2000 Fahrzeuge mehr am Tag in der Gerberstraße

Heilbronn  Seit die Kranenstraße gesperrt ist, verlagert sich der Verkehr teilweise auch in enge Innenstadtstraßen. Nach einer Messung der Stadt aber nicht so stark wie befürchtet.

Von Carsten Friese

2000 Fahrzeuge mehr am Tag in der Gerberstraße

Rückstau in die Gerberstraße trotz grüner Ampel: Hier gebe es wegen einer doppelten Ampel Verbesserungsbedarf, regt ein Anwohner an.

Foto: Carsten Friese

 

Es war nach der Freigabe der verbreiterten Karl-Nägele-Brücke ein großes Fragezeichen im Verkehrskonzept: Wie stark wird sich der Verkehr in die enge Gerberstraße quer durch die Innenstadt verlagern? Wird es dort zu Dauerstaus und Dauerabgasen kommen?

Jetzt liegt das Ergebnis einer Verkehrszählung vor, und für Dirk Herrmann vom Amt für Straßenwesen sind die Werte "geringer als befürchtet". Bei einer 24-Stunden-Zählung erfasste die Stadt an einem Werktag im Juli in der Gerberstraße vor der Brückenfreigabe 7349 Fahrzeuge. Im September, nachdem die neue Verkehrsführung über die Nägele-Brücke und den Europaplatz lief und die Kranen- und Kalistraße gesperrt waren, zählte die Stadt werktags 9425 Fahrzeuge in 24 Stunden − eine Zunahme um 2076 Fahrzeuge.

"Der Verkehr hat sich anders verteilt, es hat sich in gewissem Maße eingespielt"

Beide Zähltage lagen außerhalb der Schulferien. Herrmann kennt die Zunahme − es sei aber keine extreme. Auf der nun gesperrten Kranenstraße wären zuvor 12.500 Autos in 24 Stunden gefahren. "Der Verkehr hat sich anders verteilt, es hat sich in gewissem Maße eingespielt."

Gleichwohl will die Stadt die Entwicklung in der Gerberstraße − zentrale Achse zwischen Mannheimer und Bahnhofstraße − weiter beobachten. Bei steigenden Werten oder extremen Staus könne man prüfen, den "Zufluss zu dosieren", wie Herrmann es formuliert. Darunter versteht er, Ampelschaltungen so zu verändern, dass andere Strecken attraktiver werden, der Zufluss zur Gerberstraße weniger attraktiv ist. Mit Anwohnern stehe man bei dem Thema in Kontakt. "Wir müssen es weiter kontrollieren."

Rückstaus und hupende Autos stören Anwohner

Andererseits verweist Herrmann darauf, dass es auch Ziel- und Wirtschaftsverkehr in die Innenstadt gebe und die Zufahrt zur Stadtgalerie gewährleistet sein müsse. Um reinen Durchgangsverkehr nachzuweisen, müsste man ein Ingenieurbüro mit einer Zählung beauftragen.

Ein Anwohner, der im Herbst nach dem Weindorf auf extreme Belastungen durch Staus und Abgase verwiesen hatte, ist Michael Pfiffner vom Hotel "Grüner Kranz". Auf die gemessenen Verkehrszahlen angesprochen, sagt er heute: "Gefühlt ist es mehr." Entscheidend sei aber nicht die Menge, "sondern der Verkehrsfluss". Belastend seien Rückstaus, ungeduldige Autofahrer, Gehupe und solche, die falsch in die Einbahnstraße einfahren.

Längere Grünphasen für Rechtsabbieger

Ein Dorn im Auge ist ihm die Ampelkreuzung zur Bahnhofstraße. Da dort für Rechtsabbieger gleich eine nächste Ampel stehe, fließe der Verkehr nicht ab. "Da passen gerade mal drei, vier Autos hin." Längere Grünphasen für die Rechtsabbieger einerseits und eine bessere Taktung der zweiten Ampel könnten nach Pfiffners Meinung helfen.

Zumal die Automengen auf der Gegenseite der Kreuzung, der Sackgasse zur Stadtgalerie, deutlich geringer seien. "Da könnte man auf jeden Fall viel verbessern."