Aus der Turnhalle auf die Showbühne

Heilbronn  Die Turngala begeistert die Zuschauer in der ausverkauften Heilbronner Harmonie. Athletische Höchstleistungen werden dabei zu einer Show kombiniert.

Von Manfred Stockburger

Das war wirklich eine Gala des Turnsports, was der schwäbische und der badische Turnerbund für die diesjährige Showtournee zum Jahreswechsel zusammengestellt haben. In der Heilbronner Harmonie war am Samstagabend die vorletzte von 15 Aufführungen der Turngala. Für die atemberaubende Performance gab es begeisterten Applaus im ausverkauften Haus.

Performance – in mehrerlei Hinsicht passt dieses Wort auf den Abend: Athletische Höchstleistungen hat die Choreografin Claudia Marx so zu einer Show kombiniert, dass daraus durchaus eine künstlerische Darbietung wurde. Eindeutig bühnenreif. Sportgeräte, wie man sie aus der Turnhalle kennt, spielten dabei nur eine Nebenrolle. 

Claudia Marx‘ Rhythmische Sportgymnastinnen vom SKC Tabea Halle und die Athleten vom KTG Heidelberg bilden gemeinsam mit Kadergymnastinnen des Deutschen Turnerbunds das Turngala-Showteam, das im Lauf des Abends in verschiedenen Variationen und Kostümen auf der Bühne auftanzte.

Ihre Darbietungen waren der Rahmen für weitere Acts wie das Duo Mamo aus Äthiopien, die gleich zu Beginn den Begriff Artistik neu zu definieren schienen: Einer der beiden schwebte gefühlt mehr als die Hälfte der Zeit in der Luft. Eine atemberaubende Performance. Tobias Wegner begeisterte als Wallclown, Till Schleinitz bot unglaubliche Jonglage-Acts  auf Rollschuhen. 

Keine Moderation in diesem Jahr

Die olympische Silbermedaillengewinnerin von Sydney, Yuliya Raskina, aus Weißrussland hat sich inzwischen auf das Vertikaltuch spezialisiert und tritt nicht umsonst auch mit dem Cirque du Soleil auf. Weltklasse. Bei der russischen Nationalmannschaft der Sportakrobaten ist dieses Prädikat ohnehin eine Selbstverständlichkeit.

Schade nur, dass es während der Show dieses Jahr keine Moderation gab und die Zuschauer deswegen gar nicht richtig wussten, wen sie da eigentlich zu sehen bekamen. Erst beim Finale am Ende der zweieinhalbstündigen Show wurden die Namen der Gruppen eingeblendet. Für Turngau-Vizepräsident Nicolas Prohaska ergab sich dadurch zwar eine höhere Dynamik, aber nicht nur Kurt Scheffler von der TSG Heilbronn hätte sich mehr Informationen über die Akteure gewünscht. 

Teilnehmerinnen aus der Region

Jule (10) und ihre Freundinnen Viktoria und Luisa vom TGV Dürrenzimmern, die zu Beginn der Show mit der 92-jährigen Turnerin Johanna Quaas aufgetreten waren, haben ganz klar eine Lieblingsnummer: Die Schlangentänzerinnen aus Halle. Die Show der Turnkinder aus der Region – traditionell zu Beginn der Gala – war aber auch durchaus sehenswert. Dabei haben die drei und ihre Vereinskameradinnen gerade mal vier Wochen trainiert. Die TGV-Jugendlichen haben eine ganz andere Art gefunden, die üblichen Grenzen der Turnhalle zu sprengen: Sie funktionierten kurzerhand ein heimisches Baugerüst zum Sportgerät um.