Waffennarr muss nicht ins Gefängnis

Zu zwei Jahren Gefängnis auf Bewährung und einer Geldstrafe von 13 600 Euro hat das Landgericht Mosbach am Donnerstag einen 39-Jährigen aus Neckarzimmern wegen Besitzes illegaler Waffen und größerer Mengen Drogen sowie wegen Verstoßes gegen das Kriegswaffenkontrollgesetz verurteilt.

Von Wolfgang Müller

Prozess - Zu zwei Jahren Gefängnis auf Bewährung und einer Geldstrafe von 13 600 Euro hat das Landgericht Mosbach am Donnerstag einen 39-Jährigen aus Neckarzimmern wegen Besitzes illegaler Waffen und größerer Mengen Drogen sowie wegen Verstoßes gegen das Kriegswaffenkontrollgesetz verurteilt. Nicht nachzuweisen waren dem Angeklagten dagegen Kontakte zur rechtsextremen Szene, obwohl er große Mengen Propagandamaterial besessen hatte.

Dunkles Hemd, helle Krawatte, akkurate Frisur. Während der Verhandlungspause hielt sich der Angeklagte einen Aktenordner vors Gesicht. Bieder wirkte der 44-fache Blutspender, Ehemann und Vater einer siebenjährigen Tochter. Schon bei der polizeilichen Vernehmung ist er geständig gewesen. Von den Waffen wolle er heute nichts mehr wissen.

Riesige Sammlung Dabei hatte der angeklagte T. im vergangenen Oktober für Aufsehen gesorgt. Bei einer Razzia in der Wohnung des Beschuldigten und im elterlichen Haus in Gundelsheim-Böttingen fand die Polizei Handgranaten, Pioniersprengköpfe, Maschinengewehre, Pistolen, eine Panzerfaust, eine Sprenggranate, Wurfsterne, Schießkugelschreiber, Springmesser und Würgehölzer - die Liste ließe sich fortsetzen. „So eine riesige Sammlung habe ich in meiner Laufbahn noch nicht gesehen“, sagte Oberstaatsanwalt Franz-Josef Heering.

Mit einer Panzerfaust, die der Angeklagte als 16-Jähriger im Wald gefunden haben will, habe alles angefangen. „Da hat mich der Sammelvirus gepackt.“ Zugang zu Waffen hatte er schon früher. „Mein Vater war Übungsleiter beim Schützenverein und hat mich an die Sache herangeführt.“ T., der heute als Chemiearbeiter im nördlichen Landkreis Heilbronn beschäftigt ist, verpflichtete sich später für vier Jahre bei der Bundeswehr. „Das war toll, weil ich dort mit jeder Menge Material hantieren konnte.“ Zuletzt war er Vorsitzender der Reservistenkameradschaft in Neckarzimmern.

Im Laufe von 25 Jahren baute T. seine Sammlung auf, abonnierte Waffenzeitschriften, kaufte und tauschte auf Waffenbörsen in Belgien und las sich in die Fachliteratur ein. „Jede Schraube und jedes Ersatzteil war für mich ein Highlight“, sagte der Angeklagte, der inzwischen in psychologischer Behandlung ist.

Wehrsportgruppe Gefunden hatten die Beamten auch rechtsextremistisches Propagandamaterial. Unter anderem eine Musik-CD einer Gruppe, die sich „Zillertaler Türkenjäger“ nennt, Aufkleber mit der Aufschrift „Israel, nein danke“ und Ausführungen zum „Gas in Au-schwitz“. „Wir brauchten drei Tage, um die Sachen aufzulisten“, sagte Kriminaloberkommissar Ortwin Söhner. Dazu gehörte auch Material über eine mögliche „Wehrsportgruppe T.“ und eine DVD von einer Veranstaltung mit dem Angeklagten, auf der auch Kinder zu sehen sind, die mit Gewehren schießen.

Obwohl für Richter Alexander Ganter das Geständnis des Angeklagten „nicht allzu hoch einzuschätzen ist“, beließ er es bei einer Bewährungsstrafe. Es wäre nicht angemessen, T. jetzt für längere Zeit aus dem Berufsleben herauszureißen, so Ganter.