Grenzgänger zwischen Welten

Von unserer Redakteurin Angela Groß

Grenzgänger zwischen Welten
Segelsport, Reisen, die Kamera: Der 34-jährige Jens Sattmann ist seit zwei Jahren in Ilsfeld zuhause und immer mal wieder unterwegs zu exotischen Zielen. Foto: Andreas Veigel 

Ilsfeld - Um nüchterne Zahlen dreht sich das Berufliche, im Urlaub sind es Abenteuerreisen durch fremde Länder, die den Banker in Stuttgart faszinieren. Der Amateurfilmer Jens Sattmann aus Ilsfeld bewegt sich spielend in beiden Welten, so gegensätzlich sie auch sind. Nun ist der 34-Jährige mit seinem allerersten Film, den er 2011 für einen Wettbewerb eingereicht hat, gleich durchgestartet. Für ihn gab es Bronze bei den Walser Internationalen Filmtagen und den zweiten Platz bei den baden-württembergischen Landesmeisterschaften des Bundes deutscher Filmatautoren im Herbst des vergangenen Jahres.

Erfolg Das ist noch nicht alles. Wenn sich vom 20. bis 22. April Filmer und Juroren beim Bundesfestival in Dortmund treffen, um den besten kommerziellen Reisefilm Deutschlands zu küren, ist Sattmanns Opus wieder in der Auswahl. "Es ist schon erstaunlich, spitze, dass ich so weit gekommen bin, unter diesen gestandenen Filmautoren", freut er sich. Die Anregung, sich mit einem professionellen Werk dem Wettbewerb zu stellen, kam von Frank Lauter. Der Schwäbisch-Haller ist einer seiner Arbeitskollegen und zugleich Vorsitzender des Filmclubs Hohenlohe.

Dort ist mittlerweile auch Sattmann Mitglied. Dabei filmt der gebürtige Odenwälder schon lange, 18 Jahre. Anfangs mehr für sich, dann, um Erinnerungen an seine Reisen festzuhalten. Die fangen für ihn dort an, wo der Tourismus aufhört. Zum Beispiel im Osten Ecuadors, dort verbrachte der quicklebendige Mann zwei Wochen in einem Indiodorf, und er war auch schon bei den Buschmännern in der Kalahari.

Als er 16 war, bettelte er seine Mutter um eine Kamera an. Dann war sie da, an Weihnachten. Damals noch analog, "riesengroß, schweineteuer und mit einer schlechten Auflösung", erinnert sich der Banker. Kleinere Aufträge folgten, da mal eine Hochzeit oder hier mal eine Feier filmen. Heute arbeitet Sattmann mit einem semiprofessionellen Equipment, doch ohne Story im Kopf, den roten Faden, ist die beste Ausrüstung nichts. Nach dem Dreh geht die Arbeit erst richtig los: 300 Stunden verwandte der Ilsfelder darauf, das Material in einen "hochinteressanten Film" zu gießen, wie Frank Lauter berichtet. Der Streifen, um den es geht, ist während einer vierwöchigen Abenteuerreise 2011 durch Mosambik entstanden: Mit einem Begleiter war Sattmann unterwegs. Sie durchquerten das Land mit einem Jeep von oben bis unten. 3000 Kilometer. Tourten dort, wo es keine Straßen gibt, Benzin und Wasser hatten sie in Tanks dabei. Zelteten.

Der 34-Jährige fing mit seiner Kamera das karge, trockene Landesinnere ein und auch die fantastische Küste mit ihren Traumstränden. "Mosambik ist wunderschön, aber das Highlight sind für mich die Menschen dort." Deren Herzlichkeit und Gastfreundschaft. Die Kinder, die sich wie die Orgelpfeifen aufbauten. Um die Wette lächelten. "Diese Menschen. Sie wissen ganz genau, wie reich wir sind. Und trotzdem tun sie nichts lieber, als einen zum Essen einzuladen."

Sattmann belässt es bei seinem zwanzigminütigen Reisefilm nicht nur bei Momentaufnahmen, den Interviews mit den Leuten, sondern beginnt sein Werk mit einem historischen Überblick des von Sklaverei, Kolonialismus und Bürgerkriegs gebeutelten Staates. Und er lässt ihn enden mit dem Satz: "Hier sind nicht nur die Temperaturen ein paar Grad höher, auch die Herzen der Menschen scheinen ein paar Grad wärmer zu sein als bei uns."

Blickwinkel Und wenn der Mann dann von einer seiner Reisen zurück ist, blickt er mit anderen Augen auf sein Land, die Heimat. "Wir leben im Schlaraffenland. Stuttgart 21? Wie unwichtig manche Probleme wirklich sind." Die Filme des Grenzgängers Sattmanns sind ein Brückenschlag, zwischen Banker und Abenteurer, zwischen hier und dort.

Grenzgänger zwischen Welten



termine23besenkalenderverkehrspiele

Diese Woche neu im Kino

Archiv-Ticker: Zurückgeblättert

Anzeigenmarkt