Zwischen Spanien und der Elfenbeinküste

Der internationale Weihnachtsmarkt auf der Hauptstraße erfreut sich erneut großer Beliebtheit

Von unserer Mitarbeiterin Waltraud Langer

Neuenstadt - Wo sind die lebenden Schafe, wo Maria und Josef mit dem Kind? Die Gruppe begrüßte jahrelang gegenüber der Stadtkirche die Besucher des Neuenstädter Weihnachtsmarkts. Verwaist steht heuer der Stall. Hatte man Angst vor dem Segen von oben? "Das Dach ist morsch, die Steine bröckeln", wirbt nämlich vor der Kirche die evangelische Kirchengemeinde an ihrem Stand für die Außenrenovierung des Gotteshauses. "Nachdem wir die Hütte aufgebaut hatten, haben wir gemerkt, dass die Krippenfiguren aus dem Fundus ziemlich ramponiert waren. Deshalb haben wir darauf verzichtet, sie aufzustellen", sagt Peter Seemüller vom Handels- und Gewerbeverein Neuenstadt, dem Hauptorganisator des Markts. Seemüller hat aber einen Ehrengast geladen: die Vertreter der Ivorisch-Deutschen-Gesellschaft.

Ausbildung

Durch einen Artikel in der Heilbronner Stimme ist er auf sie aufmerksam geworden. "Es freut uns sehr, dass wir hier teilnehmen dürfen", sagt Gert-Peter Stoldt, der Sprecher der Gesellschaft, die sich unter anderem die Förderung der Nachwuchsausbildung auf die Fahnen geschrieben. Stoldt appellierte an den Mittelstand, junge Leute aus Afrika auszubilden. Eine Aktion, die auf Gegenseitigkeit beruhe − sei doch die Elfenbeinküste bereits heute auch Importeur deutscher Produkte. "Mit den Teilnehmern aus der Elfenbeinküste haben wir den Sprung auf einen anderen Kontinent geschafft", scherzt Bürgermeister Norbert Heuser bei seiner Rede nach der Eröffnung des Marktes durch die Posaunenbläser hoch vom Turm.

Seit sechs Jahren gibt sich der Neuenstädter Weihnachtsmarkt international und fährt gut damit. 60 Gruppen, von den feurigen Spanierinnen der Grupo Raza über den Coro del Grappa aus Italien bis zu den tanzenden Kindern der griechischen Gemeinde, locken trotz wenig einladenden Wetters auch in diesem Jahr wieder die Gäste. Das Angebot der Aussteller lässt kaum Wünsche offen: Die Musikschule im historischen Türnizbau ist Weihnachtshaus mit kreativem Kunsthandwerk. Zu Krippen aus verschiedenen Materialien, Tannenbäumen aus Filz, feinen Seifen, vermitteln knarrende Holztreppen und Kassettentüren nostalgischen Charme.

Schlafanzüge

In einem der Übungsräume hat Gisela Endreß aus Gochsen ihr Sortiment aufgebaut: Schlafanzüge aus Geschirrtüchern und Dinkelmäuse aus Stoff. "Es ist nicht schlecht hier. Auch ein Klavier ist da. Wenn ich jetzt noch spielen könnte, würde das die Leute noch mehr anlocken", sagt ihre Tochter Monika Erles, die Standvertretung macht, während die Mutter kurz über den Markt bummelt. "Du liebe Zeit, ist das scharf", prustet Helga Stahl aus Neckarsulm und gibt den Becher an ihren Mann Jürgen weiter. Ida Ouhé-Schmidt vom Stand der Elfenbeinküste hat ihr einen Ingwersaft serviert. "Das ist reiner gepresster Ingwer mit nur ganz wenig Wasser und ein bisschen Zucker", erklärt die Afrikanerin. Sie ist mit einem Deutschen verheiratet.

Ida Ouhé-Schmidt ist Schauspielerin und vertritt zudem ein Kinder-Hilfsprojekt. Die lange Einkaufsnacht lockt Besucher außerdem in die Geschäfte an der Hauptstraße. Dicht an dicht stehen die Buden mit Selbstgestricktem, Gedrechseltem, Gemaltem.