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An offenen Sonntagen scheiden sich die Geister
Von Kilian Krauth
Heilbronn - Nicht ohne kritische Anmerkungen segnete der Heilbronner Gemeinderat drei verkaufsoffene Sonntage im Jahr 2013 ab: die beiden Klassiker der Stadtinitiative „Französischer Markt“ am 28. April und „Jazz und Einkauf“ am 13. Oktober sowie den sogenannten „Seeräuber-Tag“ des Handels- und Gewerbevereins Böckingen am 3. März.
Waren solche – jährlich auf drei Tage beschränkte – Ausnahmen vom Ladenöffnungsgesetz in den Vorjahren von dem 40-köpfigen Gremium oft nur durchgewunken worden, gab es diesmal acht Gegenstimmen.
Freizeitverhalten
Juristin Gisela Käfer (CDU) versuchte zu differenzieren. Mit Blick auf eine Entscheidung des Bundesverfassungsgerichtes wusste sie, dass „bloßes wirtschaftliches Umsatz- und Shopping-Interesse“ Ausnahmen von der „Arbeitsruhe und der seelischen Erhebung an Sonn- und Feiertagen“ nicht rechtfertigten.
Andererseits müsse man aber auch auf eine geänderte soziale Wirklichkeit, insbesondere auf Änderungen im Freizeitverhalten, Rücksicht nehmen. Die bereits um 13 Uhr volle Fußgängerzone sprechen für sich, meinte Käfer, und selbst die Kirchen hätten sich inzwischen „damit abgefunden“.
Marianne Kugler-Wendt (SPD) wusste es besser und verwies auf aktuelle Stellungsnahmen. Wie ihre Gewerkschaft Verdi lehnten die Kirchen „jede Sonntagsöffnung“ ab und stellten soziale und familiäre Anliegen der Arbeitnehmer – meist Frauen – vor privatwirtschaftliche und kommerzielle Interessen.
Der Sonntag als Ruhetag sei ein „sehr hohes kulturelles Gut“, darüber hinaus sollte er als „Tag des Herrn zur eigenen Ruhe und zur Besinnung auf Gott dienen“, schreibt Augustinuspfarrer Markus Pfeiffer. Dekan Otto Friedrich hebt zudem hervor: „Der Sonntag hat in unserer abendländisch-christlichen Kultur ein entscheidendes Merkmal und hat einheitsstiftende Bedeutung.“
Angesichts der liberalen Ladenöffnungstage in Wallfahrtsorten sprach Heiko Auchter (Pro) von „Scheinargumenten“.
Dagegen sind die Einsprüche von Kirchen und Verdi für Susanne Bay (Grüne) und Hasso Ehinger (Linke) berechtigt: gerade in einer zunehmend von Hektik, Stress und allgemeiner Verfügbarkeit geprägten Zeit. Auch wenn sie die Arbeit der Stadtinitiative zur Belebung der City schätze, so Bay: „Schutzräume zur Erholung werden immer wichtiger.“
07. Februar 2013
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