Wikipedianer der Region, vereinigt Euch!

Heilbronn  Schwarmintelligenz aus der Region für die Region: Das Portal Heilbronn verfasst und pflegt Artikel zu Stadt und Landkreis. Klassische Nachschlagewerke drohen 15 Jahre nach der Gründung des Online-Lexikons zu verschwinden.

Von Christoph Feil

KINA - Niemals fertig

An seinen ersten Artikel erinnert sich Matthias Meilicke noch ganz genau: Carl Heinrich Theodor Knorr, Gründer des gleichnamigen Nahrungsmittelunternehmens in Heilbronn. „2007 habe ich mich in den Weihnachtsferien hingesetzt und in mühevoller Arbeit meinen Eintrag verfasst“, erzählt der 54-jährige WahlHeilbronner schmunzelnd. Aus dem bisherigen Nutzer wurde ein Wikipedianer.

Zusammen mit Peter Schmelzle und zwei weiteren ehrenamtlich engagierten Wikipedia-Mitarbeitern bildet der Personalleiter den harten Kern des Portals Heilbronn. Etwa alle sechs Wochen trifft sich die Gruppe zum Stammtisch, macht Ausflüge, tauscht sich über Themen rund um die Region aus. Waren es vor sieben Jahren täglich mehrere Stunden, die Peter Schmelzle in seine Einträge investierte, sei es heute eine halbe Stunde. „Die Art der Arbeit hat sich geändert“, erklärt der 48-jährige Mediengestalter. „Früher musste viel recherchiert werden, heute geht es mehr um Bestandspflege.“ Ein straffes Qualitätsmanagement herrsche innerhalb des Online-Nachschlagewerks, loben die beiden Wikipedianer. Stichwort: Schwarmintelligenz. Falsche Informationen hielten sich nie lange, weil sich die unterschiedlichen Mitarbeiter-Hierarchien gegenseitig kontrollierten.

Keine Konkurrenz zur Wissenschaft

Wikipedianer und Wissenschaftler – in den Augen von Professor Christhard Schrenk kommen sie sich nicht in die Quere. „Wir haben einen intensiven Kontakt“, sagt der Leiter des Stadtarchivs Heilbronn. Oft sei die Gruppe im Haus, um zu recherchieren. „Wir Wissenschaftler wollen genauso Wissen vermitteln, bei uns kommt jedoch noch hinzu, dass wir es auch erforschen“, erklärt der 57-Jährige. Er selbst nutze die Online-Enzyklopädie täglich mindestens ein Mal. Dass Wikipedia zudem alte oder schwer verfügbare Quellenausgaben zugänglich mache, davon könne die Forschung wiederum profitieren.

Vom Aufstieg der Online-Enzyklopädie ganz und gar nicht profitiert haben hingegen die klassischen Nachschlagewerke wie Brockhaus und Co. „Zu Weihnachten oder Konfirmationen verkauften die sich wie geschnitten Brot“, erinnert sich Buchhändler Andreas Stritter. Mittlerweile stünden sie gar nicht mehr im Katalog. „Viele Leute wissen das gar nicht und sind dann verwundert“, sagt Osiander-Mitarbeiterin Jasmin Bröckel. Einzig im Kinder- und Jugendbereich gebe es noch eine größere Auswahl. „Eltern wollen, dass ihre Kinder das Nachschlagen nicht nur im Internet lernen“, erklärt die 26-Jährige.

Mitmachen 

Artikel korrigieren, ergänzen oder selbst schreiben – wer sich am Portal Heilbronn beteiligen möchte, findet nähere Infos unter de.wikipedia.org/wiki/Portal:Heilbronn