Vom Schnullerbaby bis zum Tatterkreis

Bunte Show aus Tänzen, Gesang und Büttenreden bei der Prunksitzung des TCV

Von Uwe Mundt

Vom Schnullerbaby bis zum Tatterkreis
Die Leibgarde des Prinzen legte in neuen Uniformen einen zackigen Marschtanz aufs Parkett der Schlossberghalle.Foto: Uwe Mundt

Talheim - Die einen kamen konservativ im Kleinen Schwarzen und in Jackett und Krawatte. Andere hatten sich ein buntes Hütchen oder eine Irokesenfrisur aufs Haupt gestülpt für die Prunk- und Fremdensitzung des Talheimer Carnevalsvereins (TCV). Auf der Höhe der Zeit zeigte sich der katholische Pfarrer Michael Donnerbauer, der sich dem Volk als neuer Pharao präsentierte. Laut und lustig ging in der Schlossberghalle zu bei Tänzen, Gesängen und Büttenreden.

Tanzmariechen Drei Garden sorgten für gehörigen Wirbel auf der Bühne. Die Kükengarde schwebte über den Wolken. Als veritable Kompanie traten die Roten Funken mit einem Marschtanz an, erstmals begleitet von einem schmucken Gardemajor. Die Prinzengarde in neuer Uniform brachte das Blut in Wallung. Zu den Tanzformationen gesellten sich Soli der Tanzmariechen Isabell Strack und Joana Weiß sowie des jungen Paares Luna Rumm und Nicolai Schreiner.

Verstärkung hatte sich der TCV aus dem Zabergäu geholt: Larissa Binder und Stefan Ernesti aus Güglingen legten einen schmissigen Paartanz hin. Nicht zu vergessen das vereinseigene Männerballett, das eine beeindruckende Show über den Lauf des menschlichen Lebens vom Schnullerbaby bis zum Tattergreis mit akrobatischen Einlagen und schnellen Kostümwechseln einstudiert hatte.

Mit strammen Waden in Ringelstrümpfen hatte wieder Talheims Dorfwanderer Martin Happel die große und die kleine Welt durchstreift. Nichts ließ er aus, von der "Gurkentruppe" in Berlin und dem Wahlkampf in Deutsch-Südwest bis hin zum Dioxin-Skandal. Auch die lokalen Ereignisse hechelte der Wanderer durch, von den holprigen Straßen im Ort und den Folgen für die Bürgermeister-Karosse über die Golfplatz-Entwicklung beim Talheimer Hof bis zur gelungenen Belebung des Rathausplatzes und dem künftigen neuen Feuerwehrhaus.

Wie ein altes Ehepaar sich zum 50. Hochzeitstag coram publico in die Wolle kriegt und sich dann doch wieder versöhnt, führten Margot Kleofas und ihre Schwester Birgit Krämer aus ihren Bütten eindrucksvoll vor Augen. Mehr oder weniger Witziges von seinen Urlaubsreisen erzählte der Weltenbummler Günter Sigloch von den Ellhofener Sulmtalnarren, während Frau Schlepperle, alias Willi Keicher, aus Erlenbach Intimes aus ihrem bewegten Leben ausbreitete.

Elferräte Nach vier Stunden konnte TCV-Präsident Siegfried Grasi, der durchs Programm führte, sich zu seinen Elferräten setzen, die diesmal in zwei Fraktionen aufgeteilt waren. Zwischen ihnen hatte das muntere Prinzenpaar Andreas II. vom großen Anker und Heike I. von bella Finestra Platz genommen. Sie genossen ihre Macht übers närrische Volk. Erst am 9. März müssen sie das Zepter abgeben.