Demo für Betriebsratsgründung

Wenn es sein muss, wollen sie wiederkommen. Denn es geht den Metallern ums Prinzip. IG-Metall-Protest vor dem Kaco-Gerätetechnik- Werk

Von Heiko Fritze

Geballte Gewerkschaftsmacht: Etwa 200 Metaller demonstrierten gestern vor dem Werk 3 der Firma Kaco Gerätetechnik für Betriebsratswahlen. An den Fenstern im Gebäude hingen Zettel: „IG Metall go home!” Foto: Heiko Fritze
Wenn es sein muss, wollen sie wiederkommen. Denn es geht den Metallern ums Prinzip: Sie wollen erreichen, dass die Belegschaft des Neckarsulmer Wechselrichter-Herstellers Kaco Gerätetechnik „einen Betriebsrat wählen darf, ohne Einschüchterungen befürchten zu müssen”, sagte der erste Bevollmächtigte der Verwaltungsstelle Heilbronn-Neckarsulm, Rudolf Luz. Knapp 200 Gewerkschafter aus allen größeren Betrieben des Unterlands waren gestern zur Kundgebung vor dem Werk 3 des Unternehmens gekommen.

Die Zeichen stehen aber offenbar weiter auf Konfrontation. „IG Metall go home” stand auf großen Blättern, die von innen an die Fenster des Gebäudes geklebt waren. „Wir brauchen euch nicht!!!!” war im Untergeschoss auch zu lesen. Während der Demonstration zur Mittagspausenzeit lehnten nur wenige Beschäftigte am Fenster, einige machten Fotos. „Es muss auch möglich sein, einer Gewerkschaft anzugehören, ohne um seinen Arbeitsplatz fürchten zu müssen”, rief Luz.

Zwei Beschäftigten der Firma ist fristlos gekündigt worden, weil sie nach Angaben der IG Metall die Gründung des Betriebsrates betrieben. „Wir zweifeln die anders lautende Begründung der Unternehmensleitung an”, sagte Luz. „Wenn man nur lange genug sucht, findet man bei jedem etwas.” Der zweite Bevollmächtigte Werner Schrott warf der Geschäftsführung vor, damit auf Methoden von vor 100 Jahren zurückzufallen. „Damals war man aber noch so ehrlich und hat den wahren Kündigungsgrund genannt.” Dabei habe der heutige Mehrheitseigner Ralf Hofmann bei der Unternehmensgründung 1995 von der Arbeit der IG\x0fMetall und des Betriebsrats noch profitiert (siehe Hintergrund). „Er weiß also, was er von Gewerkschaftsarbeit hat.”

Dennoch herrschten bei Kaco Gerätetechnik schlechte Arbeitsbedingungen, prangerte Luz an: Die Bezahlung sei deutlich schlechter als in tarifgebundenen Betrieben und längere Arbeitszeiten, oft auch an Samstagen. „Wir können nicht Arbeitsbedingungen in China kritisieren und die Augen verschließen, wenn Beschäftigte in unserer Region nicht ihre Rechte bekommen”, meinte Schrott.
Die Gewerkschaft hat unterdessen Strafanzeige gegen die Geschäftsführung wegen Behinderung der Betriebsratswahl gestellt, berichtete Rudolf Luz. „Aber wir sind nicht auf Eskalation aus. Wir möchten nur, dass die Beschäftigten den Betriebsrat wählen können, den sie so dringend nötig haben.” Die Kaco-Unternehmensleitung war zu einer Stellungnahme

Hintergrund

Kaco Gerätetechnik
Das Unternehmen entstand 1999 als Abspaltung aus der Firma Kaco Elektrotechnik in Heilbronn-Sontheim. 2003 zog der Hersteller von Wechselrichtern für Photovoltaik-Anlagen nach Neckarsulm und eröffnete dort 2006 bereits sein drittes Werk. Die Firma beschäftigt heute knapp 200 Mitarbeiter und erzielte vergangenes Jahr 79 Millionen Euro Umsatz. frz