- Artikel
- 0 Kommentare
- Versenden
Boykott hat niemand in Erwägung gezogen (01.04.2008)
Von Bärbel Kistner
Heilbronn - Bei der Fahrt zum Lidl-Markt an der Sontheimer Landwehr hat Dieter Dürr an den Skandal um die Überwachung von Mitarbeitern gedacht: „Ich habe geglaubt, es sei leer auf dem Marktplatz.“ Doch mitnichten. Am Montagnachmittag ist der Discounter gut frequentiert, und auch dem Talheimer wäre nicht in den Sinn gekommen, Lidl zu boykottieren. Eine Hollywoodschaukel für sein Enkelkind will er sich anschauen. Dass es für Mitarbeiter nicht angenehm ist, von Detektiven beobachtet zu werden, kann sich Dieter Dürr dennoch gut vorstellen.
Zwiegespalten ist Claudia Dietle, die häufig hier einkaufen geht. Natürlich dürfe man Angestellte nicht bei jedem „in der Nase Bohren beobachten“. Andererseits hat die Kundin Verständnis dafür, dass sich ein Arbeitgeber vor ihnen schützen will, „die in der Ecke stehen und nichts tun“. Auch, dass Lidl mit Hilfe von Videokameras Diebstähle eindämmen will, mag die Heilbronnerin einsehen. „Überwachungen kommen immer mehr. In der heutigen Zeit geht das vielleicht gar nicht mehr anders.“ Zudem ist sie überzeugt, dass solche Methoden ebenso in anderen Läden zum Einsatz kommen.
Dieser Meinung ist auch Monika Rottler aus Horkheim. Sie will nichts kommen lassen auf Lidl und rät dazu, „die Sache nicht so hochzuspielen“. Für sie zählt vor allem, wie sie als Kundin behandelt wird: „Ich gehe gerne hier einkaufen und habe noch nie jemand Unfreundliches erlebt.“ Ihrem Eindruck nach haben die Mitarbeiter bessere Arbeitsbedingungen als bei anderen Discountern oder im Drogeriemarkt.
Darauf pocht auch ein Mitarbeiter, der seit zwölf Jahren im Unternehmen ist und der ungenannt bleiben möchte: „Anderswo sind die Angestellten total genervt und gestresst. Lidl zahlt dagegen Überstunden und Zuschläge für Spätschicht.“ Er hält den Wirbel um Bespitzelungen für total übertrieben: „Das ist ein Einzelfall und nicht im Sinne von Lidl.“ Er habe von Kollegen eine entsprechende Rückmeldung bekommen: „Die machen sich sogar lustig darüber.“
Das kann sich Thomas Kobia aus Brackenheim kaum vorstellen. Für ihn bleibt das Vorgehen eine Unverschämtheit. „Was ein Mitarbeiter auf der Toilette mache, geht niemanden etwas an.“ Die öffentliche Entschuldigung via Anzeigen empfindet er als scheinheilig: „Nachher geht das genauso weiter.“ Einkaufen geht er trotzdem bei Lidl: „Den Mitarbeitern nutzt es doch gar nichts, wenn ich den Laden boykottiere.“
Weitere Artikel zu diesem Thema:
- Karl-Heinz Holland führt Lidl
- Oskierski geht - Lidl muss einen neuen Kronprinzen suchen (26.09.08)
- Lidl muss Millionen-Strafe zahlen (11.09.08)
- Schwarz-Gruppe ist die Nummer zwei im Land (10.09.08)
- Keine verdeckte Überwachung mehr (09.09.08)
- Bespitzelung: Lidl will Bußgeld zahlen (06.09.2008)
- Datenschützer prüfen Bußgeld für Lidl (17.07.2008)
- Lidl-Chef Klaus Gehrig: An der Lidl-Spitze steht kein Meister Proper (07.05.2008)
- Lidl will Filialen wieder mit Kameras und Detektiven überwachen (07.05.2008)
- Mitarbeiter gehen für Lidl auf die Straße (15.04.2008)
- Lidl-Chef: „Das war falsch“ (09.04.08)
- Lidl setzt zum Sprung über den großen Teich an (10.04.08)
- Lidl: „Nie systematisch spioniert“ (07.04.08)
- Lidl entwickelt neues Sicherheitskonzept (07.04.08)
- Lidl stellt alle Kameras ab (05.04.2008)
- Lidl-Berater setzt auf offene Überwachung (04.04.2008)
- Lidl muss Fragen beantworten (02.04.2008)
- Lidl: Betriebsrats-Gründung ungültig (01.04.2008)
- Verdi macht Druck bei Lidl (28.03.08)
- Ruf nach besserem Datenschutz (28.03.08)
- Lidl entschuldigt sich (27.03.08)
- Bespitzelungs-Vorwürfe gegen Lidl (26.03.08)
- Schwarz-Gruppe verkauft online (03.03.2007)
- Lidl-Chef Gehrig setzt auf eine neue Tonart (03.03.2007)
Schnell gefunden
Polizeiticker
Abstatt 14:16 Uhr
Unfallflucht - Ford Ranger Pickup gesucht
Neckarsulm 14:15 Uhr
Fußgängerin gegen Radfahrer – zwei Verletzte
Heilbronn 14:14 Uhr
Neckarsulm 14:12 Uhr
Bad Friedrichshall 15:27 Uhr
Nach Todesfall: Tatverdächtiger in Haft
Heilbronn 13:50 Uhr





