Gute Bedingungen für Windmessstation in Klingenberg

Heilbronn  Meteorologe Michael Gutwein vom Deutschen Wetterdienst informiert über die einzige Windmessanlage in der Region. Dass es zur offiziellen Übergabe in Klingenberg sogar ein Stadtteilfest gibt, ist für Gutwein eine Premiere.

Von Bärbel Kistner

Gute Bedingungen für Windmessstation in Klingenberg

In die neue Windmessanlage am Ortsrand von Klingenberg hat der Deutsche Wetterdienst 41.500 Euro investiert. Die Lage ist wegen ausreichenden Abstands zu umliegenden Gebäuden optimal. Foto: Mario Berger, privat

Seit 2016 steht an der Zweiten Hohl in Klingenberg eine neue Windmessstation. Wissenswertes von Michael Gutwein vom Deutschen Wetterdienst gibt es beim Stadtteilfest am Samstag, 16. September, 14.30 Uhr. Er erklärt im Interview, was für den Standort spricht. Die feierliche Übergabe einer Windstation ist eine Premiere.

 

Warum hat Klingenberg eine Windmessstation bekommen?

Michael Gutwein: Die Klima- und Umweltberatung beim Deutschen Wetterdienst hat für den Raum Heilbronn nach einem Standort gesucht. Es gibt viele Nutzer, die regionale Daten brauchen, zum Beispiel Versicherungen, wenn es um die Klärung von Sturmschäden geht.

 

Hat die Region weitere Anlagen?

Gutwein: Klingenberg ist die einzige in der Region. Die nächstgelegenen Stationen stehen in Walldürn, in Mühlacker und am Schnarrenberg bei Stuttgart. Baden-Württemberg hat 35 Windmessstationen, sehr viele sind es am Bodensee. Für den Sturmwarndienst muss das Netz dort wesentlich dichter sein. Andernorts ist ein weniger enges Messnetz erforderlich, beim Wind können Fernerkundungsdaten genutzt werden. Für den Niederschlag gibt es dagegen alle 15 bis 20 Kilometer eine Messstelle.

 

Nach welchen Kriterien wurde Klingenberg ausgesucht?

Gutwein: Der Standort auf dem freien Feld ist einwandfrei, besser geht es nicht. Sogenannte scharfe Hindernisse, Gebäude oder große Bäume, müssen zehn Mal so weit weg sein wie sie hoch sind, in alle Himmelsrichtungen. Ein zehn Meter hohes Hindernis muss also 100 Meter von der Windmessanlage entfernt sein. Für Klingenberg spricht auch die Lage oberhalb des Neckars.

 

Braucht man jemand vor Ort für die Betreuung der Station?

Gutwein: Auch hier hat sich Klingenberg angeboten, denn wir haben gerne jemand in der Nähe, der ein Auge darauf wirft. Landwirt Roland Rügner kommt täglich vorbei. Er könnte bei Stromausfall reagieren und die Anlage neu starten. Auch sollten Vögel keine Nester auf den Sensoren bauen. Im ersten Jahr hat alles tadellos funktioniert.

 

Wie wird Wind gemessen?

Gutwein: Früher kamen Schalenanemometer mit Windfahnen zum Einsatz. Heute wird mit Ultraschall gemessen, standardisiert zehn Meter über dem Boden, damit Daten europaweit verglichen werden können. Ultraschallwellen werden vom Medium, in den sie sich ausbreiten, mitgeführt, sodass die Laufzeit von Signalen über eine Messstrecke fester Länge von der Durchströmung der Messstrecke abhängt. Somit ist man in der Lage, in Meter pro Sekunde die Windgeschwindigkeit in einem sogenannten Zehn-Minuten-Mittel zu messen. Abweichend davon auch die Windspitzen, also die Böigkeit des Windes. Das gleiche gilt für die Windrichtung.

 

Was machen Sie mit den Daten?

Gutwein: Die Windmessungen gehen in Echtzeit in die Wettervorhersage ein in der weltweit koordinierten UTC-Zeit. Die Daten werden aber auch für Gutachten und Auskünfte verwendet. Zudem kann man längerfristig Auswertungen zum Standort machen, was Häufigkeit der Windrichtungen und der Geschwindigkeit angeht.

 

Welche Aufschlüsse gibt der Wind für Wettervorhersagen?

Gutwein: Über Windgeschwindigkeiten lässt sich etwas über das Auftreten von Gewittern sagen. Gerade im Sommer treten punktuell immer öfter schwere Gewitter auf. Zwar kann man in der Synoptik über numerische Vorhersagemodelle Großwetterlagen berechnen, dabei ist es aber genauso wichtig, dass man zusätzlich über tatsächliche Wettersituationen beste Informationen erhält. Und dazu zählt auch die Bodenwindmessung.

 

Lässt Windmessung auch Rückschlüsse auf den Klimawandel zu?

Gutwein: Das lässt sich pauschal so nicht sagen. Wenn man Windmessdaten analysiert, gibt es Jahre, die mehr oder auch höhere Windgeschwindigkeiten liefern. Es gibt auch Jahre, die nicht so viel Wind mit sich bringen. Die Zukunft wird durch Messungen mehr Aufschluss geben, wo der Trend hingeht.

 

Manche einer könnte nun denken, dass Klingenberg nun als Standort für ein Windrad geprüft werden soll?

Gutwein: Das ist nicht der Hintergrund für unsere Station. Der Deutsche Wetterdienst ist nicht der Vorreiter in Sachen Windrad. Wir messen nur die Windrichtung und die Windgeschwindigkeit.

 

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