Tripsdrill mit neuer Attraktion

Cleebronn - Fünf Baumhäuser, die mitten im Wald auf drei Meter hohen Robinienstämmen stehen, sollen in fünf Wochen im Wildparadies Tripsdrill eingeweiht werden. Bis zu 100 Baumhäuser sind laut Bebauungsplan möglich.

Von Rolf Muth

Unter Bären und Wölfen schlafen
Endspurt am Fuße des Strombergs. 20 Zimmerleute geben den angenehmen Behausungen mitten im Wald den letzten Schliff. Bis zu sechs Übernachtungsgäste je Einheit haben auf zwei Ebenen 36 Quadratmeter Fläche zur Verfügung.Fotos: Andreas Veigel

Cleebronn - Kreischend fressen sich die spitzen Zähne ins dicke Holz. Laute Schläge hallen durch den dichten Forst. Es ist kein Heer von Holzfällern, die ihre Motorsägen angeworfen haben. 20 Zimmerleute schneiden in Tripsdrill Bretter zu, hämmern, dämmen, dichten ab − der Bau von fünf Baumhäusern direkt beim Wildparadies ist in vollem Gang. Was hier gedeiht, ist einmalig in der Region. Die Cleebronner Unternehmerfamilie Fischer, die auch den Freizeitpark betreibt, steigt damit in den ganzjährigen Übernachtungsbetrieb ein. Eine weitere Attraktion im Heilbronner Land.

Wurzelholz-Optik

Uwe Storz aus Cleebronn ist ein Multitalent. Der Schreiner aus der Bautruppe des Freizeitparks hat den Prototyp in einer Halle bei Bönnigheim gebaut. Jetzt geht das Tripsdriller Baumhaus in Serie. Bis zu 100 könnten es mal werden. Der Bebauungsplan sieht diese Einheiten jedenfalls in der Endstufe vor.

Storz baut auch die Betten, Schränke und auf Wunsch seines Chefs natürlich auch das massive Waschbecken in Wurzelholz-Optik mit integriertem Kühlschrank. In der Dusche verarbeitet Fliesenleger Rainer Fink aus Steinheim 3500 kleine, grüne Bruchmarmor-Stücke. Eine aufwendige, hochwertige Puzzlearbeit. Eine Sitzecke ist neben dem Eingang zur 36 Quadratmeter großen Nobelbehausung geplant. Sechs Betten pro Haus, vier davon unterm Dach. Ebenso der LCD-TV für regnerische Stunden. Sobald die Hotelkarte in den Schlitz neben der Tür gesteckt ist, wird das Stromnetz und die Fußbodenheizung aktiviert. Verwöhnprogramm für Feriengäste mitten in der Wildnis.

Unter Bären und Wölfen schlafen
Rainer Fink verarbeitet in der Dusche bis zu 3500 Bruchmarmor-Stücke.
Änderung des Flächennutzungsplans, ein Bebauungsplanverfahren mit vielen Abwägungen, Zugeständnisse an den Naturschutz, schließlich die Baugenehmigung mit Prüfung beim für diesen Sonderfall zuständigen Regierungspräsidium Tübingen und dem Heilbronner Landratsamt. Drei Jahre hat"s gedauert: Jetzt steht Helmut Fischer vor dem Ergebnis. 46 überdimensionale, jeweils zwei Meter lange Schrauben wurden pro Haus in den Waldboden gedreht. Aufgeschraubt sind je drei Meter hohe Robinienstämme, auf denen die 1,7 Tonnen schwere Plattform für den Aufbau lagert.

Weil es so etwas bislang noch nicht gegeben hat, ist auch die Technische Universität München vor Ort. Die Wissenschaftler wollen wissen, wie dicht der Boden ist und ob die Schrauben auch das Gewicht halten, ohne ihre Position zu verändern. "3,5 Millimeter haben sie nachgegeben. Ein toller Wert." Der Waldboden ist um das siebenfache dichter, als er sein müsste. Bauingenieur Thomas Dörfler von der Herstellerfirma aus Niederbayern ist zufrieden. Die Schraubenfundamente halten dem Druck von zehn Tonnen also locker stand. In drei Wochen rechnet Fischer daher mit dem letzten Stempel: Die sogenannte Zulassung im Einzelfall für die Baumhäuser steht noch aus. Der Professor, der sein Zeichen unter den Prüfbericht setzen muss, weilt noch im Urlaub.

Nachfrage

Unter Bären und Wölfen schlafen
Die geräumige Dachkammer soll Platz für vier Betten bieten.

Die Wochenenden bis Saisonende am 6. November sind ausgebucht, sagt Tripsdrill-Sprecherin Melanie Westphal. Die Leute sind heiß darauf, sich morgens von Storchgeklapper und Wolfsheulen wecken zu lassen. Das wird ganzjährig in den Ferien, an Feiertagen und Wochenenden möglich sein. Kommentar "Sensibel"

Daten und Fakten

Die Baumhäuser im Wildpark Tripsdrill stehen auf drei Meter hohen Stelzen aus Robinienholz. Ein Haus ist barrierefrei zugänglich. Hohe Auflagen hat der Parkbetreiber bekommen. Insbesondere für den Brandschutz. Jedes Haus ist mit einer Brandmeldeanlage versehen. In direkter Nachbarschaft wurde ein Löschteich mit 400.000 Liter Wasser angelegt. Firmenchef Helmut Fischer beziffert die Baukosten pro Gebäude auf 120.000 Euro. Er betreibt mit seinen Brüdern Dieter und Roland den Wild- und Freizeitpark bei Cleebronn, der 1929 am Fuße des Strombergs gegründet wurde. Hier gibt es mittlerweile über 100 Attraktionen und Fahrgeschäfte. Im Wildparadies warten 130 Tiere auf ihre künftigen Nachbarn.