Lebenslangen Weg symbolisch begleitet

Gundelsheim  Der rote Herzluftballon am Wanderrucksack steht nicht für eine Hochzeitsreise. Brigitte und Reiner Gauß wanderten mehr als 2000 Kilometer für Kinder mit angeborenem Herzfehler.

Von Wolfgang Müller

Lebenslangen Weg symbolisch begleitet
Brigitte und Reiner Gauß sind ein viertel Jahr lang für Herzkinder durch Deutschland gewandert und haben damit viel Aufmerksamkeit erregt.Foto: Wolfgang Müller

Seit gut vier Wochen sind sie inzwischen wieder daheim. So richtig angekommen sind Brigitte und Reiner Gauß aber noch nicht. Zu eindrücklich waren die Erlebnisse, die die beiden Gundelsheimer während der zwölf Wochen sammeln konnten, als sie gut 2000 Kilometer durch Deutschland gelaufen sind. Zahlreiche Entbehrungen, körperliche Anstrengungen kennzeichneten ihre Tour. Aber auch jede Menge Anerkennung. Weil sich das Ehepaar auf den Weg machte, um Familien mit herzkranken Kindern zu helfen.

Die Strecke hatte Reiner Gauß zuvor zusammengestellt. Unterwegs mit einem Navigationsgerät hielten die beiden Gundelsheimer ein viertel Jahr lang Kurs. 25,7 Kilometer pro Tag. Im Durchschnitt. Über Stock und Stein. Über breite Wege und schmale Trampelpfade mitten durch die Wälder. "Möglichst wenig Asphalt", sagt der 60-Jährige. Dennoch: "Wir hatten Blasen. Die Fußknochen haben geschmerzt. Und anfangs machte auch der Muskelkater im Rücken zu schaffen. Wegen der Rucksäcke", sagt der ehemalige Softwareentwickler, der mittlerweile im Vorruhestand ist.

Ans Aufgeben hat das Ehepaar aus der Deutschordensstadt aber in keiner Phase gedacht. "Wir haben nie gezweifelt", sagt Brigitte Gauß. Auch wenn sich die beiden über die gesamte Strecke nur vier Ruhetage gönnten. "Die gute Sache hat uns angetrieben. Jeden Tag, den wir wanderten, haben wir jemandem gewidmet, den wir kennen."

Neugeborene

Natürlich hatten die Gundelsheimer Spaß am Wandern. Mehrfach sind sie bereits auf dem Jakobsweg gepilgert. Aber zwischen dem 9. April und dem 30. Juni ging es um mehr. "Wir wollten aufmerksam machen auf die vielen Kinder, die mit Herzfehler auf die Welt kommen", sagt Brigitte Gauß. Das seien immerhin rund ein Prozent aller Neugeborenen. Mit ihnen symbolisch den langen, beschwerlichen Weg mitzugehen, war Intention der Gundelsheimer, die selbst einen Sohn mit angeborenen schweren Herzfehler haben.

Aufmerksamkeit haben Brigitte und Reiner Gauß auf ihrer Wanderung von Freiburg nach Kiel erregt. Über 40 Presseartikel säumten ihren Weg. Dazu Beiträge im Radio. Und zweimal im Fernsehen. Beim SWR in Mainz und beim WDR in Aachen. Dazu kamen zahlreiche Begegnungen mit anderen Wanderern auf der Strecke. Oder auch mit Menschen, die wissen wollten, wofür die beiden laufen. "Wir wurden sogar gefragt, ob wir auf Hochzeitsreise sind", erzählt Reiner Gauß und lacht. Weil die beiden eine Zeit lang mit einem rotem Herzluftballon am Rucksack unterwegs waren.

Terminiert

Insgesamt 17 Vereine, die sich herzkranken Kindern widmen, haben die Gaußens von Süd nach Nord angesteuert. Die Ankünfte waren stets exakt terminiert. Meist hatten die Vereine vor Ort eine Aktion geplant. Unter anderem durften die Gundelsheimer bei einem Stadtlauf in Aurich über die Ziellinie laufen. Unter großem Beifall der Zuschauer. "Da hatten wir wirklich richtig Gänsehaut bekommen", sagt Reiner Gauß.

11 634 Euro an Spendergeldern hat die Aktion eingebracht. Geld, das herzkranken Kindern zugute kommt. Neben dem materiellen Aspekt wollten die Gundelsheimer aber vor allem eines: Die Öffentlichkeit auf die große Zahl herzkranker Kinder aufmerksam machen. "Das wissen viele gar nicht", sagt Reiner Gauß. Und sie wollten den Eltern Mut machen, deren Kinder am Herzen operiert werden. "Herzkrank geboren, das ist ein lebenslanger Weg", sagt die 59-Jährige. Die Gundelsheimer sind ein Stück symbolisch mitgegangen.