Windkraft in der Region soll ausgebaut werden

Heilbronn - Das Ziel ist klar: Ausbau der Windkraft im Land und in der Region Heilbronn-Franken. Über den Weg dorthin herrscht jedoch längst keine Einigkeit, wie jüngst eine Podiumsdiskussion in Heilbronn gezeigt hat.

Von unserem Redakteur Jürgen Paul

Windkraft
Windräder in Hohenlohe bei Obersteinach an der A 6. Foto: Archiv/Reichert
Heilbronn - Das Ziel ist klar: Ausbau der Windkraft im Land und in der Region Heilbronn-Franken. Über den Weg dorthin herrscht jedoch längst keine Einigkeit, wie eine Podiumsdiskussion am Freitagnachmittag gezeigt hat.

Die Fraktion von Grünen/ÖDP/Linke in der Regionalverbandsversammlung Heilbronn-Franken hatte in die Gaststätte Jahnheide in Böckingen eingeladen, um über die Chancen für die Windkraft in der Region zu diskutieren.

Auf dem Podium saßen Gisela Splett (Grüne), Staatssekretärin im Stuttgarter Ministerium für Verkehr und Infrastruktur, Thomas Müllerschön, früherer SPD-Stadtrat und Windmühlenpionier aus Karlsruhe, Regionalverbandsdirektor Klaus Mandel und Jürgen Hellgardt, Vorstand der Bürgergenossenschaft Energeno Heilbronn-Franken. Es moderierte Armin Waldbüßer, Fraktionsvorsitzender von Grünen/ÖDP/Linke im Regionalverband.

Nachholbedarf

Gut 1000 neue Windräder sollen nach dem Willen der grün-roten Landesregierung bis 2020 in Baden-Württemberg entstehen. Denn das Land habe "Nachholbedarf in Sachen Windkraft", betonte Gisela Splett und wies darauf hin, dass weniger als ein Prozent der erzeugten Energie im Südwesten aus Windkraft komme. Ein wichtiger Schritt auf dem Weg, diesen Anteil auf mindestens zehn Prozent zu erhöhen, sei die Änderung des Landesplanungsgesetzes, das Splett als "Hemmschuh" für die Windenergie ausgemacht hat. Vereinfacht gesagt sollen die Regionalverbände künftig keine Ausschlussgebiete für Windkraft mehr festlegen, sondern Vorranggebiete. Gleichzeitig sollen die Kommunen mehr Gestaltungsspielräume bekommen, um selbst Standorte für Windräder auszuweisen.

Klaus Mandel sieht in diesen Neuerungen "kritische Punkte" und "viele offene Fragen" − etwa, was die Zusammenarbeit zwischen Regionalverband und Kommunen betreffe. Auch die kurze Übergangsfrist − die alten Regionalpläne sollen nur noch bis Ende August gelten − ist für den Regionalverbandsdirektor nicht akzeptabel. "Bis dahin ist eine vernünftige Planung nicht möglich", so Mandel. Staatssekretärin Splett sagte zu, dass man diesen Termin "wahrscheinlich nicht aufrecht erhalten" werde.

Strittig ist die Frage, wie die Windräder ins Landschaftsbild integriert werden sollen. Mandel befürwortet die Bündelung in Windparks. Das erhöhe die Akzeptanz bei den Bürgern. Splett hingegen möchte auch "Einzelanlagen ermöglichen" − eine Meinung, die auch Thomas Müllerschön und viele Besucher teilten. Heiner Dörner, Heilbronner Stadtrat der Freien Wähler und Windkraft-Experte, der Heilbronner Bundestagsabgeordnete Ulrich Schneider (Grüne), Grünen-Stadtrat Wolf Theilacker und BUND-Regionalgeschäftsführer Gottfried May-Stürmer sprachen sich für Windräder auf dem Wartberg und der Mülldeponie Vogelsang aus − als "Landmarke" und "Wahrzeichen".

Mehr Tempo

Einigkeit herrschte darüber, dass der Ausbau der Windkraft schneller gehen müsse. "Wir dürfen keine Zeit verlieren", mahnte Jürgen Hellgardt. Zudem müssten die Bürger eingebunden werden, die der Windkraft gegenüber sehr aufgeschlossen seien. Das sieht auch die Staatssekretärin so. "Der Wind hat sich gedreht, die Akzeptanz ist groß und steigt weiter", sagte Gisela Splett.