Seifenkutschenrennen in Prevorst: Mit Karacho in die Schikane

Oberstenfeld  Das Seifenkutschenrennen in Prevorst ist auch in der 48. Auflage ein wahrer Publikumsmagnet. Nicht nur, dass der ganze Ort auf den Beinen ist, es strömen auch mehrere hundert Zuschauer aus der näheren und weiteren Umgebung in den Waldweiler.

Von Wolfgang Seybold

 

Fürs Rennen gemeldet sind diesmal 53 Seifenkutschen, 44 Solofahrzeuge und neun Seitenwagen. Gestartet wird in der Soloklasse A (8 bis 11 Jahre), der Soloklasse B (12 bis 16) und in der Seitenwagenklasse. Die 350 Meter lange Rennstrecke ist für die Fahrer eine echte Herausforderung. Besonders die aus rund 800 alten Reifen gebauten Schikanen in der Hohlgasse haben es in sich.

Dekra prüft Fahrzeuge auf Sicherheit

Bis aber der Wettbewerb starten kann, gibt es für die Mitglieder des Prevorster Seifenkutschen- und Skivereins viel zu tun. Die Veranstaltung soll ja sicher und möglichst ohne Unfall über die Bühne gehen. Zu den Sicherheitsmaßnahmen gehört, dass alle Fahrzeuge vom Dekra auf technische Zuverlässigkeit überprüft werden. Zur vorgeschriebenen Ausrüstung der jugendlichen Fahrer gehören Helm und Handschuhe.

"Wir haben zwar viel zu tun gehabt, aber alle Fahrzeuge befinden sich in einem einwandfreien technischen Zustand", sagt Vereinstechniker Bernhard Sinn. Nach den zwei Trainingsläufen am Vormittag steigt das Rennfieber im Fahrerlager merklich an. "Ich bin schon ein bisschen aufgeregt vor dem Start", gibt die zehnjährige Lena zu. Sie sei zum ersten Mal in Prevorst dabei. Ihre in frischem Design glänzende Seifenkutsche beherrsche sie aber ganz gut. Und die Startnummer 13 bringe ihr sicher Glück.

Auch die Konstrukteure der Boliden fiebern dem Start entgegen. Für das aus Helfenberg angereiste Schlossberg-Racingteam hat Heiko Grießinger fünf Seifenkutschen gebaut. "Da stecken rund 50 Stunden Arbeitszeit in jeder Kiste", erklärt er. "Es macht mir aber unheimlich Spaß, diese Fahrzeuge zu bauen." Und jetzt wird es für ihn interessant, ob Tochter Mia (11) mit der Kutsche auch zum Sieg fahren kann.

Pünktlich um 14 Uhr gibt der Prevorster Gemeinderat Alexander Wolf den Startschuss für Marco (8), einen der jüngsten Rennfahrer im Feld. Tief in seine Seifenkiste geduckt, um ja dem Wind keinen Widerstand zu bieten, rast er von der Startrampe hinunter auf die Ortsstraße, auf die berüchtigte Hohlgasse zu. Da gilt es für die Fahrer den schwierigsten Abschnitt der Rennstrecke zu meistern.

Geschwindigkeiten bis zu 40 km/h 

Die Einfahrt in die Schikane muss passen. Das heißt, nicht zu früh, aber auch nicht zu spät bremsen. Denn wer an den seitlich aufgereihten Reifenstapeln hängenbleibt, verliert viel Zeit. Im Ziel, rund 20 Höhenmeter unterhalb des Starts, messen die Helfer die Fahrzeit mit einer elektronischen Zeitmessung. "Die Seifenkutschen sind mit höchstens 40 Stundenkilometer unterwegs und brauchen zwischen 42 und 55 Sekunden", erklärt Streckensprecher Timo Wirth.

Am Eingang der Hohlgasse, dort wo die mit Reifen begrenzten Schikanen beginnen, quittiert die große Zuschauerkulisse jede Fahrzeugberührung mit bedauernden "Oh!"-s. Das passiert im ersten Durchgang auch Jona. Der Elfjährige steuert sein Rennauto voll in die Reifenbande. Aber die bereit stehenden Helfer befreien ihn schnell aus seiner misslichen Lage, und Jona kann die rasante Fahrt fortsetzen.

Die Zuschauer bejubeln und beklatschen aber auch die erfolgreiche Durchfahrt der Schikane. "Das ist immer wieder spannend, wie die jungen Fahrer die Hohlgasse durchfahren", sagt Birgit Hänel. Die Prevorsterin hat zwei eigene Seifenkutschen, die sie an Nachwuchsfahrer ausgeliehen hat. Die eigenen Kinder seien schon zu groß.

Oberstenfelds Bürgermeister Markus Kleemann ist vom Rennen begeistert. Schmunzelnd meint er: "Ich trete heute Abend noch in den SSV als Mitglied ein."