Stadt will wieder Zeag-Aktien

Heilbronn - Die Stadt Heilbronn möchte sich wieder mit zehn Prozent am Energieversorger Zeag beteiligen. Deswegen haben Oberbürgermeister Helmut Himmelsbach und Finanzbürgermeisterin Margarete Krug Verhandlungen mit der Energie Baden-Württemberg (EnBW) aufgenommen.

Von Manfred Stockburger

Stadt will wieder Zeag-Aktien
In einem Haus sitzen Zeag und HVG bereits. Künftig sollen die beiden Firmen noch enger zusammenarbeiten, wenn es nach Himmelsbach geht.Foto: Guido Sawatzki

Heilbronn - Die Stadt Heilbronn möchte sich wieder mit zehn Prozent am Energieversorger Zeag beteiligen. Deswegen haben Oberbürgermeister Helmut Himmelsbach und Finanzbürgermeisterin Margarete Krug Verhandlungen mit der Energie Baden-Württemberg (EnBW) aufgenommen, an die die Stadt ihre Zeag-Anteile vor zehn Jahren verkauft hatte.

Die EnBW hat ihre grundsätzliche Bereitschaft zu einem Tauschgeschäft bereits erklärt: Als Gegenleistung würde der Karlsruher Konzern seine Beteiligung am Heilbronner Gasversorger Heilbronner Versorgungs GmbH (HVG) auf 49,9 Prozent aufstocken. "Darüber hinaus sind wir nicht bereit zu reden", betont der Stadtchef. Bisher hält die EnBW 25,1 Prozent der HVG-Anteile − und damit eine Sperrminorität: Gegen die Karlsruher können kein grundlegenden Entscheidungen getroffen werden.

Tauschgeschäft

Finanziell soll der Aktientausch ein Nullsummenspiel bleiben. Außerdem sollen künftig mindestens ebenso viele Millionen an die Stadtkasse ausgeschüttet werden wie bisher. Bei dem geplanten Geschäft geht es also weniger um Geld als um Einfluss: "Wir merken, dass das Thema Strom immer stärker kommt, und wollen der Stadt Heilbronn die Möglichkeit eröffnen, wieder etwas mitzuspielen", erklärt Himmelsbach. Er sieht auf diesem Weg die Möglichkeit, über die Zeag den Einsatz erneuerbarer Energien in Heilbronn voranzutreiben, ohne dass die Kommune selbst Mittel bereitstellen müsse. "So können wir unsere Klimaziele erreichen." Auch der Ausbau des Fernwärmenetzes könne gemeinsam besser geschultert werden.

Kosten sparen

Finanzbürgermeisterin Margarete Krug möchte durch eine Vertiefung der Verbindung mit der EnBW erreichen, dass über eine noch engere Zusammenarbeit von HVG und Zeag bei beiden Firmen Kosten eingespart werden können. Sie hält dann die Zusammenlegung von kaufmännischen und technischen Abteilungen wie Werkstätten, Lager und Fuhrpark für möglich. Die Zusammenarbeit habe schon bisher gut funktioniert, "aber wir stoßen an Grenzen", sagt die Aufsichtsratsvorsitzende der HVG. Mit "vertieften Beziehungen" soll der Energiestandort Heilbronn gestärkt werden − im Interesse beider Seiten. "Wir gehen mit einem gewissen Selbstbewusstsein an die Verhandlungen ran", sagt Krug.

Standortsicherung

Zehn Jahre ist es bald her, dass die Stadt ihr 51-Prozent-Aktienpaket verkauft hat. Damit läuft auch der damals geschlossene Standortsicherungsvertrag zum Jahresende aus. In dem waren unter dem Vorbehalt einer positiven wirtschaftlichen Entwicklung Garantien für den Standort, die Marke Zeag und die damit verbundenen Arbeitsplätze festgeschrieben gewesen. Unter anderem hat die Konzernmutter einen Beherrschungsvertrag ausgeschlossen, der die Heilbronner Tochter finanziell und wirtschaftlich jeglicher Unabhängigkeit berauben würde. Außerdem räumte der Vertrag der Stadt ein Mitspracherecht ein, indem Himmelsbach weiterhin im Aufsichtsrat bleiben durfte. "So muss man mit mir mindestens diskutieren."

"Es ist uns sehr wichtig, dass die Zeag als selbstständige Gesellschaft im Konzern erhalten bleibt", sagt Himmelsbach. Zumindest einen Zwangsausschluss der Kleinaktionäre und einen Abschied von der Börse würde die neuerliche Beteiligung verhindern. Ohne seine Verhandlungsposition offenlegen zu wollen, betont Himmelsbach, dass Teil des Tauschgeschäfts auch ein neuer Standortvertrag sein soll.

Was bei den Verhandlungen am Ende herauskommt, sei aber offen. Bis Dezember sollen sie abgeschlossen sein. "Dann werden wir berichten, was dabei herausgekommen ist", sagt Himmelsbach, der zugleich betont, "dass der Verkauf damals kein Fehler gewesen ist".

Zeag und HVG

Die Zeag Energie AG mit Sitz in Heilbronn erwirtschaftete im Geschäftsjahr 2009 mit einen Umsatz von etwa 125 Millionen Euro einen Vorsteuergewinn von 27 Millionen Euro. Die EnBW hält rund 98 Prozent der Aktien. Die Heilbronner Versorgungs GmbH (HVG) versorgt in Heilbronn und im Umland mehr als 300 000 Menschen mit Gas, Wasser und Fernwärme. Die HVG erzielte 2009 einen Umsatz von 106 Millionen Euro. An die Gesellschafter wird davon ein Nachsteuergewinn von etwa acht Millionen Euro ausgeschüttet. mfd