Ziel: Besseres und billigeres Essen

Region Heilbronn - Rund eine Million Euro pro Jahr wollen die Stadt-Landkreis-Kliniken (SLK) mit der Neuorganisation des Krankenhausessens einsparen. In Brackenheim und Möckmühl soll ab Anfang 2011 die Küche kalt bleiben.

Von Reto Bosch

Ziel: Besseres und billigeres Essen

"In diesem Bereich ist in den vergangenen Jahren zu wenig getan worden."

Michael Knüppel

Region Heilbronn - Rund eine Million Euro pro Jahr wollen die Stadt-Landkreis-Kliniken (SLK) mit der Neuorganisation des Krankenhausessens einsparen. In Brackenheim und Möckmühl soll ab Anfang 2011 die Küche kalt bleiben. Etwa 30 Stellen werden nach Angaben der Geschäftsführung abgebaut. Ziel sei auch eine bessere Essensqualität.

Der SLK-Aufsichtsrat hat die Geschäftsführung jetzt beauftragt, die Küchenstrukturen neu zu ordnen. "In diesem Bereich ist in den vergangenen Jahren zu wenig getan worden", sagt der kaufmännische Direktor Michael Knüppel. Der Ressourceneinsatz sei zu hoch. "Vor allem beim Personal", ergänzt Geschäftsführer Dr. Thomas Jendges. In zwei Schritten will sich die SLK einer wirtschaftlicheren Küchenorganisation nähern. Zunächst soll ab März dieses Jahres ein externes Beratungsbüro die Abläufe verbessern helfen, zum Beispiel bei der Aufstellung von Dienstplänen. Im Fokus stehen vor allem praktische Maßnahmen, die rasch umzusetzen sind.

Eine wesentliche Aufgabe der Berater ist aber auch, den tiefgreifenden zweiten Schritt vorzubereiten: die Schließung der Küchen in Brackenheim und Möckmühl. Der Standort in der Heuss-Stadt soll vom Gesundbrunnen, Möckmühl vom Plattenwald beliefert werden. Derzeit gibt es in den vier Häusern 119 Stellen im Küchenbereich. Die SLK plant, etwa 30 zu streichen. Jendges beziffert das Einsparvolumen auf rund eine Million Euro pro Jahr.

Kalt transportieren

Wirtschaftliche Verbesserungen sind das eine. Die Geschäftsführung betont, dass sich auch die Qualität der Mahlzeiten verbessern soll. Deshalb will die SLK auf die sogenannte Kaltportionierung umsteigen. Im Klartext: Der Garprozess der Speisen wird unterbrochen. Braten, Gemüse und Co. werden kalt nach Brackenheim und Möckmühl transportiert und auf der Station zu Ende gegart. So will man sicherstellen, dass die Mahlzeiten möglichst frisch an die Betten gelangen. "Unser Ziel ist zudem, die Vielfalt der Speisen zu erhöhen", sagt Knüppel und weist darauf hin, dass auch künftig viele Produkte regional eingekauft werden. Größere Investitionen seien nicht notwendig, vor Ort sei sowieso veraltete Technik zu erneuern. Auch nach dieser Neuorganisation sollen externe Kunden wie Kindergärten Essen bestellen können.

Was geschieht mit den Mitarbeitern? Geschäftsführer Jendges betont, dass der Abbau sozialverträglich erfolgen soll, etwa über freiwillige Aufhebungs- und Abfindungsverträge. Möglich sei außerdem, Stellen in anderen Bereichen der SLK-Kliniken anzubieten, beispielsweise als Stationsassistenten. Betriebsratschef Volker Flaig kritisiert die Entscheidung des Aufsichtsrats. "Wir sehen die Sparzwänge ein, wollten aber die bestehende Küchenstruktur optimieren und auf Schließungen verzichten." Flaig weist darauf hin, dass in den Küchen viele angelernte Beschäftigte arbeiten. Genau die Art von Arbeitsplätzen, deren Zahl insgesamt schrumpfe. Er kenne noch keine Details, wie der Stellenabbau umgesetzt werde, sagt Flaig. "Wir hoffen, dass wirklich niemandem gekündigt wird." In der letzten Zeit seien hauptsächlich befristete Verträge abgeschlossen worden. Würden diese nicht verlängert, verlören Menschen ihre Arbeit, in der Außendarstellung seien es aber keine Kündigungen.

Hohenlohe

Das Hohenloher Krankenhaus (HK) hatte bis 2000 an jedem Standort einen eigenen Küchenchef und unterschiedliche Gerichte. Jetzt werden Organisation und Einkauf für Öhringen und Künzelsau zentral gemanagt. Gekocht wird vor Ort, der Speiseplan ist identisch. Die Klinikküche mit 36 Mitarbeitern ist auch Caterer für Schulen, Kindergärten, Altenheime und Essen auf Rädern des DRK. Von 1997 bis 1999 war die HK-Küche von einem Fremdanbieter betrieben worden. Diese Ausgliederung wurde aber, genauso wie die Reinigung, wieder rückgängig gemacht.

Standorte

Die SLK-KLiniken GmbH betreibt vier Häuser in Heilbronn, Bad Friedrichshall, Möckmühl und Brackenheim. Insgesamt verfügt sie über rund 1700 Betten. Laut Geschäftsführer Dr. Thomas Jendges müssen täglich 1300 bis 1600 Essen für die Patienten gekocht werden. Dazu kommen Mahlzeiten für Mitarbeiter und externe Kunden. Derzeit wird zentral heiß gekocht und anschließend verteilt. Das kann dazu führen, dass die Speisen auf dem Weg zum Patienten abkühlen.