Wahlgeschenke in der Fußgängerzone

Heilbronn  Wie Parteien an ihren Ständen mit verschiedenen Taktiken um jede Stimme kämpfen.

Von unserem Redakteur Helmut Buchholz

Es weht ein eiskalter Wind durch die Heilbronner Fußgängerzone. Highnoon in der City: Am Samstag um die Mittagszeit wird es zwischen Fleiner-Tor-Brunnen und Kiliansplatz eng im Kampf um jede Wählerstimme.

Eine der zugigsten Ecken hat Pro mit ihrem Stammplatz am Fleiner-Tor-Brunnen erwischt. Der Wind bläst den Rauch von Stadtrat Alfred Dagenbachs brennender Zigarre weg. Das Pro-Maskottchen hat es im Pandabär-Kostüm warm. Doch das Wetter ist bei Dagenbach & Co kein Thema.

Von wegen Wahlmüdigkeit nach dem langen Oberbürgermeisterwahlkampf in Heilbronn. Dagenbach: „Sehe ich nicht so.“ Nur seien die Leute ein bisschen verwirrt, weil ja am 25. Mai nicht nur Kommunal-, sondern auch EU-Wahl ist.

 

 

Abgesteckte Reviere

Ein paar Meter weiter zeigt die FDP der Konkurrenz von Pro die kalte Schulter. „Die rücken uns ganz schön auf die Pelle“, sagt der frühere Staatsminister Michael Link. „Mehr als sonst.“ In der Fußgängerzone sind die Reviere über Jahre hinweg abgesteckt.

Die Stadtverwaltung weist den Parteien auf Antrag meist ihren angestammten Platz zu. Und die FDP steht darum Pro ziemlich nahe. Was den Liberalen aber nichts ausmacht. Ganz stolz sind sie auf ihren Lamellenflyer, der fast wie ein kleines Daumenkino funktioniert und aus einer grauen eine grüne Stadt macht. „Wir wollen nicht, dass Heilbronn verbaut wird“, sagt FDP-Stadtrat Nico Weinmann.

Die AfD ist zufrieden mit ihrem Standplatz. Gegenüber vom Spargelverkauf, das bringt Frequenz. Ansonsten haben Rainer Podeswa, seine Frau Angela und Sohn Matthias Mühe, die Passanten für ihr Anliegen „zu motivieren“, wie Angela Podeswa berichtet. „Es ist halt kalt.“

Glücksrad

Die größte Traube Menschen bildet sich an diesem Samstag um den CDU-Stand. Genauer: vor dem Glücksrad, für das schon traditionell Stadträtin Gisela Käfer die Glücksfee spielt. Jeder Kandidat gewinnt. „Wählen Sie CDU“, betont die nimmermüde Wahlkämpferin nach jedem Dreh am Rad, auf dem Bilder aller 40 CDU-Gemeinderatskandidaten aufgeklebt sind. 

Jeder Dreh gewinnt Frühlingszwiebeln und Salat aus Horkheim. CDU-Bewerber Thomas Randecker spürt im Kontakt mit den potenziellen Wählern keine Wahlmüdigkeit. Doch nach der Bundestagswahl und dem OB-Wahlkampf drehen wohl die CDU-Leute schon vereinzelt am Rad, man müsse die eigenen Reihen motivieren, erklärt Randecker.

Am Glücksrad der Freien Wähler sind die Schlangen kürzer als bei der CDU. „Es läuft gut“, unterstreicht Stadtrat Heiner Dörner dennoch. Allerdings kritisiert er die Flut der Wahlplakate, die Heilbronn zurzeit überschwemmt. „Früher hatten wir Holzwände für die Plakate.“

Übersättigung

Eine gewisse „Wahlkampf-Übersättigung“ konstatiert SPD-Fraktionschefin Sybille Mösse-Hagen nach der OB-Wahl. Darum würden die Sozialdemokraten „keine staatstragende, sondern ein fröhliche Kampagne fahren“. Auch was die sogenannten Giveaways angeht, übt sich die SPD in Zurückhaltung: Sie setzt auf Blumensamen und Gummibärchen.

Mit viel Phantasie haben die Grünen ihren Stand auf dem Kiliansplatz hergerichtet. Es gibt eine fahrradbetriebene Carrera-Rennbahn und die „friedlichste Bombe der Welt“. Dabei handelt es sich um ein Blumensamensäckchen, dass man guerillamäßig in der Stadt fallen lässt, damit saftige Wiesen und Blumen gedeihen. „Kommt alles gut an“, sagt Grünen-Stadtrat Alexander Habermeier.

Der Gegenentwurf zu den Grünen steht gegenüber auf dem Kiliansplatz: Die Linken haben ihren Stand neben der Freien-Baptisten-Gemeinde an der Kilianskirche und haben fast nichts an Passanten zu verschenken. Linke-Spitzenkandidat Ergin Özcan: „Das haben wir bewusst so entschieden.“