Schnuppertag im Sportpark

Junge Krebspatienten spielen in Stetten gemeinsam mit gesunden Kindern

Von Friedhelm Römer

Schnuppertag im Sportpark

"Wir wollen das gemeinschaftliche Erleben fördern."

Holger Hauch

Schwaigern - Michael Strauss gönnt sich nur eine kurze Auszeit. Ein Schluck Apfelschorle muss reichen. Dann rennt der Achtjährige wieder zurück auf den Sportplatz. Zu lange hat er mit Gleichaltrigen nicht mehr toben oder Fußball spielen dürfen. Hier in Stetten ist das anders. Im neu gebauten TSV-Sportpark darf er toben. Nein − er soll sogar: Spielen und Spaß haben ist die Devise. Mit anderen an Krebs erkrankten, aber auch mit kerngesunden Kindern, die der TSV Stetten eingeladen hat. Betreut werden sie an dem Schnuppertag von fünf Physiotherapeuten des Vereins sowie dem Onkologen Dr. Holger Hauch aus dem SLK-Klinikum Heilbronn. Und viele Helfer sorgen dafür, dass die Versorgung mit frischgebackenem Flammkuchen, Kaffee, Kuchen und Kaltgetränken stimmt.

Harte Probe Die Chemotherapie stellt Körper und Psyche auf eine harte Probe. Im vergangenen August haben die Ärzte bei Michael Strauss Leukämie festgestellt. Ein schwerer Schlag für die Familie. Sein fünfjähriger Bruder Alexander musste in diesem Zeitraum oft zurückstecken. Alexander ist ebenfalls in Stetten dabei und fühlt sich sichtlich wohl, wie alle Kinder an diesem Samstag. Alle sind integriert, niemand wird ausgeschlossen beim Zirkeltraining, das sich Hauch und die Therapeuten ausgedacht haben. Sechs Patienten im Alter von fünf bis elf Jahren sind beim ersten Schnuppertag auf der Multifunktionsanlage im Schwaigerner Ortsteil dabei.

"Den Spaßcharakter möchten wir rüberbringen", erzählt Denise Konrad aus dem Therapeuten-Team. Und Günter Zielke freut sich: "Für uns ist das ein großer Moment, nach einer zweieinhalbjährigen Planungsphase sowie der Kooperation mit den Heilbronner SLK-Kliniken, den Projektstatus weiterzuentwickeln." Der Vereinschef des TSV ist der Motor des Projekts "Sport und Therapie für Kinder mit und nach Krebs".

Koordination "Wir wollen wissen, inwieweit wir die Ausdauer, Kraft und Koordination bei den Kindern verbessern können", sagt Holger Hauch. Die Krebspatienten sind schließlich oft bettlägrig, geschwächt durch das Cortison, das zum Abbau von Muskulatur führt. Erfahrungswerte gibt es nicht. Das Projekt in Stetten hat bundesweiten Pionierstatus. Neben der physischen Stärkung des Körpers haben Hauch und seine Mitstreiter noch etwas anderes im Sinn: "Wir wollen das gemeinschaftliche Erleben fördern." Sie möchten die Kinder aus ihrer Isolation herausholen, in die sie hineingeraten sind, seitdem sie nicht mehr zur Schule oder in den Kindergarten gehen und wegen der Verletzungs- und Infektionsgefahr aufs Fußballspielen, Radfahren oder Schwimmen verzichten müssen.

"Ich komme mir vor wie eine Spaßbremse", gibt Martina Strauss, die Mutter des achtjährigen bewegungsfreudigen Michael zu. Auch die fünfjährige Nimet, die Holger Hauch im Krankenhaus als schüchternes Mädchen kennengelernt hat, und die vor einigen Monaten eine Knochenmarktransplantation überstehen musste, geht auf dem Beachvolleyballfeld im Spiel mit den anderen Kindern aus sich heraus. Für Günter Zielke ist dies ein wertvoller Tag. Er fühlt sich in seinem Tun bestätigt: "Wir sind überzeugt, dass dies ein gutes Konzept ist, das dauerhaft funktioniert."