Wurzeln stärken und Vielfalt kultivieren

Heilbronn - Neue Initiative will Menschen aus verschiedenen Religionen miteinander ins Gespräch bringen

Von Kilian Krauth

Heilbronn - Weit über 100 evangelische und katholische Gemeinden, 21 Moscheen, vier orthodoxe Kirchen, eine jüdische Synagoge ein buddistischer Tempel und wie viele Vereine? Die Zahl der religiösen Gemeinschaften im Unterland ist nirgendwo erfasst. Aber um Institutionen geht es ihnen auch gar nicht, "sondern um Menschen", betonen Steven Häusinger von der Evangelischen Tagungsstätte Löwenstein und Norbert Hackmann von der Katholischen Erwachsenenbildung.

Die beiden gehören zu den Initiatoren einer "Initiative für einen Dialog der Religionen in und um Heilbronn". Am Freitag stellte sich die Gruppe, zu der bisher neben Christen auch Vertreter des Islamischen Dachverbandes gehören, der Presse vor. Dabei betonten nicht zuletzt die Muslime Dag Ferhat und Adulhamid Andreas Titus, man sei noch längst nicht vollständig sondern offen für Menschen aus allen Religionsgemeinschaften im Unterland.

Ansätze, die es bereits zwischen Gemeinden, in Schulen oder Vereinen gibt, sollen damit auf eine breite Basis gestellt werden. Ziel der Initiative ist es, Menschen aus unterschiedlichen Religionen miteinander ins Gespräch zu bringen, dadurch Vorurteile und Ängste abzubauen und letztlich das friedliche Zusammenleben zu fördern. Keinesfalls wolle man Unterschiede nivellieren, sondern das Bewusstsein für die eigenen Wurzeln stärken und darüber hinaus zeigen, dass Vielfalt eine Bereicherung sein kann.

Politik und Alltag

Dass man sich in das Bündnis gegen den Nazi-Aufmarsch am 1. Mai einreiht, liegt für Nikolai-Pfarrer Ulrich Koring auf der Hand. Auch das geflügelte Wort des Bundespräsidenten, Muslime seien im jüdisch-christlich geprägten Deutschland angekommen, können die Unterländer unterschreiben. Doch jenseits der Politik liegt ihnen in erster Linie das alltägliche Zusammenleben am Herzen. Um dieses zu fördern, laden sie zunächst zu zwei Leuchtturmveranstaltungen. Vielleicht führen die daraus gewonnenen Impulse zu einer Konferenz, einem Rat oder zu einem Forum der Religionen in der Region.

Ein erstes Seminar findet am Freitag, 25. Februar, von 17.30 Uhr, im Heilbronner Heinrich-Fries-Haus an der Bahnhofstraße statt. Dabei geht es um Rituale. Das Wochenende 8./9. Juli steht unter dem Motto "Zuhören − Respektieren − Aufbrechen". Dabei gibt es in der Tagungsstätte Löwenstein neben Referaten und Diskussionen vielfältige Möglichkeiten des Austauschs und der Einkehr.

Unterstützung

Durch 4500 Euro von Bürgerstiftung Heilbronn, Sparkassenstiftung und Staatsministerium Stuttgart konnte die Anmeldegebühr auf 35 Euro halbiert werden. Denn am Geldbeutel, so Marcel Esslinger von der Kreissparkasse sinngemäß, sollte das vorbildliche Integrationsprojekt nicht scheitern.

07131 89809-101 (keb)

07130 4848-0 (Löwenstein)