Trotz Notbetten: Einige schlafen draußen

Von unserem Redakteur Carsten Friese

Trotz freier Notbetten: Einige schlafen draußen
Morgens im Gildetreff: Mitarbeiterin Edeltraud Weitbrecht bereitet Frühstück für Bedürftige vor. Bis zu 90 Menschen kommen pro Tag. Foto: Carsten Friese 

Heilbronn - Bei diesen Temperaturen ist es eine richtig gute Nachricht: Keinen Kältetoten und auch keine Hinweise auf Menschen mit Erfrierungen, die im Freien übernachtet haben, meldet die Polizeidirektion am Freitag. Auf bis zu minus 14 Grad war das Thermometer in der Nacht zuvor abgesackt. Eisige Kälte, die für Erfrierungen ausreicht.

"Man hat da schon Bedenken", sagt Gabriele Weber, Leiterin des Gildetreffs in der Heilbronner Wolfganggasse. Täglich hat sie dort mit Wohnungslosen zu tun, gibt mit ihrem Mitarbeiterteam warme Kleider, Schlafsäcke und Isomatten aus. Wärmenden Tee und Kaffee gibt es ab 8 Uhr morgens, Brötchen und Brezeln zum Frühstück. "Man merkt, dass die Menschen dankbar sind", sagt Weber.

Festgefroren

Rund 15 Männer stehen und sitzen am Freitag gegen 8.45 Uhr um die Ausgabetheke des Gildetreffs, keiner hat in der Nacht draußen geschlafen. Manche kommen bei Bekannten unter, manche im Erfrierungsschutzhaus im Lauerweg. "Wer jetzt draußen schläft, denkt nicht", sagt Willi (54). Er hat im Lauerweg übernachtet, dort, wo es zwar "ohne Ende stinkt, weil manche nicht die Kleider wechseln". Die Idee, jetzt bei klirrender Kälte nachts im Freien zu sein, ist ihm jedoch ein Graus. In der Ukraine hat er schon mal einen Toten gesehen, der auf dem Beton festgefroren war. "Da hat man Angst", sagt Willi.

Erst am Donnerstag hat Gilde-treff-Chefin Gabriele Weber eine junge Frau um die 20 betreut, die nach einem Zelt für sich und ihren Freund fragte. Sie wollte partout nicht in eine Gemeinschaftsunterkunft, weil sie das nicht könne. Weber gab ihr Essensgutscheine, dazu ein Zelt. Sogar Spezialschlafsäcke bis minus 30 Grad liegen aus Spenden im Lager bereit. Gabriele Weber war dennoch unwohl zumute. Weil ein Zelt auch nur etwas Schutz bietet.

Heilfroh

Auf zehn Personen schätzt Weber die Zahl derer, die trotz Eiseskälte in Heilbronn draußen schlafen. Oft Einzelgänger, die in Gemeinschaft nicht zurechtkommen. Im Lauerweg waren am Donnerstag vier von 13 Plätzen frei, im Obdachlosenheim im Salzgrund gab es rund 30 freie Betten. Die Polizei achtet bei Streifenfahrten auch darauf, "ob jemand in Gefahr ist", berichtet Sprecher Harald Schumacher. Schon öfter haben Beamte jemanden ins Kälteschutzhaus gebracht.

"Jeder weiß doch, dass es bei den Temperaturen extrem gefährlich ist", sagt Achim (43). Manche liefen nachts umher, nutzten Stadtbahnen oder Bank-Vorräume, um sich aufzuwärmen. Heilfroh, dass er bei einem Kumpel unterkam, ist Heiko (34). Draußen brauche man derzeit "fünf Hosen und zwei Schlafsäcke". Eine Wohnung zu finden, sei in Heilbronn ein Problem: "Mit Hund", sagt Petra (44), "ist es gleich doppelt schwer."

Gabriele Weber sieht das System in Heilbronn gut aufgestellt, doch eine oder zwei Anlaufstellen für Extremkälte hält sie noch für sinnvoll. Etwas wie warme Treppenhäuser von Tiefgaragen oder leerstehende, zentrumsnahe Räume "wären wichtig" − für die, die nachts trotz Angeboten draußen bleiben.




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