Windmühlen bauen statt Schutzmauern

Von unserer Redakteurin Sabine Friedrich

Windmühlen bauen statt Schutzmauern
Der neue Stadtchef ist verpflichtet: Patrick Holl (rechts) nimmt die Glückwünsche von seinem Stellvertreter Oliver Kämpf entgegen.Fotos: Dennis Mugler 

Beilstein - Er bekommt zahlreiche gute Wünsche mit auf den Weg, viel Aufmunterung durch den Beifall der etwa 400 Besucher. Es herrscht eine herzliche Atmosphäre in der Beilsteiner Stadthalle am Dienstagabend bei der Amtseinsetzung des neuen Bürgermeisters Patrick Holl. Er hat sich vorgenommen, nicht so aufgeregt zu sein bei seinem ersten offiziellen Auftritt als Stadtchef. Das gelingt dem 29-Jährigen. Er meistert den Amtseid, die Leitung seiner ersten Gemeinderatssitzung und seine Rede souverän. Sie enthält, wie die Grußworte auch, launige Passagen.

Wünsche Der Amtseid ist schnell erledigt. Es ist nur ein Satz, den der junge Familienvater dem zweiten Bürgermeister-Stellvertreter Oliver Kämpf nachspricht. Der Würde des Anlasses entsprechend, erheben sich die Leute im Saal, darunter Bürgermeister der Nachbarkommunen, Landtagsabgeordnete, Familie und Freunde des Ehepaars Holl. Das Geschenk von Kämpf, der den erkrankten Walter Weller vertritt, ist symbolisch: ein Elefant aus Holz. Er hoffe, dass Holl eine nicht allzu dicke Haut benötige oder gar Stoßzähne. Kraft, um Schwierigkeiten zu lösen, Weitblick für die Zukunftsentwicklung, ein großes Gedächtnis, um alles abzuspeichern, nicht zu lange Arbeitstage, das wünscht Kämpf dem Stadtchef.

Landrat Detlef Piepenburg erzählt von einer Begegnung mit einem Beilsteiner, der ausrechnete, dass Holl vier Wahlperioden in der Langhansstadt erfüllen, sogar für eine fünfte Amtszeit antreten könnte. "Welch ein Vertrauensvorschuss", stellt der Heilbronner Kreischef beeindruckt fest. Angesichts des überzeugenden Wahlsieges (56,6 Prozent) am 6. November 2011 über fünf Mitbewerber sieht er darin keine Einzelmeinung. Als Diplom-Verwaltungswirt bringe Holl, zuletzt Kämmerer in Ingersheim, das fachliche Rüstzeug und Praxiserfahrung mit für das große Betätigungsfeld. Was das Heilbronner Land alles an Leckereien bereit hält, überreicht er dem Noch-Affalterbacher.

Sie kennen sich schon lange − der Ältere war sein Dozent an der Hochschule für Verwaltung und Finanzen in Ludwigsburg. Nun ist Holl ein Kollege, den Mario Dürr als Vorsitzender des Sprengels Schozach-/Bottwartal willkommen heißt. Der Neckarwestheimer Schultes packt eine rote Wasserwaage aus, damit Holl die Interessen immer abwägen könne, und ein schwarzes Senkblei, das helfen soll, die Waagerechte zu halten. "Er war natürlich ein hervorragender Student", schmeichelt Dürr augenzwinkernd.

Ein Wind des Wandels wehe durch Beilstein, eröffnet Holl seine Rede am Ende der Sondersitzung. Eine Woche zuvor an gleicher Stelle die Verabschiedung seines Vorgängers Günter Henzler, nun der Neuanfang. Angelehnt an ein chinesisches Sprichwort, macht er deutlich, dass er keine Schutzmauern, sondern lieber Windmühlen bauen wolle. Ein frisch eingesetzter Bürgermeister zu sein, fühle sich noch etwas ungewohnt an, gibt er unumwunden zu. Auch dass die Vorfreude vermischt war mit einigem Grübeln, wie es denn sein werde. Dass er seine Gefühlswelt offenbart, bringt ihm weitere Sympathiewerte beim Publikum ein.

Linie Holl hat die Erwartungshaltung durch eine Welle an Anfragen, Anregungen und Wünschen schon in den ersten Tagen erfahren. Gesprächs- und kompromissbereit will er sein, Verständnis und Empathie für den Einzelnen mitbringen. Aber auch: seinen Prinzipien treu bleiben, eine klare Linie verfolgen, dem Gemeinwohl verpflichtet, sachorientiert sein. Provokationen und unfaires Verhalten will er nicht akzeptieren. "Ich will verbindlich, aber auch direkt sein." Der Beifall ist langanhaltend, wohlwollend.

Windmühlen bauen statt Schutzmauern
Sprengelvorsitzender Mario Dürr (r.) überreicht Wasserwaage und Senkblei. 



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