Arbeiten an Campusbrücke beendet

Heilbronn/Region  Die Arbeiten an der Heilbronner Bildungscampusbrücke sind abgeschlossen. Zuletzt wurden die Drahtseile gespannt, die die Brücke halten sollen. Die Bahnstrecke wurde am Morgen wieder freigegeben.

Von Manfred Stockburger

Als in der Nacht zum Samstag der erste Mensch über die neue Bildungscampusbrücke geht, brandet bei den Zuschauern Beifall auf. Noch hängt das Mittelteil am Haken des riesigen Autokrans, als Thomas Urfer auf die andere Seite geht. Aber jetzt gibt es einen direkten Weg zwischen den beiden Teilen des Bildungscampus, der von der vielbefahrenen Bahnstrecke durchtrennt ist.

Je nach Perspektive führt dieser Weg zur Mensa oder zur Bibliothek, und soll eine neue Verbindung zwischen den verschiedenen Hochschulen und Einrichtungen auf dem Bildungscampus schaffen. Dieser Vision ist die Dieter-Schwarz-Stiftung am Wochenende einen großen Schritt näher gekommen. Seit Samstagabend braucht die Brücke nicht mehr die Unterstützung des riesigen Autokrans, der das Mittelstück eingehoben hatte – inzwischen trägt sie sich selbst.

 

 

Nach dem Autokran kommt die Feinarbeit

Das ganze Wochenende über ist die Bahnstrecke zwischen Heilbronn und Neckarsulm für die Bauarbeiten gesperrt – auch am Sonntagmittag, 36 arbeitsreiche Stunden nach dem Beginn der Aktion stehen noch Gerüste auf der Strecke: Das Einheben des 25 Meter langen und 39 Tonnen schweren Mittelstücks ist nur der Anfang der aufwändigen Installationsarbeiten.

Zum Glück für alle Beteiligten spielt das Wetter am Freitagabend noch mit: Bei Windgeschwindigkeiten von mehr als 50 Stundenkilometern hätte die Aktion abgeblasen werden müssen, erklärt Heike Urfer von der Remsecker Firma, die die Stahlbrücke gebaut hat. Kräftige Böen kommen erst später. 

Letztendlich ist es nicht der Wind, sondern der starke Regen, der den Zeitplan ins Wanken bringt. Den Schweißern läuft die Brühe an den Arbeitplatz. Nach sechs Stunden, die für diesen Arbeitsschritt geplant waren, ist die Aufgabe nicht erledigt. Entsprechend verzögerten sich die 19 Spannvorgänge an den sieben Seilen, mit denen die Brücke über den Gleisen gehalten wird. Am Sonntagnachmittag sind die Arbeiten abgeschlossen. Die Bahn nutzt die Streckensperrung für Gleisarbeiten und andere Reparaturen.

 

 

Das Einheben des Mittelstücks - ein magischer Moment

Um Mitternacht am Freitag, als der Brückenschlag vollzogen wird, liegen diese Probleme noch in der Zukunft. Der magische Moment der Verbindung bringt selbst bauerfahrene Mitarbeiter der Schwarz-Gruppe ins Schwärmen: „Ein Haus ist ein Haus. Aber diese Brücke hat schon etwas“, schwärmt etwa Holger Siegmeyer der schon viele Kaufland-Filialen gebaut hat und inzwischen für die Immobilien am Zentralstandort mit verantwortlich ist. „Da hat sich die Firma Urfer selbst übertroffen“, sagt er. Heike Urfer nimmt das Lob gern zur Kenntnis.
Wie Siegmeyer hat auch Erhard Klotz, der frühere Chef der Schwarz-Stiftung, seine Frau Madeleine mitgebracht, damit sie den Moment der Vollendung des „richtigen Hauptdarstellers für den Campus“ erleben, wie Nachfolger Reinhold Geilsdörfer es formuliert.

Als die geschwungene Form der Brücke in ihrer dreidimensionalen Schönheit erstmals sichtbar wird, strahlt auch Hilko Köhne von der Stuttgarter Bauberatung Drees und Sommer. „Wie ein Tortenstück passt das rein“, sagt der Ingenieur. Rein architektonisch betrachtet hat die neue Stahlbrücke ohnehin das Prädikat Sahneschnittchen verdient.