Rettungssanitäter beim Einsatz bestohlen

Heilbronn  Ein Dieb lässt aus einem ASB-Fahrzeug Tablet-Computer und Geld mitgehen, während sich die Retter um eine Patientin kümmern. Der Respekt vor der Arbeit von Rettern nimmt leider ab, sagen die Einsatzkräfte.

Von Alexander Klug

ASB-Fahrer bestohlen
Am Heilbronner Käthchenhof ließ ein Dieb aus einem ASB-Fahrzeug Tablet-Computer und Geld mitgehen, während sich Retter um eine Patientin kümmerten. Foto: Alexander Klug

Dreist: Ein Dieb lässt einen Tablet-Computer und Geld mitgehen. Noch dreister: Tablet und Geld stammen aus dem Führerhaus eines Rettungswagens.

Die beiden Sanitäter kümmern sich am anderen Ende des Fahrzeugs um eine Frau, legen EKG-Elektroden an. Einer der Helfer bemerkt den Dieb, verfolgt ihn ein paar Meter zu Fuß, kehrt dann aber zu der Frau zurück. „Ich war total perplex, als ich gesehen habe, was vor sich geht“, sagt Rettungssanitäter Marcus Weber, als er von dem Ereignis beim Heilbronner Käthchenhof berichtet.

Als Sanitäter beschimpft und bespuckt worden

„Ich habe die Polizei gerufen, aber der Dieb war schon entkommen“, sagt der Sanitäter. Den Tablet-Computer hat der Mann auf der Flucht weggeworfen, das Display ist gerissen. „In 15 Jahren als Rettungssanitäter habe ich schon einiges erlebt“, sagt der 38 Jahre alte Kirchhausener. „Aber während des Einsatzes bestohlen worden bin ich noch nicht. Das ist bitter.“

Erfahrungen mit Respektlosigkeiten habe er bereits eine Menge gesammelt. „Es kommt schon vor, dass man als Sanitäter im Einsatz beschimpft oder bespuckt wird“, sagt Marcus Weber. Auch Schaulustige, die die Retter nicht selten bei ihrer Arbeit behindern, würden sich immer öfter uneinsichtig zeigen. „Dass wir auch die Privatsphäre von Verletzten schützen müssen, sehen viele nicht ein.“

Respekt gegenüber Rettern und Helfern hat gelitten

Ein solcher Fall sei ihm noch nie untergekommen, sagt Udo Bangerter Er ist Sprecher des Landesverbands des Deutschen Roten Kreuzes (DRK) in Stuttgart. „Ich hoffe, dass es sich um einen zwar deprimierenden, aber einzelnen Fall handelt.“ Auch er erlebe und erfahre, dass der Respekt gegenüber Rettern und Helfern aller Art in den vergangenen Jahren gelitten hat.

„Das fängt scheinbar harmlos an. Zum Beispiel, wenn die Rettungswagenbesatzung vor Ort vorwurfsvoll gefragt wird, wo denn der bestellte Notarzt bleibe“, sagt der DRK-Sprecher. Die Skala reiche bis zu Beleidigungen oder der Art, die Einsatzkräfte bei der Arbeit zu behindern. „Es ist manchmal unfassbar dreist, was manche Leute machen, um besser gaffen zu können.“ Leider sei dabei eine deutlich zunehmende Tendenz zu erkennen.

Feuerwehr kennt Probleme mit Schaulustigen

Mit den Folgen gestiegener Respektlosigkeit seien die Beamten schon seit langer Zeit konfrontiert, sagt Polizeisprecher Rainer Köller. „Solche Fälle sind in den vier Landkreis, für die wir zuständig sind, definitiv mehr geworden.“ Die Frechheit, Technik und Geld aus einem Einsatzfahrzeug zu stehlen, sei ihm aber noch nicht untergekommen. Die Beamten seien dazu angehalten, an den Einsatzorten vorsichtig zu sein, die Fahrzeuge abzuschließen.

Das Abschließen der Einsatzfahrzeuge ist auch bei der Feuerwehr wichtig, sagt ihr Sprecher Jürgen Vogt. Wobei die Situation nicht ganz mit der eines Rettungswagens vergleichbar ist. „Bei den größeren Fahrzeugen bleibt immer ein Mann am Fahrzeug, falls es bewegt werden muss“, führt der Berufsfeuerwehrmann aus. Zwar seien die Einsatzkräfte mit viel Ausrüstung vor Ort. „Die Geräte sind aber alle dauerhaft gekennzeichnet, sei es durch Lackierung oder Gravur.“

Das Problem mit Schaulustigen kenne die Feuerwehr aber auch. „Manche wollen nur Informationen, andere beachten Straßensperrungen nicht oder werden unverschämt. Solche Fälle geben wir an die Polizei weiter. Wir haben für so etwas während eines Einsatz einfach keine Zeit.“

 

Rücksichtslose Schaulustige

Fälle, bei denen Schaulustige Retter behindern oder lieber Fotos machen statt zu helfen, hat es in der Region zuletzt häufiger gegeben.

Bei einem schweren Unfall auf der B27 bei Neckarsulm gab es im Januar Ärger mit GaffernDrei Ersthelfer berichten von Schaulustigen, die nichts besseres zu tun gehabt hätten, als "dumme Sprüche" zu machen und mit dem Smartphone zu filmen.

Im vergangenen Jahr waren Polizisten und Feuerwehrleute nach einem Unfall beim Weinsberger Kreuz auf der A81 teilweise schockiert über die Art, wie rücksichtslos Vorbeifahrende den Unfallort fotografiert hatten.