Neue Verkehrsführung in Heilbronn: Chaos bleibt aus

Heilbronn  Am Montagmorgen wurde die neue Karl-Nägele-Brücke für den Verkehr freigegeben. Bereits seit dem Wochenende sind die Kali - und Kranenstraße gesperrt. Unser Kollege hat geschaut, wie sich die neue Verkehrsführung auf den morgendlichen Berufsverkehr auswirkte.

Von Carsten Friese

 

 

Das neue Verkehrszeitalter in Heilbronn beginnt mit einer ersten Überraschung: Als am Montagmorgen kurz vor 8 Uhr der Verkehr über die neue, verbreiterte Karl-Nägele-Brücke fließt, ist dort von Stau oder Kollaps nichts zu sehen: Der Verkehr fließt ruhig über die vierspurige Brücke. Meiden vielleicht viele die mögliche neue Engstelle in Heilbronn?

Weil die Kali- und Kranenstraße voll gesperrt wurden, wo der Neckaruferpark und die neue Experimenta entstehen, wird der Verkehr in dem Areal neu geleitet: über die Nägele-Brücke, Füger- und Weipertstraße zum Europaplatz. Rund 20.000 Fahrzeuge müssen aus der Kalistraße verlagert werden. Geht das ohne große Probleme?

Gut 45 Minuten später werden erste Belastungsfolgen sichtbar: In der Fügerstraße stadteinwärts stauen sich die Autos zurück, in der Weipertstraße stehen Autos auf zwei Fahrspuren Stoßstange an Stoßstange bis zum Europaplatz. Eine rechte dritte Spur, die als Einfädelspur für das Reißverschlussverfahren gedacht ist, bleibt weitgehend leer. Eine Autofahrt etwas später um 10.15 Uhr ergibt: Von der roten Ampel Füger-/Weipertstraße via Europaplatz zum Eisstadion dauert es knapp drei Minuten − mit erfolgreichem Einfädeln.

 

 

Tag eins der neuen Ära sorgt am Europaplatzkreisel für verwirrte Autofahrer: Einige nehmen trotz Hinweisschildern auf eine neue Sperrung eine Lücke zwischen den Absperrbaken, fahren Richtung Bleichinselbrücke. Hier dürfen nur noch Baustellenfahrzeuge einfahren. Mitarbeiter der Security-Firma SET stoppen die Falschfahrer, lassen sie umdrehen. Eine Fahrerin steuert ihr Auto völlig verunsichert in einen breiten Rad- und Gehweg, als sie ihren Irrtum bemerkt. Sie bittet uns, keinen Strafzettel auszustellen, spricht von "Stress". Auf Stimme-Facebook kritisiert zudem ein Nutzer die Ampelschaltung am Europaplatz. Darüber müssten die Zuständigen "nochmal nachdenken".

Als "durchwachsen" bezeichnet der SET-Objektleiter für die Zufahrtskontrollen, Marcus Sunderer, den Auftakt. Es gebe Autofahrer, die aus Verwirrung oder Ignoranz in die gesperrten Zonen einfahren würden. Die Beschilderung sei Sache der Stadt. Vielleicht helfe noch ein Hinweis, dass eine Einfahrt nur für Baustellenfahrzeuge erlaubt ist.

Sunderer hat von Autofahrern schon einige Beleidigungen zu hören bekommen. Vor allem am Samstag, als Kali- und Kranenstraße gesperrt wurden. Ob man "spinne", war noch eine eher dezente Aussage.

Heilbronner Rathaus die Verkehrssituation noch nicht bewerten

Verwirrt waren auch einige Radfahrer, die von Westen über die Bruckmann-Brücke in die Innenstadt wollten. Die Kalistraße voller Baustellenfahrzeuge, Richtung Nägele-Brücke viele Warnbaken. Ein Weg über eine Busspur musste helfen. Wenn ein Security-Mann da war, klärte er die Radler auf. "Katastrophal" empfand ein Böckinger Radler die Ausschilderung. Am Nachmittag war mehr Klarheit: Da war die Kalistraße komplett abgesperrt. Radfahrer konnten nur noch einen Ampelüberweg zur nördlichen Radwegseite der Bruckmann-Brücke nehmen.

Das Heilbronner Rathaus will nach dem ersten Tag der neuen Ära die Verkehrssituation noch nicht bewerten. Die Autofahrer müssten sich erst daran gewöhnen, sagt Sprecher Christian Britzke. Ende der Woche könne man klarer sagen, "ob man noch nachbessern muss".