Aufmerksam machen auf den "Gewerkschaftsgegner Nummer 1"

Von Heiko Fritze

Auch in der Heimatstadt von Lidl-Gründer Dieter Schwarz will Verdi nicht länger Zurückhaltung üben. Mit einem Informationsstand zu den Arbeitsbedingungen bei Lidl und Kaufland ging die Gewerkschaft in der Fußgängerzone an die Öffentlichkeit.

Aufmerksam machen auf den "Gewerkschaftsgegner Nummer 1"

Mit Broschüren und dem "Schwarzbuch Lidl" informierte die Gewerkschaft Verdi in der Heilbronner Fußgängerzone. (Foto: Rabea Sattar)

 

Große Kritik hat es bislang noch keine gegeben. Darauf ist der Heilbronner Verdi-Sekretär Helmut Schmidt besonders stolz. Als die Gewerkschaft im Dezember das "Schwarzbuch Lidl" veröffentlichte, in dem sie die Arbeitsbedingungen vor allem bei der Discount-Tochter der Neckarsulmer Schwarz-Gruppe anprangerte, habe es zwar kritisierende Stellungnahmen von Geschäftsfreunden und Mitarbeitern der Schwarz-Gruppe gegeben, aber ansonsten sei die Verdi-Position unterstützt worden, erzählt Schmidt: "Viele haben im Gegenteil berichtet, dass sie Bekannte oder Verwandte haben, denen es ebenso ergangen ist."

Und einige Beispiele von Schikane am Arbeitsplatz seien seitdem sogar von Kunden an Verdi herangetragen worden. Ein zweites "Schwarzbuch" sei in Vorbereitung, ob sich auch einer der in Heilbronn gemeldeten Fälle darin befindet, ist Schmidt nicht bekannt.

"Wir wollen der Heilbronner Bevölkerung zeigen, wofür Lidl auch steht", ist das Hauptanliegen des Infostands. Doch die Gewerkschaft will auch den Mitarbeitern Mut machen. Zwölf Paten gehen seit zwei Monaten regelmäßig in Lidl-Filialen, stellen sich als Gewerkschafter vor und bieten Hilfe an. Bislang sei die Resonanz verhalten, berichtet Schmidt. Doch das sei kein Wunder: "Lidl ist Gewerkschaftsgegner Nummer eins; von uns darf laut Anweisung nichts angenommen werden. Da ist es schon eine Überwindung, mit uns zu sprechen."

Dennoch habe die Verdi-Kampagne schon gewirkt, sagt Schmidt. "Die Schwarz-Gruppe ist vorsichtiger geworden." Soll heißen: Wo es Betriebsräte gibt, wird erstmals auch versucht, mit den Arbeitnehmervertretern einen Kompromiss zu finden. Und wo es keine gibt, wird erst recht gemauert.




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