Politik geht alle etwas an

Von Fabian Sickenberger

Politik geht alle etwas an
Die Jungpolitiker Markus Herrera Torrez, Viola Ansel und Sebastian Gerlach (von links) debattierten über verschiedene aktuelle Themen. Foto: Fabian Sickenberger 

Beilstein - Die Bundestagswahl 2009 war ein zukunftsweisendes Event, das viele Bürger verfolgten, das viele hoffen ließ. "Den meisten meiner Klassenkameraden waren die Wahlen völlig egal", sagt Felix Stather. Um das zu ändern, entschloss sich der heute 18-Jährige, eine politische Podiumsdiskussion am Beilsteiner Herzog-Christoph-Gymnasium (HCG) zu organisieren. Dort macht er dieses Jahr sein Abitur. "Die Debatte war wirkungsvoll: Meine Mitschüler machten sich danach mehr Gedanken über politische Themen", erklärt der Abstatter.

Auf ein Neues Grund genug, um auch in diesem Jahr zu diskutieren. Die zweite Auflage der Podiumsdiskussion fand am Mittwochvormittag unter Stathers Leitung im Herzog-Christoph-Gymnasium vor rund 120 Zwölftklässlern statt.

Markus Herrera Torrez von den Jusos, Viola Ansel von den Julis und Sebastian Gerlach von der Jungen Union lassen kaum ein aktuelles Thema aus: Frauenquote, Mövenpick-Millionenspenden an die FDP, Kopfpauschale und "Guidobashing" (also mediales "Einschlagen" auf Außenminister Guido Westerwelle). Aber die Zuhörer scheinen wenig begeistert, tuscheln und stellen kaum Rückfragen. Das Klatschen Einzelner führt zu belustigtem Gelächter der Kollegen − vielen Schülern fehlt es an Ernsthaftigkeit.

Doch dann zeigt sich, dass Politik für manch einen doch ganz spannend ist. Bei der Diskussion zum demografischen Wandel fangen auch die Zuhörer an, untereinander zu diskutieren und häufiger Fragen zu stellen. Den Oberstufenschülern ist jetzt bewusst, dass das hier keine Juxveranstaltung ist. Vor allem bei den Themen Steuersünder-CD und Bildungspolitik schalten sich viele von ihnen in die Debatte ein.

"Wir unterhalten uns auch mit Klassenkameraden über Politik", erzählt Zwölftklässlerin Kathrin Hermann (17). "Vor allem bildungspolitische Themen sind interessant und wichtig für uns", erklärt Mitschülerin Anja Gemmrich (18). Am Ende ignorieren die Schüler sogar die Pausenglocke. Zu sehr sind sie noch mit Argumentieren beschäftigt. "Politik ist nicht das Top-Thema − aber kaum einer sieht das hier als Pflichtveranstaltung an", ist sich Schülersprecher Niklas Mowat (17) sicher.

Interesse Viola Ansel, Sebastian Gerlach und Markus Herrera Torrez sind sich einig: Politisches Interesse ist bei vielen Jugendlichen zu finden. Aber: "Manche sind von den Themen einfach nur gelangweilt", weiß Gerlach. Und die Hemmschwelle, sich zu engagieren, sei groß, ergänzt Juso Herrera Torrez.

Aber alle drei sind überzeugt: Veranstaltungen wie diese können zu mehr politischem Interesse in der Jugend führen. Bei Jovana Kovacevi (18) hat"s funktioniert: "Bis heute habe ich mich überhaupt nicht für Politik interessiert", gibt sie zu. Nun hat sie Viola Ansel um eine Visitenkarte gebeten. Diese bittet die Zuhörer um das, was dem gesamten Podium wichtig ist: "Engagiert euch."




termine23besenkalenderverkehrspiele

Diese Woche neu im Kino

Archiv-Ticker: Zurückgeblättert

Anzeigenmarkt