Einbruchszahlen in Region Heilbronn schnellen hoch

Region/Stuttgart  Gegen den Landestrend hat die Zahl der Einbrüche im Bereich des Polizeipräsidiums Heilbronn im vergangenen Jahr erneut drastisch zugenommen. Bei der Aufklärungsquote liegt die Region gar auf dem letzten Platz.

Die Zahlen sind niederschmetternd. Weiter stark steigende Einbruchszahlen muss das Heilbronner Polizeipräsidium für das Jahr 2015 vermelden. Vor allem im Landkreis Heilbronn schnellte die Zahl um 167 Einbrüche auf 493 Fälle nach oben. Es ist dort der mit Abstand höchste Wert der vergangenen Jahre. Der hohe Anstieg im Hohenlohekreis (97 Fälle, plus 26) und die nach wie vor hohe Zahl in der Stadt Heilbronn (256 Fälle, plus 6) passen nicht in die vom Innenministerium ausgerufene Trendumkehr.

"Trotz zahlreicher Festnahmen von Wohnungseinbrechern in den letzten Wochen" seien die Zahlen gegen den Landestrend gestiegen, stellte Heilbronns Polizeipräsident Hartmut Grasmück fest. Die im Herbst 2014 aufgebaute spezielle Ermittlungsgruppe arbeite "mit Hochdruck" daran, die Täter zu ermitteln. 101 Tatverdächtige sind demnach im Vorjahr ermittelt worden. Davon hatten 43 die deutsche Staatsbürgerschaft; 19 Georgier und zehn Kosovaren führen die Rangliste der nichtdeutschen Einbrecher an.

In einem aktuellen Fall in Bad Rappenau Mitte Januar machte die Polizei ein Einbrecher-Trio dingfest. Bei der Durchsuchung ihrer Zimmer in einer Asylunterkunft fanden die Ermittler Beweise und weiteres Diebesgut aus anderen Einbrüchen. Bei vier anderen Tatverdächtigen gehen die Fahnder davon aus, dass sie bei 16 Einbrüchen in der Region beteiligt waren.

Allein seit November nahmen die Ermittler 30 Tatverdächtige fest. "Angesichts dieser jüngsten Erfolge sind wir zuversichtlich, die unbefriedigend niedrige Aufklärungsquote im laufenden Jahr deutlich steigern zu können", blickt Grasmück voraus. Es würde auch Zeit: Mit nur 8,3 Prozent Aufklärungsquote steht das Polizeipräsidium Heilbronn im Landesvergleich auf dem letzten Platz. Stuttgart oder Konstanz weisen dagegen Quoten von rund 30 Prozent auf.

Politische Gegner von Innenminister Reinhold Gall (SPD, Obersulm) meldeten sich gleich zu Wort. Die Zahlen für Galls Heimatregion nannte CDU-Landtagsabgeordneter Alexander Throm (Heilbronn) "einen Offenbarungseid". Einen Grund sieht er in einer "völlig überzogenen Polizeireform". Hier müsse dringend gegengesteuert werden. c

Landesweite Zahlen

In Baden-Württemberg ist die Zahl der Wohnungseinbrüche im vergangenen Jahr um knapp zehn Prozent zurückgegangen. Die Polizei zählte im vergangenen Jahr 12.255 Fälle; der Wert markiert den ersten Rückgang nach acht Jahren. „Unser Ziel ist, dass wir die Richtung beibehalten.“ 2014 waren es noch knapp 13.500 Delikte, 19,4 Prozent mehr als 2013. Im Jahr 2015 kamen 114 Einbrüche auf 100.000 Einwohner, im Jahr davor waren es noch 127.

 Auch bei der Aufklärung meldete Gall Verbesserungen. Die Quote gelöster Fälle sei auf einen Fünf-Jahres-Höchststand von 17,3 (2014: 14,0) Prozent gestiegen. Die Schadensumme sei um 14 Prozent auf 31 Millionen Euro gesunken.

