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Einkaufssonntag mit Musik und Literatur kommt an
Von Franziska Feinäugle
Heilbronn - Ein verkaufsoffener Sonntag, gerade mal vier Wochen nach dem letzten verkaufsoffenen Sonntag, noch dazu an einem Wochenende, an dem auch in Öhringen, Künzelsau und Möckmühl die Geschäfte geöffnet haben: ein gewagter Versuch. Er ist geglückt.
Während am frühen Nachmittag bei Media Markt am Europaplatz oder bei Möbel Bierstorfer in Böckingen vor Andrang die Parkplätze knapp werden, hat die Stimmung in der Heilbronner Innenstadt bei herbstlichem Hochnebelwetter schon fast etwas Adventliches. Auf dem Marktplatz stehen einige Grüppchen vor der Musikbühne, die Lieder der Gothic-Rock-Band „Schöngeist“ sind laut und heftig.
Kontrastprogramm einige Schritte weiter in der Käthchenhofpassage: Sanfte Klaviermusik von Jan Schwarzer am Flügel, die Auszubildenden der Beauty Lounge Arcadia verwöhnen Passantinnen mit kostenlosem Handpeeling. „Made in Germany“ ist das Motto des Einkaufstages: Literatur und Musik aus Deutschland, dazu offene Läden.
Begeisterte Zuhörer
„Um den Sonntag zu gestalten“, sind die Müllers aus dem hohenlohischen Schöntal gekommen. Auch wenn schon Bücher und Schuhe in der Tüte sind, ist Einkaufen für sie zweitrangig: Jessica (11) wollte unbedingt Vanessa Neigert hören, die Kandidatin aus „Deutschland sucht den Superstar“. Wie sie war? „Gut!“
Im Literaturzelt am Hafenmarkt liest Anne-Kathrin Beins von Bücher-Bruckmann aus „Atemschaukel“ von Literaturnobelpreisträgerin Herta Müller vor. Vier ältere Damen und Herren hören zu. „Es hat sehr verhalten begonnen“, sagt Gaby Drexler am Büchertisch, „jetzt wird es voller.“ So war es schon bei „Jazz &Einkauf“ im Oktober.
Im K 3 am nördlichen Ende der Sülmer City fahren Kinder Kettcar, draußen rappt die Heilbronner Gruppe „Freidenker“ vor begeistertem jungem Publikum. Rafael Palermo hat schon einen Winterpulli in seiner Einkaufstüte. Der 24-jährige Öhringer ist mit Julia Siegwarth aus Bretzfeld nach Heilbronn gekommen – ein bisschen spazieren, ein bisschen Vanessa Neigert hören vielleicht. Warum Heilbronn, wo doch in Öhringen auch die Läden geöffnet haben? „Öhringen kennen wir schon gut“, sagt Palermo, „und in Heilbronn ist mehr geboten.“
Kritische Stimmen
Auf dem Kiliansplatz lauschen das Volk scharenweise dem Volksmusik-Duo Sigrid und Marina. Citymanager Jörg Plieschke ist hochzufrieden. Auch die Händler sind guter Dinge. „Wir sind gut besucht, und die Leute kaufen auch“, meldet Centermanagerin Anne Klausmann aus der gedrängelt vollen Stadtgalerie. Nebenan bei Galeria Kaufhof bekennt der ursprünglich skeptische Karl Pommée: „Es entwickelt sich gut.“ Vielerorts sind die Umsätze besser als gedacht.
Dennoch gibt es auch kritische Stimmen. Die Einkaufssonntage seien zu dicht nacheinander, finden mehrere Passanten. Eva Schnepf, Chefin bei Schreibwaren Seel und Vorstandsmitglied der Stadtinitiative, sieht das ähnlich: „Ich fand das dieses Jahr auch zu viel.“
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