Tierische Verbündete

Heilbronn  Junge Bastler lösen in der Experimenta mit ihren Lego-Robotern knifflige Aufgaben und stellen ihr Fachwissen unter Beweis

Von unserem Redaktionsmitglied Benjamin Richter

 

Gebannt beobachten Luca, Felix und Jonas in der Experimenta, wie ihr Roboter das Haifischbecken vor sich her schiebt. Die drei Realschüler wissen, dass das Aquarium innerhalb der rechteckigen Markierung stehenbleiben muss und der Hai nicht umfallen darf, damit sie die volle Punktzahl für die Aufgabe erhalten.

Das Becken, der Fisch und der Roboter bestehen aus Legosteinen und sind Teil einer der vielen Herausforderungen, denen sich die jungen Teilnehmer der First Lego League stellen müssen. Zum siebten Mal findet der Regionalwettbewerb im Science Center statt, diesmal unter dem Motto "Animal Allies", zu Deutsch etwa "Tierische Verbündete". Dabei stehen die Beziehungen zwischen Menschen und Tieren im Mittelpunkt.

Die Leistungen der dreizehn Teams werden in vier Kategorien bewertet. In einer Forschungspräsentation stellen die Kinder und Jugendlichen ein tierisches Projekt vor. Außerdem beurteilen die Juroren die Teamfähigkeit der Teilnehmer, das Design ihrer Roboter und ihre Kalibrierung, also wie präzise sie die Tiere aus Steinen bewegen und Hindernissen ausweichen.

Bot und Spiele

Der spannendste Teil der First Lego League sind die Robot-Games am Nachmittag, bei denen außer dem Haifischbecken viele weitere Aufgaben bewältigt werden müssen. Zweieinhalb Minuten Zeit haben die Teams, um mit ihren Robotern auf zwei aneinander geschobenen Tischen zum Beispiel über einen Schalter zu rollen, damit ein Blindenhund sein Herrchen auf die heranrollende Maschine aufmerksam macht. Jede gelöste Aufgabe gibt Punkte, die Roboter rasen übers Feld. "Wenn der Startschuss fällt, gibt es kein Halten mehr", meint Thomas Wendt, der pädagogische Leiter der Experimenta, der den Wettbewerb moderiert.

Alle Bewegungen der Roboter sind von den Teilnehmern vor den Wettbewerbsrunden programmiert worden, sodass nur der Startknopf betätigt werden muss. Aus einer Futterstation müssen Bausteine entnommen und in die sogenannte Base gebracht werden. Diese Ecke des Spielfelds ist der einzige Bereich, in dem die Teams ihren Roboter in die Hand nehmen und umbauen dürfen. An einer Kuhmelkstation müssen die Roboter ein Rad gerade so weit drehen, dass Milchfässchen herausrollen, aber nicht weiter, da der sonst freigegebene Kot, dargestellt durch braune Legosteine, die Teilnehmern Punkte kostet. Überall brauchen die Teams und ihre Maschinen viel Fingerspitzengefühl.

Die Jury zeigt sich bei den Forschungspräsentationen begeistert von der Idee der "Mobisyskids" aus Oberhausen-Rheinhausen, die einen Roboter entworfen haben, der Hundekot aufsammelt und mithilfe einer DNA-Analyse dem Tier zuordnet. Die drei Neunjährigen sind das jüngste Team im Wettbewerb.

Bemerkenswert ist, wie viele Teams Bienen als Forschungsthema gewählt haben. Die Teams "Let´s bee friends" und "Die Bienenzüchter" aus Nagold tragen die Tiere schon im Namen, die "Main Robots" aus Obernburg haben extra einen Imker befragt. Der 14-jährige Arvind und sein Team "Kepler X" aus Freudenstadt haben sich überlegt, wie man Bienen schützen kann, indem man weniger Pestizide einsetzt. Für die Insekten habe sich "Kepler X" entschieden, um sich von den anderen Mannschaften abzuheben. "Wir dachten, dass viele eher Hunde als Bienen nehmen."

Über Wildwechsel wissen die "Ganerben Roboter" aus Künzelsau Bescheid und finden, dass die heute üblichen blauen Reflektoren an Leitpfosten uneffektiv sind. "Besser geht es mit Wärmebildkameras", sagt der 14-jährige Brian. Diese könnten Autofahrer bei nahendem Wild mit LED-Leuchten warnen.

Eine Runde weiter Die Gewinner der Kategorien erhalten jeweils einen Glaspokal. Die Gesamtsieger "Robotics Rutesheim" und "Ganerben Roboter" ziehen ins Halbfinale an der Hochschule Offenburg ein und haben die Chance, sich fürs Finale in Regensburg zu qualifizieren.