Durch Zufall Politiker: Gregor Gysi in Heilbronn

Heilbronn  Gregor Gysi spricht im ausverkauften Komödienhaus über seine politischen Anfänge, die deutsche Einheit und seine Zukunft im Bundestag.

Von Bianca Zäuner

 

 

Brillanter Redner und streitbarer Politiker, für die einen ein Hassobjekt, für andere ein Idol: Viele Beschreibungen treffen auf Gregor Gysi (Foto: Ralf Seidel) zu. Im Rahmen der Reihe „Autor im Gespräch" war der Politiker der Linken gestern Abend im Heilbronner Komödienhaus zu Gast. Im Gespräch mit dem SWR-Redakteur Wolfgang Niess erzählt er von seiner Zeit als Anwalt in der DDR und von ersten Berührungspunkten mit der Bürgerbewegung „Neues Forum“, die er juristisch vertrat. Dass er schließlich zur Politik kam, sei „Zufall“ gewesen. Lächelnd erinnert er sich an seine erste Rede auf einer großen Kundgebung vom 4. November 1989: Im Nachhinein betrachtet sei sie „zu lang, aber nicht schlecht" gewesen.

Nur etwa einen Monat später, nach dem Mauerfall, wurde er zum Vorsitzenden der SED gewählt. Die Entscheidung für die Politik bezeichnet er heute augenzwinkernd als „schwächste Sekunde meines Lebens“. Die Verhandlungen zur Deutschen Einheit seien eine „tägliche Zerreißprobe“ gewesen. Termin reihte sich an Termin. "In dieser Zeit habe ich meinen Sohn schmerzlich vernachlässigt", gibt Gysi selbstkritisch zu.

Seine politische Karriere setzte er im vereinigten Deutschland fort. Er gehörte von 1990 bis 2000 und seit 2005 dem Bundestag an. Er hat seine Partei geprägt wie kaum ein Zweiter.

2015 kandidierte er nicht mehr für den Fraktionsvorsitz der Linken. Seitdem nehme er auch nicht mehr an jeder Fraktionssitzung teil und äußere sich nur noch, „wenn es um etwas geht, dass mir wirklich wichtig ist.“ Und das habe dann auch immer eine gewisse Relevanz. „Da kann ich mich gar nicht beschweren.“ Reinreden möchte er seinen Nachfolgern Sahra Wagenknecht und Dietmar Bartsch aber nicht. „Wenn du Verantwortung abgibst, darfst du nicht immer versuchen, den Job heimlich selbst fortzusetzen.“ Das sei auch für die Nachfolger furchtbar.

Auch wenn sich Gysi aus der ersten Reihe seiner Partei zurückgezogen hat: Von der Politik hat der 68-Jährige die Nase noch nicht voll. Bei der Bundestagswahl 2017 will er wieder für seinen Wahlkreis kandidieren. Ein Grund sei seine „preußische Sturheit“, sagt er. „Wenn der Bundestag immer nett zu mir gewesen wäre, wäre ich schon lange weg. Aber so werden sie mich nicht los.“