In der Asche lagen Reste der verdächtigen Stiefel (07.12.)

Von Franziska Feinäugle

Hat der Siegelsbacher Bäckermeister Alfred B. ein Paar seiner seltenen Jagdstiefel verbrannt, weil er blutige Sohlenabdrücke in der Sparkasse hinterlassen hatte? In der Asche einer Feuerstelle bei Siegelsbach lagen Reste ebensolcher seltener Stiefel. Das hat ein chemisches Gutachten des Landeskriminalamts jetzt ergeben.

In der Asche lagen Reste der verdächtigen Stiefel
Hat Alfred B. solche Stiefel verbrannt, um Beweismittel zu vernichten?

Im Prozess um den Raubmord von Siegelsbach haben sich nach dem Verhandlungstag vom 25. November die Ereignisse überstürzt. An jenem Freitag hatte wie berichtet ein Gutachter den blutigen Sohlenabdruck vom Tatort eindeutig seltenen französischen Jagdstiefeln der Marke Le Chameau zugeordnet. Jagdstiefeln, wie der angeklagte Siegelsbacher Bäckermeister und Hobbyjäger Alfred B. nachweislich zwei Paar besessen hatte.

Selbst die Schuhgröße der Spur passte zu B. - nur dass bei ihm laut Akten keine solchen Stiefel gefunden worden waren. Das ist seit dem Prozesstag gestern anders. Das eine Paar hatten die Richter gestern auf dem Tisch. Vom zweiten Paar existieren vermutlich nur noch Überreste: zwei zerschmolzene Fladen, die erst jetzt in einer Feuerstelle beim Siegelsbacher Steinbruch gefunden wurden.

Stiefelpaar Nummer eins, von der Kripo bereits zwei Tage nach dem Raubmord vom 7. Oktober 2004 im Jagdfahrzeug des Angeklagten entdeckt, war durchs Raster der Polizei gefallen, weil das Sohlenprofil bereits auf den ersten Blick nicht zu dem blutigen Abdruck am Tatort passte. Da offenbar vergessen wurde, den Markennamen zu notieren, tauchte das Stichwort Le Chameau in der polizeilichen Ermittlungsakte zunächst nicht auf.

Zusammen mit vielen anderen sichergestellten Beweismitteln wurde das grüne Gummistiefelpaar im Juni 2005 an die Familie des Angeklagten zurückgegeben. In den Plastiksäcken von damals fand nach dem Prozesstag vom 25. November die Tochter des Bäckers die Schuhe. Das Profil dieses Stiefels , betonte die Verteidigerin gestern, findet sich nicht am Tatort.

Die Kripo hat indessen etwas anderes gefunden. Vom Staatsanwalt beauftragt, haben Beamte ein zweites Mal eine Feuerstelle untersucht, in der bereits kurz nach der Tat Papierschnipsel mit dem Namen des Bäckers sichergestellt worden waren. Zwei weiche, klebrig-elastische Fladen aus der Asche wurden zum Landeskriminalamt geschickt, zusammen mit einem Vergleichspaar Le Chameau -Stiefel. Die Experten wandten unter anderem ein Infrarot-Verfahren an und kamen zu dem Ergebnis, dass in der Feuerstelle Gegenstände verbrannt wurden, die mit dem Material des Vergleichsstiefels identisch sind .

Der am 9. Oktober 2004 verhaftete Alfred B. streitet bis heute ab, die Sparkasse überfallen, eine Frau erschossen und zwei Männer schwer verletzt zu haben. Der Prozess wird am 19. Dezember fortgesetzt.


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