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Auf Projektentwickler wartet heikle Aufgabe
Von Joachim Friedl
Heilbronn - Der Südbahnhof hat den Charme aller Scheußlichkeiten“, sagte einmal der Heilbronner Stadtplanungschef Christoph Böhmer. Dieser Zustand scheint nun so langsam zu Ende zu gehen. Seit ein paar Tagen ist das Obersulmer Abbruchunternehmen Savolyi im Auftrag des Aurelis Real Estate Managements dabei, die ersten geräumten Gebäude entlang der Happelstraße abzubrechen. Die frühere Bahn-Immobilentochter Aurelis, die 2007 an ein Konsortium, bestehend aus der Hochtief Projektentwicklungs GmbH und dem amerikanischen Finanzinvestor Redwood Grove International zu je 50 Prozent ging, ist seit 2009 Eigentümerin der 5,6 Hektar großen Fläche.
Startschuss
„Wir haben mit dem Abbruch da begonnen, wo wir keine Mieter mehr haben“, erklärt Klaus Gudzent von der Aurelis-Projektentwicklung. Bereits ein neues Domizil gefunden hat die Plieninger GmbH & Co KG (Kreuzäckerstraße). An neue Standorte folgen werden im Verlauf des Jahres der Abschleppdienst Ziegler und die Kohlen-/Heizölhandlung Zeller. Unternehmen wie Egistuck/Mega, BayWa, Spathelf oder die Gaststätte Am Südbahnhof haben noch Mietverträge bis mindestens 2014. Die Fläche des Rewe-Marktes gehört einer Gruppe aus Trier. Von 56.000 Quadratmetern sind noch 30.000 Quadratmeter vermietet, sagt Gudzent.
Parallel zu den Abbrucharbeiten wird das ehemalige Südbahnhof-Areal von Schienen, Weichen, Prellböcken und alten Eisenbahnwagen befreit. Außerdem läuft eine Altlastenerkundung. Intensiv erfolgt aber auch die Abstimmung mit der Bauverwaltung. Der Bebauungsplan, der 2005 aufgestellt, aber dann auf Eis gelegt worden war, wird überarbeitet, so dass voraussichtlich bis Ende des Jahres Planungsrecht besteht. Diesen Zeitplan strebt das Immobilienunternehmen Aurelis an: „Wir wollen 2011 die ersten Interessenten über das Gelände führen und dann die Flächen sukzessive verkaufen“, nennt Gudzent den Zeitplan.
Bis es jedoch soweit ist, müssen die Projektentwickler noch eine heikle Aufgabe erledigen: Sie müssen die Zauneidechsen, die auf dem Südbahnhof heimisch geworden sind, umsetzen: „Das europäische Artenschutzrecht schützt diese Tiere, die als blinde Passagiere und Schwarzfahrer einst mit den Güterzügen aus Südeuropa hierherkamen, ausstiegen und sich wohlfühlten“, schildert Gudzent humorvoll die Ansiedlungspolitik der auf der roten Liste stehenden Eidechsen.
Ausgleichsstandort
Neue Heimat der Eidechsen soll die stillgelegte Bahnstrecke entlang der Blücherstraße werden. Zu Beginn des Jahres wurden deshalb Richtung Lerchenberg-Tunnel gegen den anfänglichen Protest von Naturschützern Bäume gefällt, um dort ideale Lebensbedingungen zu schaffen.
Geprägt werden soll das neue Quartier im Süden der Stadt einmal durch Wohnbebauung, deren verschiedene architektonische Epochen ablesbar sein sollen, durch viel Grün, und Spielmöglichkeiten. Erste Planungen gehen von rund 400 Wohnungen aus. Direkt an der Charlottenstraße, so ist angedacht, sollen sich Gewerbe, Handel und Nahversorger konzentriert ansiedeln.
Hintergrund: Bahnhofsgeschichte
Der Südbahnhof wurde am 1. Dezember 1900 in Betrieb genommen. Viele namhafte Firmen wie Knorr, Seelig, Flammer und die Zuckerfabrik hatten eigene Gleisanschlüsse. Die Heilbronner wurden von hier aus mit Obst und Gemüse versorgt. Und wenn ein Zirkus in die Stadt kam, war seine erste Station im Süden. Vereinzelt wurden sogar US-Panzer verladen. Der Südbahnhof diente bis 1966 dem Personenverkehr, danach noch in begrenztem Umfang der Güterabwicklung. Wegen zu geringen Verkehrsaufkommens wurde 1999 der Betrieb eingestellt. jof
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