Ansturm auf neue Mountainbike-Strecke

Beilstein  Die Eröffnung der neuen Mountainbike-Tour "Hoch hinaus" war am Wochenende ein großer Erfolg. Hunderte Hobbysportler starteten auf die 26,7 Kilometer lange Strecke mit 830 Höhenmetern.

Von Barbara Barth

Die Natur gemeinsam nutzen

Auf dem Wartkopf in Beilstein trafen sich Mountainbiker zur Eröffnung einer neuen Rundstrecke. Es ist eine von sechs Touren im Landkreis Heilbronn.

Foto: Barbara Barth

 

Das Bilderbuchwetter vom Wochenende hat der Mountainbike-Tour "Hoch hinaus" in Beilstein einen Start beschert, den selbst die Urheber in ihren kühnsten Träumen nicht erwartet haben: Zur offiziellen Eröffnung der neuen Tour am Samstag reicht die Aussichtsplatte am Wartkopf kaum aus.

Als vier Herren zur Schere greifen und das rot-weiße Band durchschneiden, drängen sich hinter ihnen die Hobbysportler mit ihren Bikes. Ungeduldig wartend, dass es endlich auf die 26,7 Kilometer lange Strecke mit 830 Höhenmetern geht.

Die nächsten Bike-Strecken sind schon in Planung

Stefan Pyttlik, Vorsitzender des Vereins Trailsurfers Baden-Württemberg und Kopf der ganzen Geschichte, Bürgermeister Patrick Holl, Revierförster Oliver Muth und Remo Fuchs vom Kreisforstamt im Landratsamt Heilbronn demonstrieren, dass Mountainbiker, Behörde und Kommune an einem Strang ziehen. Auch Bernhard Drixler, Geschäftsführer des Naturparks Schwäbisch-Fränkischer Wald, überzeugt sich von der harmonischen Stimmung.

Und Markus Kleemann, Bürgermeister in der Nachbargemeinde Oberstenfeld, nimmt unter die Bike-Stollen, was bald auch in seiner Gemeinde im Landkreis Ludwigsburg Realität werden soll. Dort ist eine Downhill-Strecke an der Krugeiche in der Detailplanung. Die Trailsurfers sind auch da beratend mit von der Partie.

E-Bikes sind auch bei Mountainbikern im Kommen

Stramme Waden unter kurzen Hosen treten am Samstagmorgen gut gelaunt in die Pedale. Die Parkplätze an der Burg sind schnell voll belegt. Sie kommen von überall her: Aus Schwäbisch Hall und dem Rems-Murr-Kreis, aus Karlsruhe, Stuttgart und Aalen. Als Steffan Pyttlik nachfragt, melden sich auch Heidelberger. Das Ziel, Beilstein touristisch noch bekannter zu machen, scheint bei den Mountainbikern schon mal zu klappen.

Oben angekommen, bilden sich überall schnell Diskussionszirkel: Welche Routen habt ihr schon ausprobiert? Wo ist es am schönsten? Welche technische Neuerung gibt es? Elektrischer Antrieb ist auch bei den Mountainbikern längst kein Tabu mehr. Bürgermeister Holl ist mit einem E-Bike samt Anhänger für seine Kinder hochgefahren. "Meins ist nicht mehr das neueste Modell. Heute gibt es schon ganz andere."

 

 

Die "Hoch hinaus"-Tour zwischen Beilstein und Prevorst trägt die Nummer sechs im Trailnetz des Landkreises. Sie ist aber erst die dritte, die offiziell eröffnet wurde. Vor ihr waren die Stadtwaldrunde in Heilbronn und die Salzweg-Tour übergeben worden. Am 26. April steht die Paradies-Tour bei Obersulm auf dem Terminkalender der Biker. Dann stehen noch die Burgen-Tour und die Hochoben-Tour um Wüstenrot aus. Alle Strecken haben verschiedene Paten.

Für Steffan Pyttlik geht mit der Eröffnung der "Hoch hinaus"-Tour eine lange Strecke an Überzeugungsarbeit und Konfliktlösungen zu Ende. Der leitende Angestellte einer großen Aufzugsfirma erinnert sich: "2016 habe ich vor dem Beilsteiner Rathaus gestanden, zum erleuchteten Zimmer des Bürgermeisters hinaufgeschaut und mir überlegt, wie ich die Anliegen der Mountainbiker dem Bürgermeister vermitteln könnte." Heute nennt er die Tour ein "Leuchtturmprojekt", weil sie von Mountainbikern angelegt wurde und frei für jedermann ist. "Es ist keine Vereinsstrecke."

In Bürgermeister Holls Brust schlugen immer zwei Herzen: "Das Städtchen bekannter zu machen, ist das eine, aber die Interessen mehrerer Parteien unter einen Hut zu bringen, das andere." Waldeigentümer, Naturschützer, Wanderer, Jäger und Biker haben alle Ansprüche, weiß Remo Fuchs. "Hier Kompromisse zu finden heißt die Herausforderung." Auf rund 180 Mountainbike-Kilometern im Landkreis Heilbronn ist das bisher auch gelungen.

 

Der Wald ist für alle da

Im Landeswaldgesetz heißt es in Paragraph 37, Absatz 1, unter anderem: "Jeder darf Wald zum Zwecke der Erholung betreten. Er hat sich so zu verhalten, dass die Lebensgemeinschaft Wald und die Bewirtschaftung des Waldes nicht gestört, der Wald nicht gefährdet, beschädigt oder verunreinigt sowie die Erholung anderer nicht beeinträchtigt wird."

Der Wald steht also nicht nur Wanderern, Spaziergängern oder Joggern zur Verfügung, sondern auch Radfahrern, Reitern oder anderen Trendsportlern. Speziell gekennzeichnete Wege sorgen dafür, dass es nicht zu Interessenskonflikten kommt. Die Mountainbike-Tour in Beilstein ist mit 120 Schildern bestückt. Kein Verständnis hat Remo Fuchs vom Kreisforstamt, dass solche Schilder auch schon abmontiert wurden.