Stadtbahn: Grünes Licht für Paulinentrasse

Heilbronn - Der Antrag, zur Stadtbahntrasse über den Europaplatz zu wechseln, ist vom Tisch. Gestern Abend kurz nach 18 Uhr übersandten die drei antragstellenden Fraktionen diese Mitteilung an OB Helmut Himmelsbach.

Heilbronn - Der Antrag, zur Stadtbahntrasse über den Europaplatz zu wechseln, ist vom Tisch. Gestern Abend kurz nach 18 Uhr übersandten die drei antragstellenden Fraktionen diese Mitteilung an OB Helmut Himmelsbach. Zuvor hatten SPD, FDP und Freie Wähler (FWV) der Heilbronner Stimme ihre tiefe Enttäuschung über das Vorgehen der Verwaltung erklärt.

"Die Sorge um das Restrisiko wog schwerer" als ihre Überzeugung, offenbart dabei SPD-Fraktionschefin Sibylle Mösse-Hagen. Nicht etwa "weil wir von der Paulinenstraße überzeugt wären oder den Glauben an die Zukunftsfähigkeit der Europaplatz-Trasse verloren hätten", ziehe man den Antrag vor der heutigen Gemeinderatssitzung zurück: "Wir wollten das Gesamtprojekt von Stadt und Landkreis nicht gefährden."

Sicherer denn je aber sei man auch, so Mösse-Hagen: "Wäre die Europaplatztrasse die Lieblingstrasse der Verwaltung, sie wäre längst zuschussfähig berechnet worden."

Europaplatz

Der Weg über den Europaplatz bleibt auch für Nico Weinmann und die FDP "die effizienteste, effektivste und zukunftsfähigste" Wegführung für die Stadtbahn Richtung Norden. Doch leider müsse man zur Kenntnis nehmen, dass die Verwaltung über Jahre "fahrlässig, bewusst fahrlässig oder willentlich den Sachverhalt nicht vollständig dargestellt hat". Dadurch dass der Gemeinderat "nicht hinreichend" informiert gewesen sei, habe es auch nie "objektive Vergleichswerte" für die unterschiedlichen Trassen gegeben. "Wir stellen nun unsere individuelle Überzeugung hintan", bekennt Weinmann. Ein Umschwenken zum jetzigen Zeitpunkt "würde aller Voraussicht nach dazu führen, dass schlechte Fördergrundlagen angewandt würden." Es bleibe ein "Unbehagen gegenüber der Verwaltung."

"Die Paulinenstraße bleibt eine Fehlentscheidung", wiederholen auch die Freien Wähler ihre Einschätzung, die Linienführung über den Europaplatz sei die bessere, zukunftsfähigere, "denn die Entwicklung der Stadt liegt im Westen", so Heiner Dörner. Die Verwaltung aber habe diese Trasse "schlechtgerechnet, Fragen nicht explizit beantwortet, immer nur mit Behauptungen gearbeitet". Letztendlich aber laute die Antwort auf den hohen politischen Druck, so Dörner: "Wir wollen nicht die Totengräber der Stadtbahn sein." Sein Kollege Malte Höch: "Ich fühle mich politisch an die Wand gedrückt."

Russisches Roulette

"Es tut uns in der Seele weh", beschreibt SPD-Stadtrat Gerd Kempf den Abschied vom Europaplatz. Das "russische Roulette" aber, die Förderung durch Verzögerungen zu verlieren, könne man nicht wagen.

Allerdings macht er auf "Merkwürdigkeiten" aufmerksam: Noch 2008 habe die Verwaltung erklärt, der Zuschussgeber "beharrt nicht auf dem günstigsten Faktor, sondern akzeptiert Ziele der Stadtentwicklung" − und mit dieser Aussage die von der SPD ins Spiel gebrachte Kreuzenstraße abgelehnt. Merkwürdig, so Marianne Kugler-Wendt, sei auch die Auskunft, dass die Deutsche Bahn in Zukunft weiter den DB-Halt Sülmertor anfahre − denn damit kämen die Berufsschüler schneller vom Landkreisnorden nach Heilbronn. "Die fehlen dann in den Einnahmen der Stadtbahn."

Am Donnerstag um 15 Uhr kommt der Gemeinderat im Großen Ratssaal Heilbronn zusammen. Zur Abstimmung stehen nur noch der Antrag der Verwaltung zur Paulinenstraße und der Antrag von Pro Heilbronn, die Stadtbahn nach Norden ganz fallenzulassen.

Grafik Stadtbahn