Kundgebung auf dem Marktplatz - Weitere Streiks geplant

Heilbronn  Verdi-Kundgebung auf dem Marktplatz in Heilbronn - Am Mittwoch ganztägiger Streik der Stadtbusse - Auch Heilbronner Soleo geschlossen

 

Weit mehr als 1000 Beschäftigte des öffentlichen Dienstes verliehen am Montagvormittag bei einer Kundgebung auf dem Heilbronner Marktplatz ihrer Forderung nach mehr Geld lautstark Nachdruck. Vor der dritten Verhandlungsrunde am kommenden Montag in Potsdam hatte die Dienstleistungsgewerkschaft Verdi zu diesem Warnstreik aufgerufen.

Bereits um 5.30 Uhr hatte der Reinigungsdienst des Betriebsamtes die Arbeit niedergelegt. Überraschend schlossen sich auch Bühnenarbeiter des Theaters an. „Auswirkungen auf die Abendvorstellungen ergeben sich keine“, sagte Theaterintendant Axel Vornam.

Weitere Arbeitsniederlegungen am Mittwoch

Spürbar war der Warnstreik der Fahrer der städtischen Verkehrsbetriebe: Die 61 Stadtbusse blieben ab 8.30 Uhr stehen. Den gesamten Tag lang.

Am kommenden Mittwoch wird es erneut zu einem ganztägigen Warnstreik der Heilbronner Busfahrer kommen. Sie beteiligen sich an einem Schwerpunktstreik der Verkehrsbetriebe in Baden-Württemberg. Deshalb wird es auch am Mittwoch bei den Stadtbahn-Linien S4 und S42 voraussichtlich zu Behinderungen kommen.

Geschlossen hat am Mittwoch außerdem das gesamte Soleo-Stadtbad. Da für einen Streik im Hallenbad in Biberach nicht genügend Streikposten gefunden werden konnten, hat das Bad geöffnet.

 

 

„Wir streiken nicht gegen die Bevölkerung, sondern wir streiken für gute Arbeitsbedingungen“, rief die Verdi-Landesvorsitzende Leni Breymayer den Beschäftigten von der Heilbronner Rathaus-Empore zu. „Unsere Forderung nach 100 Euro monatlich plus 3,5 Prozent zusätzlich sind nicht überzogen“, sagte die Verdi-Bezirksvorsitzende Hanne Walz. 

Die Bedeutung des öffentlichen Dienstes betonte die DGB-Kreisvorsitzende Silke Ortwein: „Gute Arbeit muss auch gut bezahlt werden.“  „Wir sind die Guten. Ohne uns funktioniert unser Staat nicht. Wir haben es verdient,“ brachte Marianne Kugler-Wendt, Verdi-Geschäftsführerin Heilbronn, Neckar, Franken, die Streikenden immer wieder in Stimmung. 

Gegen 10.30 Uhr war die Kundgebung auf dem Marktplatz zu Ende. An ihren Arbeitsplatz kehrten die Beschäftigten aber nicht mehr zurück.

Taxifahrerin: Kein erhöhtes Fahrgastaufkommen

Einsteigen ins Taxi und ein paar Meter durch Heilbronn fahren. Martina Priem (50) arbeitet bei Leintal-Taxi in Schwaigern. Ein erhöhtes Fahrgastaufkommen habe sie bislang nicht bemerkt. „Eine Frau musste ich aus Leingarten zum Heilbronner Gesundbrunnen fahren, weil die Stadtbahn nicht fährt“, sagt Priem.

Für die Streikenden hat sie Verständnis. „Man sollte viel öfter auf die Straße gehen und streiken.“ Es könne nicht sein, dass man in der heutigen Zeit mehrere Jobs braucht, um über die Runden zu kommen, sagt die Schwaigernerin. „Für einen Taxifahrer ist es nicht möglich, eine Familie zu ernähren. Das darf nicht sein.“ jof/jükü

 

Übersicht: Hier wird am Montag gestreikt

  • Busse und Bahnen Die städtischen Busse sind in den frühen Morgenstunden gefahren. Ab 8 Uhr legten die Fahrer auf der Allee die Arbeit nieder und stellten ihre Busse ab. Der Streik dauert bis zum Betriebsende. Es werden tagsüber keine Stadtbusse mehr fahren. Regionalbusse fahren wie geplant. Bestreikt werden auch die Stadtbahnlinien S42 (Großteil der Fahrten entfällt) und S4 (jede dritte Bahn gestrichen).

  • Deponie Betroffen vom Streik bei den Entsorgungsbetrieben der Stadt Heilbronn ist auch die Deponie Vogelsang. Für die Kläranlage wurde eine Notdienstvereinbarung getroffen. Die angemeldeten Bestattungen und Beisetzungen auf den Heilbronner Friedhöfen finden statt.

  • Krankenhaus Im SLK Klinikum am Plattenwald streiken die Beschäftigten im OP. In einer Notdienstvereinbarung wurde der Betrieb eines OP-Saales statt sechs und ein Bereitschaftsdienst für Notfälle geregelt. Das Klinikum sei auf den Streik vorbereitet, heißt es. So sei im OP-Bereich eine ausreichende Personalstärke zur Behandlung von Notfällen gewährleistet. Andere Abteilungen und Bereiche am Klinikum am Plattenwald sind von diesem Warnstreik nicht betroffen. Die Berufsgruppe der Ärzte ist in die Tarifauseinandersetzung nicht einbezogen, so dass im ärztlichen Bereich die reguläre Anzahl von Mitarbeitern zur Verfügung steht. Planbare Operationen seien teilweise verschoben worden. Ab 12 Uhr versammeln sich die Beschäftigten am Plattenwald zu einer aktiven Pause. 

  • Kreissparkasse und Kommunen Zum Streik aufgerufen sind auch die Beschäftigten der Kreissparkasse Heilbronn. Aus dem Landkreis Heilbronn werden Streikende aus den Kommunen Bad Friedrichshall, Weinsberg, Neckarsulm und den Stadtwerken Neckarsulm erwartet. Beschäftigte der Städte Crailsheim und Mosbach, vom Landratsamt Neckar-Odenwald, den Straßenmeistereien Buchen, Osterburken und Mosbach sowie Azubis und Mitarbeiter der Bundeswehr Neckarzimmern nehmen ebenfalls teil. Sollten Betreuungseinrichtungen für Kinder betroffen sein, wurden Eltern auf mögliche Streiks hingewiesen.