Streitigkeiten gewaltfrei schlichten

Weinsberg - Auf der weißen Armbinde steht Schulwegbegleiter. Sie haben auch einen Ausweis. 24 Schüler des Justinus-Kerner-Gymnasiums (JKG) in Weinsberg traten gestern ihren Dienst an. Ihr Auftrag: in Bussen und Stadtbahnen mitfahren, rügen, ermahnen, Streit schlichten, auf korrektes Verhalten achten, Sicherheit auf dem Schulweg erhöhen. Kein leichter Job. Es ist ein Pilotprojekt des Weinsberger Gymnasiums in Zusammenarbeit mit der Polizeidirektion Heilbronn und gründet auf der Kampagne „Schüler-Fair-Kehr“ im Land.

Von Michael Dignal

Sie tragen weiße Armbinden: Die erste Dienstfahrt der im Justinus-Kerner-Gymnasium ausgebildeten Schulwegbegleiter in der Stadtbahn. Foto: Guido Sawatzki

Weinsberg - Auf der weißen Armbinde steht Schulwegbegleiter. Sie haben auch einen Ausweis. 24 Schüler des Justinus-Kerner-Gymnasiums (JKG) in Weinsberg traten gestern ihren Dienst an. Ihr Auftrag: in Bussen und Stadtbahnen mitfahren, rügen, ermahnen, Streit schlichten, auf korrektes Verhalten achten, Sicherheit auf dem Schulweg erhöhen. Kein leichter Job.

Es ist ein Pilotprojekt des Weinsberger Gymnasiums in Zusammenarbeit mit der Polizeidirektion Heilbronn und gründet auf der Kampagne „Schüler-Fair-Kehr“ im Land.

Gerangel

In Bussen und der Stadtbahn geht es hoch her: Gerangel um die besten Plätze, Pöbeleien, Schubsen und Anmache. Ständige Appelle und Hinweise reichen für JKG-Schulleiter Hans-Jürgen Maciejewski nicht mehr aus: „Wir gehen am Gymnasium einen neuen Weg.“

24 Jugendliche ließen sich am JKG in der neunten Klasse unter der Regie von Gymnasiallehrerin Karin Pfeiffer von Bundespolizei, Polizei, Schule und externen Trainern ausbilden: 24 Unterrichtseinheiten mit Deeskalationstraining, Schulungen im selbstsicheren Auftreten, Konfliktlösung. „Ich hoffe auf eine deutlich entspanntere Atmosphäre in den Zügen“, meint der Oberstudiendirektor.

Die jetzigen Zehntklässler verbinden ihren täglichen Schulweg zugleich mit einer Kontrollfunktion. Dominik Adelhardt (16) aus Affaltrach will sich auch als Vorbild engagieren. Sven Rank (15) aus Affaltrach findet sein Ehrenamt gut und will sich für andere einsetzen. Tabea Steinmetz (15) aus Sülzbach geht es darum, besonders jüngere Schüler zu unterstützen. Und Isabell Janner (16) aus Eschenau hilft gerne mit, wenn es in den Zügen hektisch zugeht. Jeder der 24 Gymnasiasten erhält neben Armbinde, Ausweis, Zertifikat noch den Einsatzplan für die Fahrten.

Der Weinsberger Bürgermeister Stefan Thoma weiß, dass sich die Begleiter nicht nur Freunde machen: „Man muss auch mal hinstehen können.“ Sie hätten es mit ihren Mitschülern nicht immer leicht, müssten rügen, ermahnen, vielleicht auch mal den Vertrauenslehrer hinzuziehen. Für Thoma ist ihr ehrenamtliches Engagement vorbildhaft, verdiene Respekt und Anerkennung. Der Heilbronner Polizeichef Roland Eisele erinnert an die Schülerlotsen vor 40 Jahren als „ordnende Hand“.

Verpflichtung

Eisele appelliert daran, dass alle fair miteinander umgehen. „Wir wollen nicht, dass jemand auf die Gleise geschubst wird“, sagt der Leiter der Polizeidirektion. Für Konfliktbewältigung und Streitschlichtung brauchen die Helfer Zivilcourage und Rückgrat. Die weiße Armbinde ist für Eisele auch eine Verpflichtung, einzuschreiten und Verantwortung zu übernehmen.

Von der Bundespolizei Heilbronn spricht Dieter Natterer von einem „einmaligen Projekt“ im Landkreis: „Das ist keine alltägliche Sache.“ Drängeleien und Unruhe in den Stadtbahnen gehörten leider zur Realität. „Vor allem jüngere Schüler leiden“, weiß Natterer.