Offene Daten machen das Leben leichter

Heilbronn  Netzaktivisten engagieren sich für mehr offene Daten - auch in Heilbronn. Zum Open Data Day am kommenden Samstag können sich Interessierte in den Räumen der Heilbronner Stimme vernetzen.

Von Vanessa Wormer

Die Recycling Map von Adrian Stabiszewski und Felix Ebert.

 

Montags Restmüll, alle vier Wochen Wertstoff, an Feiertagen kommt die Tonne einen Tag später raus: Sich die Zeiten der Müllabfur zu merken, ist im Alltag nicht immer leicht. Dazu kommen die Öffnungszeiten der Recyclinghöfe, von denen es im Landkreis Heilbronn mehr als 50 gibt.

Das Landratsamt stellt die Abfuhr- und Öffnungszeiten zwar im Internet zur Verfügung. Aber: "Möchte man die Daten erfahren, muss man sich mühsam durch alle Optionen klicken und bekommt am Ende nur eine PDF Datei angezeigt. Das ist ziemlich umständlich und im Zeitalter von Smartphones nicht mehr zeitgemäß", sagt Adrian Stabiszewski (36), Softwareentwickler aus Untergruppenbach.

Er und sein Neckarsulmer Kollege Felix Ebert (25) programmierten deshalb eine interaktive Recycling-Karte. Der Bürger sieht damit auf einen Blick, welche Recyclinghöfe am jeweiligen Tag geöffnet haben. Die beiden Entwickler haben aus den öffentlich zugänglichen Behördendaten eine Visualisierung erstellt, die für Bürger einen hohen Nutzwert haben kann.

Mehr Service, mehr Transparenz

Adrian und Felix sind sogenannte Netzaktivisten. Sie engagieren sich für mehr offene Daten ("Open Data") in der Gesellschaft. "Wir hoffen, dass immer mehr Behörden maschinenlesbare Daten zur Verfügung stellen", sagt Adrian. Sie wollen mehr Transparenz der Behörden, mehr Service für den Bürger und am Ende mehr Demokratie für die Gesellschaft erreichen. Beide sind damit Teil einer Open-Data-Bewegung, die seit einigen Jahren weltweit auf dem Vormarsch ist.

2004 wurde die internationale Open Knowledge Foundation als gemeinnützige Organisation gegründet, mit dem Ziel, das Thema Open Data in der öffentlichen Wahrnehmung präsent zu machen. Mittlerweile gibt es in Berlin einen deutschen Ableger der Open Knowledge Foundation. Der gemeinnützige Verein unterstützt Open-Data-Projekte in ganz Deutschland und fördert den Programmier-Nachwuchs mit Aktionen wie "Jugend hackt" (in Anlehnung an "Jugend forscht").

Projektarbeit

Auch Felix Ebert und Adrian Stabiszewski sind in Kontakt mit den Berliner Aktivisten. Ebert hat mit Unterstützung der Open Knowledge Foundation "Argufactum" konzipiert - eine interaktive Entscheidungshilfe und ein Werkzeug für Bürgerentscheide. Auch hier geht es um mehr gesellschaftliche Transparenz. “Argufactum soll das Treffen von fundierten Entscheidungen erleichtern und sachliche Diskussionen fördern”, sagt Felix. Meistens entstehen diese Projekte an einzelnen Tagen, in Zusammenarbeit von mehreren Leuten, auf sogenannten "Hackdays".

"Die Projekte sind oft unfertig, wenn sie online gehen. Sie funktionieren etwa nicht in allen Browsern oder haben noch Schwächen", sagt Felix Ebert. Aber auch das ist Open Data: Jeder kann eigene Projekte starten, neue Ideen umsetzen und bestehende Projekte verbessern.

Die Recycling-Map ist auch noch Stückwerk. "Die Müllabfuhrzeiten sollen noch visualisiert werden. Optimal wäre eine Benachrichtungsfunktion für Bürger, die einen daran erinnert, den Müll rauszustellen. Auch ein Kalender für das Smartphone wäre praktisch.", sagt Adrian. Das Landratsamt hat bereits eine App entwickeln lassen, die solche Funktionen bietet. "Leider scheint gerade diese interessante Funktion etwas störanfällig zu sein", erklärt Adrian Stabiszewski.

Zu tun gibt es also noch genug. Die beiden wollen noch mehr Menschen von Open Data überzeugen, sprechen regelmäßig mit Behörden und entwickeln Ideen.

Internationaler Open Data Day

Am 22. Februar findet der Internationale Open Data Day statt. Dieses Event haben die beiden zum Anlass genommen zusammen mit dem Digital Camp der Heilbronner Stimme auch in Heilbronn einen Hackday zu organisieren, bei dem Interessierte zusammen kommen und Open Data Projekte realisieren können.

Adrian ist überrascht über den Zuspruch: “Gut 20 Anmeldungen zum Open Data Day stimmen uns zuversichtlich, dass dies ein toller Anfang für eine Open Data Bewegung in Heilbronn sein könnte. Einige Städte wie Berlin, Köln oder Ulm sind uns voraus, aber durch eine gute Zusammenarbeit mit den Behörden können wir noch einiges aufholen."

>>> Link zur Recycling-Map

>>> Link zu Argufactum

>>> Link zur Open Knowledge Foundation

>>> Link Open Data Lab

 

Hintergrund: Open Data Day in Heilbronn (#oddhn)

Am 22. Februar ist der Internationale Open Data Day. In Heilbronn findet zu diesem Anlass ein sogenannter "Hackday" in den Räumen der Heilbronner Stimme, Allee 2, statt, bei dem sich Interessierte mit dem Thema Open Data vertraut machen, an interessanten Datenvisualisierungen basteln und Startup-Ideen in der Region fördern können. Beginn ist um 10 Uhr, weitere Informationen gibt es hier

>>> Zum Pad, in dem sich Teilnehmer eintragen können 

 

Live-Blog: Open Data Day in Heilbronn #oddhn

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