Als Letzter Erster geworden

Von unserer Redakteurin Angela Groß

Als Letzter Erster geworden
Appetit? Diese beiden Kreationen sind unter den Händen des Küchenchefs vom Hotel-Restaurant Ludwig Eins bei der Messe in Stuttgart entstanden.Foto: privat 

Abstatt - Aufregend, anstrengend und außergewöhnlich waren diese Tage für Stefan Härlin. Sehr spontan sei die Aktion gewesen, sagt der Jungkoch aus dem Abstatter Hotel-Restaurant Ludwig Eins über seine Teilnahme beim Wettbewerb auf der Messe Intergastra in Stuttgart.

"Ich war schon eine Woche über dem Anmeldeschluss", berichtet der 32-Jährige. Spontan entschied er sich, mitzumischen und meldete sich nach. Umso verrückter, dass er dann beim Wettbewerb des Deutschen Hotel- und Gaststättenverbandes (Dehoga) den Titel "Jungkoch des Jahres 2012" ergatterte.

Dabei sein können Köche unter 35 Jahren, ohne Küchenmeisterprüfung. "Dieser Titel, das ist das höchste Glück", sagt Härlin, der in Großbottwar wohnt und seit Februar 2011 Küchenchef im Ludwig Eins ist. Ein Mann, dem sein Beruf Berufung ist: "Kochen, das ist für mich Leidenschaft."

Erfahrung Fünf Tage lang war Härlin vor Ort, bei der Messe. Und es entging ihm nicht, was die Mitbewerber drauf hatten. "Die Messlatte war sehr hoch", charakterisiert er die Veranstaltung. Auf einer Showbühne zeigten in drei Buchten Köche und auch Barkeeper ihr Können, unten saßen die Gäste und schauten zu. Die Intergastra ist Treffpunkt für die Hotellerie, Gastronomie, Catering, für Konditorei und Café.

Wie gut, dass der Koch bereits an mehreren Wettbewerben teilgenommen hat, genau wusste, auf was es ankommt: Sich während des Kochens einen zeitlichen Puffer einzuräumen und im Zweifelsfall Unvorhergesehenes kompensieren zu können. Prompt fiel die Fritteuse aus, so dass die knusprigen Kartoffelbonbons nur noch im Fett auf dem Herd ausgebacken werden konnten.

Ihre Kreationen müssen die Teilnehmer bereits bei der Anmeldung mitteilen. Der Warenkorb ist recht frei gehalten. "Die Vorbereitung ist dabei das A und O", weiß der Experte, klar, dass er die Aufgabe im Testlauf in Abstatt durchexerzierte, bevor er nach Stuttgart reiste. In Echtzeit, in eineinhalb Stunden, kochte er das Menü in der Hotelküche einmal durch, unter fachkundiger Aufsicht, anschließend war Verkostung. Die Aufgabe: 20 halbe Portionen und zwei ganze für die Prüfer, einer davon der sogenannte Showteller.

Für die Zuarbeit hat jeder Koch einen Helfer zur Seite. Das kann ein Auszubildender sein oder ein Commis de Cuisine. Härlin nahm seine Abstatter Kollegin Nadine Fuchs zur Unterstützung mit, die erstmals Wettbewerbsluft schnupperte.

Nicht nur das Menü und die Kreativität, auch Sauberkeit zählt für die Jury. Alle Töpfe waren mit kleinen Aufklebern beschriftet, auf dem Tisch lag der genaue Arbeitsablaufplan. "Innovative Kochkunst, an saisonalen Produkten orientiert, das ist Anliegen der Prüfer, und sie haben gesehen, dass es mir Spaß macht", erzählt Härlin. Mit dem Hauptgewinn, der sechswöchigen Vorbereitung auf die Prüfung zum Küchenmeister, kann Härlin endlich umsetzen, was er sowieso anpacken wollte: den Meister. Dieser Kurs kostet normalerweise 10 000 Euro. In drei Monaten werden die Teilnehmer in Bad Überkingen auf die Prüfung vorbereitet, lernen all das, was andere in einem Jahr büffeln. "Ich habe mich riesig gefreut. Der Meister hat mich schon immer gereizt", sagt Härlin, in diesen Tagen ein besonders glücklicher Koch im Ludwig Eins.

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