Spannende Begegnung im Wort-Café

Interreligiöser Dialog bringt Gläubige unterschiedlichster Konfessionen ins Gespräch

Von Helmut Buchholz

Spannende Begegnung im Wort-Café
Kein praxisfremder Frontalunterricht, sondern ein erster Vorgeschmack für einen echten Dialog unter Gleichen: Referent Bernhard Uhde (Mitte) ist am Tisch des Wort-Cafés ins Gespräch vertieft.Foto: Andreas Veigel

Heilbronn - Es fiel Avital Toren nicht leicht, am Freitagabend ins Heinrich-Fries-Haus zu kommen. Nicht, dass die Vorsitzende der Jüdischen Gemeinde in Heilbronn Berührungsängste mit dem Haus der katholischen Kirche hätte. Weit gefehlt. Nein, Freitagabend fängt der Schabbat an, der heiligste Feiertag für Menschen jüdischen Glaubens. Eigentlich ein Ruhetag, an dem die Gläubigen sich treffen, um zu beten. Dennoch ist Avital Toren gekommen, "obwohl es mir schwer gefallen ist", denn der Schabbat-Ritus ist ihr heilig.

Kein Frontalunterricht Riten, die Gemeinschaft stiften, die aber auch trennen können: Genau darum ging es beim interreligiösen Dialog, an dem 35 Menschen unterschiedlichster Konfessionen teilnahmen. Nicht nur Funktionsträger ihrer Glaubensgemeinschaften hatten sich angemeldet, sondern auch ganz normale Gläubige, Muslime, Christen. Dass Rituale tatsächlich Religionen, die sich in manchen Gegenden feindlich gegenüber stehen, als Strukturelement verbinden, machte der Referent des Abends, Bernhard Uhde, klar. Der Freiburger Professor für Religionsgeschichte betonte die Gemeinsamkeiten. Allerdings blieb es nicht beim Frontalunterricht des Wissenschaftlers, sondern die Menschen erzählten sich von ihren religiösen Ritualen in sogenannten Wort-Cafés an mehreren Tischen. Eine von insgesamt drei Diskussionsrunden dauerte 15 Minuten, dann wechselte die Besetzung der Tische. Die Folge: interessante Gespräche, neue Einsichten.

Zum Beispiel diese: Avital Toren von der Jüdischen Gemeinde berichtete, dass es ihr schon immer schwer gefallen ist, zur Schabbat-Zeit Termine wahrzunehmen. Die Unkenntnis der anderen verhindert das Zusammenkommen. Also trennen die Rituale doch? Eine Referentin von der evangelischen Tagungsstätte Löwenstein berichtete, dass ihr Mann katholisch war, sie aber evangelisch. Der katholische Pfarrer ihrer Gemeinde habe dieser "Mischehe" äußerst kritisch gegenübergestanden. Gemeinsame Kirchenbesuche des Paares mit Abendmahl? Unmöglich. Dies ereignete sich übrigens nicht irgendwo, sondern in einer Gemeinde im Unterland. Schließlich schaltete sich eine junge Muslima mit Kopftuch ins Gespräch ein. Sie wollte wissen, ob Christen zuerst das Vaterunser beten müssen, bevor sie ihre Wünsche an Gott richten dürfen. Im Islam kommen in den Gebeten die Verse zuerst. Und schließlich die Frage, in welcher Sprache Gott spricht. Das Arabische, in dem der Prophet den Koran geschrieben hat?

Appetithappen Wichtig ist, überhaupt miteinander zu sprechen, konstatierte am Ende Norbert Hackmann vom Fries-Haus. Das Gespräch, das beim interreligiösen Dialog so interessant begann, soll nicht enden. Pfarrer Steven Häusinger schwebt als Fernziel ein Rat der Religionen vor, an dem sich noch mehr Glaubensrichtungen beteiligen sollen. Der Freitagabend war da nur ein Appetithappen, der Hunger auf mehr machen sollte. "Ein weiterer kleiner Schritt", wie Pfarrerin Anna Christ-Friedrich erklärte, um Verletzungen durch Missachtungen vorzubeugen, die durch die Unkenntnis entstehen. Nicht nur durch Unkenntnis der Rituale der anderen.