Freie Fahrt für Mountainbikes auf legalen Pisten

Beilstein/Oberstenfeld  Mountainbiker vom Verein Trailsurfers Beilstein legen Wege im Wald an und wollen damit Ärger umgehen - alles in Absprache mit dem Landratsamt und der Stadt.

Von Steffan Maurhoff

Flotte Fahrt auf legalen Pisten
Arbeitseinsätze auch im Winterhalbjahr: Der Beilsteiner Verein Trailsurfers Baden-Württemberg kann Wege in Absprache mit der Forstverwaltung anlegen. Foto: privat

Auf den ersten Blick würde niemand vermuten, dass er da eine Gruppe Mountainbiker vor sich hat. Schaufel, Spaten und Schubkarren haben sie dabei und machen sich − mitten im Winter − an einem Waldpfad zwischen Prevorst und der Gronauer Platte zu schaffen.

"Das ist ja auch sportliche Betätigung", sagt Stefan Pyttlik (42). Der Vorsitzende des jungen Beilsteiner Vereins Trailsufers Baden-Württemberg ist oft mit Gleichgesinnten im kommunalen Wald unterwegs, wo sie einen Mountainbikeweg vom Prevorster Waldspielplatz in Richtung Gronau anlegen. 

Mountainbiker fühlen sich von Wege-Regel gegängelt

Per Vereins-Whatsapp-Gruppe finden sich die Mountainbiker zusammen, schaffen fleißig und legen damit die Grundlage für neue Touren bei freundlicheren Temperaturen. Dabei sah es im vergangenen Jahr nach Schlechtwetter aus, zumindest im übertragenen Sinne: Die Radsportler hatten sich zunehmend in den Wäldern um Beilstein und Oberstenfeld ihre Wege gesucht und gebaut − und waren damit mit dem Gesetz in Konflikt geraten.

Denn die Radler dürfen zwar im Wald fahren, aber nur auf Wegen, die mindestens zwei Meter breit sind. Eine gesetzliche Vorgabe, von der sich Mountainbiker landauf, landab gegängelt fühlten.

"Das Problem war, dass alles illegal entstanden ist"

Auch in Beilstein waren in den vergangenen Jahren mehr und mehr Wege entstanden, mal wurden Kurven angeböscht, mal schmale Wege freigelegt. "Das Problem war, dass alles illegal entstanden ist", denkt Pyttlik an die Zeit vor Gründung seines Vereins zurück. "Das hat verständlicherweise zu Ärger geführt."

Der Forst, Jäger, Naturschutz, Wengerter und das Rathaus reagierten. "Das war eine supersensible Situation." Doch der Konflikt kochte nicht weiter hoch, weil die Mountainbiker sich organisierten: als Trailsurfers Baden-Württemberg. Mit 16 Mitgliedern ging es im Juli 2016 los. "Inzwischen haben wir 113 Mitglieder", sagt Pyttlik stolz.

Auch das Landwirtschaftsministerium mischte sich ein

Mittlerweile hat sich die Situation entspannt. In enger Abstimmung mit dem Kreisforstamt und Revierförster Oliver Muth machten sich die im Verein organisierten Moutainbiker ans Werk, legten den Wartkopf-Trail an: "Das war unser Diskussions-Trail", berichtet Pyttlik. "Und es gab viel Diskussionsbedarf."

Damit wurde umgesetzt, was auch die Landesregierung gestattet. Landwirtschaftsminister Peter Hauk (CDU) hatte im Herbst ein Konzept vorgestellt, das nach langen Verhandlungen mit 30 Verbänden den Wirbel um die Zwei-Meter-Regel entschärfen soll: Demnach gilt diese Regel zwar, aber Single-Trails für Mountainbike-Fahrer können vor Ort per Ausnahmeregel im Dialog mit allen Betroffenen eingerichtet werden.

Verein hat bisher 500 Arbeitsstunden eingebracht

Die Beilsteiner Vereinsmitglieder der Trailsurfers haben mittlerweile rund 500 Arbeitsstunden im Wald investiert. Von angelegten Pisten haben sie auf ihrer Homepage Filme eingestellt, damit sich Radler ein Bild machen können. Stefan Pyttlik ist überzeugt, dass die Moutainbiker eine wachsende Anhängerschaft haben. "Anfangs hat es geheißen, dass sind nur die jungen Wilden im Wald. Aber das stimmt nicht." Bei den Trailsurfers seien auch Leute um die 60, Handwerker, leitende Angestellte, Rechtsanwälte, Unternehmer. Pyttlik ist überzeugt vom Potenzial der Landschaft rund um Beilstein, das besonders für Tagestouristen interessant sei.

Er spricht von einem künftigen Wegenetz, auf dem Radfahrer unterwegs sein könnten wie andernorts Skifahrer auf Pisten. Er denkt auch über eine überregionale Vernetzung der Landkreise im Schwäbisch-Frankischen Wald nach, will den Berg- und Tal-Bus Verkehrs- und Tarifverbunds Stuttgart für Mountainbiker nutzen und die Trails im Bottwartal ausbauen. "Das Mountainbiken in unserer Region ist touristisch kaum erschlossen", sagt Pyttlik. "Hier gibt es genug Luft nach oben."