Bahn verkauft Heilbronner Lerchenbergtunnel

Heilbronn  Der Anfang des Jahres gegründete Verein "Erlebnisweg Lerchenbergtunnel" kommt seinem Ziel näher, einen Weg für Radler, Fußgänger und Skater zu gestalten.

Von Joachim Friedl

Bahn verkauft Lerchenbergtunnel

Die Interessengemeinschaft will die etwa ein Kilometer lange Bahntrasse zwischen Gemmingstal und Wannental in einen öffentlichen Weg für Radler, Fußgänger und Skater umwidmen.

Fotos: Andreas Veigel

 

Ein Erfolgserlebnis hatte unlängst der Anfang des Jahres gegründete Verein "Erlebnisweg Lerchenbergtunnel": Das Finanzamt Heilbronn erteilte die Gemeinnützigkeit ab 2018. Damit kommt die Interessengemeinschaft ihrem Ziel, die etwa einen Kilometer lange Bahntrasse zwischen Gemmingstal und Wannental in einen öffentlichen Weg für Radler, Fußgänger und Skater umzuwidmen, ein kleines Stückchen näher.

"Das ist ein erster richtiger Meilenstein für uns", freut sich Wolf Theilacker, Vorsitzender des Vereins und Grünen-Stadtrat, über die Gemeinnützigkeit. Mit diesem Instrument könnten jetzt leichter Spenden eingesammelt werden, um unter anderem eine Machbarkeitsstudie in Auftrag geben zu können. Die stellvertretende Vereinsvorsitzende und Vorsitzende des SPD Ortsvereins Heilbronn, Heidrun Landwehr, geht von einem fünfstelligen Betrag aus: "Uns schwebt vor, das Projekt an die Universität Freiburg zu vergeben."

Verein braucht Geld

Bahn verkauft Lerchenbergtunnel

Betreten verboten: Verbotsschild am Lerchenbergtunnel.

 

Geld braucht der Verein aber auch, um die Lerchenberg-Trasse der Bahn abkaufen zu können. Theilacker blickt dabei nach Wuppertal. Dort hat der Verein "Wuppertal Bewegung" die stillgelegte, 23 Kilometer lange Nordbahntrasse mit sieben Tunneln gekauft und mit großem Bürgerengagement zu einem preisgekrönten Rad-, Wander- und Skaterweg umgebaut. An die Bahn hatte die Interessengemeinschaft "Wuppertal Bewegung" etwas mehr als drei Euro pro Quadratmeter bezahlt. Wie ein Bahnsprecher auf Anfrage erklärte, wolle die Deutsche Bahn AG in den Jahren 2020/2021 die Lerchenbergtrasse verkaufen. Einen Preis wollte er im Moment nicht nennen.

Auf Unterstützung der Stadtverwaltung kann der Verein "Erlebnisweg Lerchenbergtunnel" nicht hoffen. Im Heilbronner Rathaus war zu Beginn des Jahres das Projekt unter anderem aus Kostengründen ad acta gelegt worden. Das Argument der Befürworter, aus der fast steigungsfreien Bahntrasse unter dem Lerchenberg eine naturnahe und kreuzungsfreie Verbindung zwischen der Süd- und Oststadt zu schaffen, verpuffte wirkungslos.

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Neue Zuversicht brachte ihnen die von Verkehrsminister Hermann jüngst angekündigte Schnellradverbindung zwischen Heilbronn und Bad Wimpfen. "Die Zeit ist günstig für Ost-West-Anbindungen ab dem Schnellradweg in die Stadt hinein", verweist Wolf Theilacker auf Fördermöglichkeiten durch das Land. Denkbar wären nach den Worten von Heidrun Landwehr zwei Rad-Querverbindungen Richtung Pfühlpark, eine über die Erwin-Fuchs-Brücke, die andere über die Neckargartacher Brücke (siehe Grafik).

Zumindest die sogenannte Südtangente, die einmal von Böckingen, vorbei am Freibad Neckarhalde durch die Knorrstraße und das Wohngebiet Südbahnhof sowie weiter auf der Lerchenberg-Trasse bis zur Jägerhausstraße verlaufen soll, wird auf ihre Machbarkeit untersucht. Das sagte Ende August Janine Schubert vom Amt für Straßenwesen dem Verein schriftlich zu. Für Heidrun Landwehr zeigt diese Reaktion: "Der Lerchenberg-Erlebnis-Radweg hat Potenzial."

Anregungen

Am 30. September fährt der Verein "Erlebnisweg Lerchenbergtunnel" nach Wuppertal, um sich Anregungen zu holen. Interessierte Bürger können mitfahren. Abfahrt ist um 7 Uhr in Pkw-Fahrgemeinschaften. Rückkehr gegen 22 Uhr. Die Fahrt kostet ohne Verpflegung 30 Euro. Anmeldung bei Wolf Theilacker, Telefon 07131 - 8989259 oder E-Mail wolf.theilacker@gmail.com.

 

Die Geheimnisse des Lerchenbergtunnels

Es ist ein großes schwarzes Loch, in das sich unsere Volontäre vor etwa zwei Jahren begeben haben. Sie wollten sich selbst ein Bild von dem vor kurzem freigelegten Lerchenbergtunnel unterm Heilbronner Hauptfriedhof machen. Ein Abenteuervideo.