Als Erfolg wertete der Minister auch die aktuellen Schwerpunktaktionen zur Bekämpfung der Einbruchskriminalität. An drei Großfahndungstagen mit 2260 Beamten innerhalb einer Januarwoche seien 34 Menschen, darunter 18 wegen des Verdachts auf Wohnungseinbruch, vorläufig festgenommen und mehr als 100 Straftaten aufgedeckt worden. In Heilbronn sei eine 13-köpfige Gruppierung aus dem Verkehr gezogen worden, berichtete Landespolizeipräsident Gerhard Klotter.

Solche konzertierte Aktionen sowie die verstärkte Autobahnfahndung und der Ausbau der länderübergreifenden Zusammenarbeit mit Bayern, Frankreich und Schweiz gehörten zum Sicherheitskonzept der Polizei. Landeskriminaldirektor Martin Schatz sagte: „Unser Konzept geht auf.“ Er räumte aber auch ein: „Wohnungseinbrüche gänzlich zu verhindern, ist ein Ding der Unmöglichkeit.“

Die Analyse der 1200 ermittelten Tatverdächtigen bereitet Gall Sorgen. „Zwar bilden diese nur das Hellfeld der aufgeklärten Einbrüche ab, doch mehr als 55 Prozent davon sind Nichtdeutsche“, erläuterte er. Von diesen komme die Hälfte aus Georgien, der Türkei, Kosovo, Rumänien und Serbien. Schatz betonte, das Bild des jungen männlichen drogenabhängigen Einbrechers aus der Großstadt entspreche nicht mehr der Wirklichkeit.

Heutzutage seien es Gruppen von Mehrfachtätern mit wechselnden Aufenthaltungsorten aus Süd- und Südosteuropa. Unter den Verdächtigen sind auch 230 Asylbewerber. Oft würden Asylbewerberunterkünfte als Lager für Diebesgut genutzt. Erst am Donnerstagmorgen hatte es eine Durchsuchungsaktion in einer Unterkunft in Sinsheim gegeben. Im vergangenen Jahr wurden 291 ausländische Straftäter aus dem Südwesten abgeschoben.

Dass der Anteil der versuchten Einbrüche unter den Einbruchszahlen gestiegen sei, führte Gall auf verstärktes Augenmerk der Bürger zurück. „Wir wollen aufmerksame Bürger, Bürger die Zivilcourage an den Tag legen.“ Allerdings halte er nichts von Bürgerwehren.

Schatz übte Kritik an den Justizbehörden. „Es läuft nicht überall rund“, berichtete er. Manchmal fehle es an Verständnis für die ermittlungstaktischen Maßnahmen der Polizei wie Telefonüberwachung oder Handy-Ortung bei Tatverdächtigen. Diese Schritte müssen über den Staatsanwalt bei Gericht beantragt werden. Wie kooperativ der Staatsanwalt dabei sei, hängt nach Schatz' Worten sehr von dessen Persönlichkeit und Arbeitsschwerpunkt ab. cf/lsw

 

 

Statistik

Wohnungseinbrüche: Zahlen und Entwicklung 2015

 

Wie schützt man sich vor Einbrüchen? - Tipps der Polizei

Die Beratungen der Polizei zur Vermeidung von Einbrüchen haben Hochkonjunktur. Anlässlich der Vorlage der Einbruchsbilanz 2015 gibt das Innenministerium Tipps, wie die Bürger sich schützen können. 

 

  1. Auch wenn Sie Haus und Wohnung nur kurzzeitig verlassen: Ziehen Sie die Tür nicht nur ins Schloss, sondern schließen Sie immer zweifach ab.

  2. Prüfen Sie, wer ins Haus will, bevor Sie öffnen.

  3. Achten Sie auf Fremde im Haus, auf dem Nachbargrundstück oder im Wohngebiet: Sprechen Sie diese Personen direkt an.

  4. Verschließen Sie Fenster, Balkon- und Terrassentüren auch bei kurzer Abwesenheit.

  5. Vorsicht! Gekippte Fenster sind offene Fenster und von Einbrechern leicht zu öffnen.

  6. Rollläden sollten zur Nachtzeit - und nach Möglichkeit nicht tagsüber - geschlossen werden. Sie wollen ja nicht schon auf den ersten Blick Ihre Abwesenheit signalisieren.

  7. Lassen Sie sich von Ihrer Polizei über Sicherungstechniken beraten.

Weitere Hinweise unter www.polizei-beratung.de