Prinzenpaar muss erst mal Golfbälle schlagen

Von unserem Mitarbeiter Uwe Mundt

Prinzenpaar muss erst mal Golfbälle schlagen
Entführungsversuch: Die "Ortspolizei" transportierte das Prinzenpaar ab, und den abgesetzten Bürgermeister Rainer Gräßle gleich mit.Foto: Uwe Mundt 

Talheim - Die Beschäftigten hatten schließlich doch ein Einsehen: Angesichts sibirischer Kälte durften gestern Nachmittag die Narren des Talheimer Carnevalsvereins (TCV) doch ins geheizte Rathaus. Vorher aber mussten sie beweisen, dass sie für den Rest der Saison regierungsfähig sind: Die närrischen Tollitäten Maja I. von der Moritzburg und Thomas II. vom heißen Stuhl mussten vor den Augen ihres Volkes ihre Fitness beim Golfspielen unter Beweis stellen. Schließlich wird Talheim demnächst seinem Nachbarn Neckarwestheim Konkurrenz machen. Die ersten Genehmigungen für den Golfplatz auf dem Talheimer Hof sind schon da.

Aufgabe "Wer hier regieren will, muss Golf spielen können", forderte Bürgermeister und Ehrenritter Rainer Gräßle vor dem Eingang, den er mit einem Umleitungsschild hatte sperren lassen. In der Kälte bibberte das Volk, aber der Rathauschef, in diesem Jahr ungewohnt rigoros, machte die Tür nicht auf, bevor nicht Tollität und Lieblichkeit mit Kinderschlägern bewiesen hatten, dass sie den kleinen gelben Ball sowohl weit schlagen − nämlich in den Rathausbrunnen − und auch auf kurzer Strecken einlochen konnten. Spätestens mit dem zweiten Schlag hatte das fränkisch-sächsische Paar sich den Einzug verdient. Die übrige Schar der Karnevalisten stürmte ihnen auf den Fersen in die Verwaltungsburg.

Etwas fassungslos, mindestens verwundert, verfolgten 24 junge Franzosen das in ihren Augen seltsame Verhalten erwachsener Deutscher. Die hatte Bürgermeister Alexander Krüger aus Flein mitgebracht, der seinem Nachbarkollegen bei der Verteidigung seines Rathauses beispringen wollte. Die 13- bis 14-Jährigen sind aus der Fleiner Partnergemeinde Onzain und gegenwärtig auf Schüleraustausch im Unterland. Ihr Heimatort liegt etwa 150 Kilometer südlich von Paris. Mit ihren deutschen Altersgenossen verständigen sie sich auf Französisch, Englisch und mit Händen und Füßen. So etwas wie Karneval ist in Frankreich nicht bekannt, berichtet Baptiste. Immerhin, angesichts bunter rheinischer Narrenkappen, findet der 13-Jährige: "Die Leute machen mir Spaß."

Reime So schnell wollte Schultes Gräßle sein Rathaus nicht aufgeben und bestand in einer polemischen, gereimten Rede darauf: "Mein Rathaus bekommt ihr nicht." Und drehte den Spieß gleich um, beschlagnahmte den "heißen Stuhl" des Prinzen: "Das Motorbike, das ist jetzt mein." Zur Vorsicht, weil man je nie weiß, wozu Narren fähig sind, überreichte ihnen Kämmerer Dieter Uhler eine Denkschrift über die Vermeidung von Schulden.

Und um ihnen alle Gelüste zu nehmen, in die Gemeindekasse zu greifen, behauptete der Bürgermeister: "Wir haben gar nichts mehr − nicht mal Schulden." Und das stimmt sogar in Talheim.




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