zwei- bis dreihundert Jahre alte Eiche fällen lassen. Begründung: Der hohe Baum störe eine wichtige Funkverbindung zwischen Antennen.

Von Gertrud Schubert

Eiche stört Funkverbindung
Am Ufer der Schozach ist von dem zwei- bis dreihundert Jahre alten Riesen nur noch der mächtige Stumpf übrig geblieben. Foto: Gertrud Schubert  

Wo ist die Eiche? Dass zwischen 30. September und 1. März Bäumen und Hecken − nicht selten mit roher Gewalt − zu Leibe gerückt wird, ist ein gewohnter Anblick. Aber dass die Stadt Heilbronn eine kerngesunde, zwei- bis dreihundert Jahre alte Eiche fällen lässt, das hat Spaziergänger und Radler an der Schozach zwischen Sontheim und Horkheim dann doch verwundert. Hat das sein müssen?

Sie stand an der Schozach-Brücke zwischen den beiden Stadtteilen. Ausladend, sehr hoch, kerngesund. Am 11. Januar rückte plötzlich der Landwirt Thomas Mayer mit Schlepper und Seilwinde an, fällte den stattlichen Baum und nahm das Holz mit. Die Wiesen links und rechts sind seitdem von den Reifen schwerer Maschinen zerwühlt. Von der Eiche blieb nur noch der Stumpf am Ufer. "Der entstandene Flurschaden wird beseitigt", versichert Jakobine Biehl, die bei der Stadt für Gewässer- und Hochwasserschutz zuständig ist.

Hochempfindliche Richtfunkverbindung 

Den Baum aber konnte sie nicht retten. "Die Eiche war gesund. Das streiten wir gar nicht ab", erklärt Biehl vorweg. Das Telekommunikationsunternehmen Telefonica hatte die Fällung beantragt, hätte die Eiche sogar selber abgeholzt. Begründung: Der hohe Baum störe die Funkverbindung zwischen Antennen, die zur Alarmierungskette für Feuerwehr, Notfallwagen und Polizei gehören. Die Richtfunkverbindung sei hochempfindlich auf äußere Einflüsse wie Bäume und Vögel.

Biehls Kollegen von der Gewässerunterhaltung zogen die Untere Naturschutzbehörde zu rate. Sie diskutierten hin und her, berichtet Johannes Krug: Warum die Eiche weg soll und warum ausgerechnet jetzt? "Schweren Herzens haben wir Ja gesagt", erzählt Krug von der Entscheidung. Auch Wolf-Dieter Riexinger vom Naturschutz konnte sich für den Baum nicht in die Bresche werfen. "Eventuell hätte er noch fünf Jahrzehnte am Ufer stehen können", beschreibt Jakobine Biehl das Abwägen, aber: "Die Rettungskette muss sichergestellt werden."

Viele Baumstümpfe an den Ufern 

Am Ufer der Schozach und anderer Bäche sieht man jetzt viele Baumstümpfe. Häufig wurden Eschen gefällt, teils weil sie unter dem Eschentriebsterben gelitten hatten, teils weil sie zu groß geworden waren. So ist Licht für den Nachwuchs. Dessen Aufgabe ist, das Ufer zu befestigen.

Die Stadt beauftragt die Aufbaugilde bei kleineren Fällaktionen. Wenn große Maschinen eingesetzt werden müssen, kommt die Firma Mayer. Im Fall der Eiche hat sie das Holz übernommen und im Gegenzug der Stadt keine Rechnung für die Beseitigung des Baumes gestellt. Es handelte sich um etwa fünf Festmeter, schätzt Jakobine Biehl. Der handelsübliche Preis dafür liege zurzeit bei etwa 400 Euro.