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Schlecker schließt Filialen in der Region
Von unserer Redakteurin Bärbel Kistner
Region - Die Verkäuferin füllt ein paar Schachteln mit Vitaminpillen nach. Doch in den Regalen ringsherum klaffen weiterhin zahlreiche Lücken, viele Artikel fehlen. Ein Zeichen, dass dieser Schlecker bald geschlossen wird? Die Frau zuckt mit den Schultern: "Wir haben nichts erfahren." Auf der Liste der Filialen, für die bis Ende Februar das Aus kommen soll, ist der Schleckermarkt in dem Lauffener Wohngebiet zumindest nicht dabei.
Sicher dagegen ist: In Bad Rappenau, Neckarsulm und Sulzfeld schließen Filialen noch im Januar. Im nächsten Monat ist Bad Friedrichshall-Kochendorf dabei und die Filiale in der Heilbronn Karlstraße, die am 22. Februar zu macht. Weitere Märkte in der Region werden vermutlich im März noch folgen.
Laufender Prozess
Im ersten Quartal 2012 soll für 60 der insgesamt 600 Filialen in Baden-Württemberg das Aus kommen − eine Information, die Schlecker aber nicht bestätigen will: "Im laufenden Prozess geben wir keine offiziellen Zahlen heraus, auch nicht über den aktuellen Filialbestand", sagt Pressesprecher Phillip Kübber.
Dass Schlecker in Schieflage geraten ist, das war für die Kundschaft längst ersichtlich. In Heilbronn schloss die Kette bereits einige Filialen, zuletzt den Markt im Wollhaus, zuvor bereits Filialen in der Sontheimer und Horkheimer Straße. Nach Informationen der Lebensmittelzeitung wurden alleine 2011 1400 Filialen aufgegeben. Das einst so dichte Netz von 11 000 Schleckermärkten im Jahre 2004 wurde erheblich ausgedünnt. Lückenhafte Regale wie in Lauffen sind zudem kein Einzelfall. Schlecker begründet die Engpässe mit Schwierigkeiten bei der Logistik, gleich mehrere Lager sind geschlossen worden.
Die radikale Schrumpfkur, die Schlecker seinem Filialnetz verpasst, soll zur Rettung des Unternehmens beitragen − jetzt erstmals in Zusammenarbeit mit der Gewerkschaft Verdi. "Ein Konzept nach dem anderen wurde bei Schlecker ausprobiert, bislang ohne Erfolg", sagt Helmut Schmidt, im Verdi-Bezirk Heilbronn-Neckar-Franken für Einzelhandel zuständig. Jetzt erst habe Schlecker erkannt, dass man nicht gegen die Öffentlichkeit und die Gewerkschaft agieren könne.
Einmalig in der Firmengeschichte habe Verdi Zugang "zu den heiligen Hallen in Ehingen bekommen", so Schmidt. Wirtschaftsprüfer der Gewerkschaft erhalten Einblick in die Bücher, um zu sehen, "ob Schlecker überhaupt zu retten und ob ein Sanierungstarif machbar ist". Auch wenn die Mitarbeiter bei einem Sanierungstarifvertrag auf Lohn und Gehalt verzichten müssten, hofft der Verdi-Sekretär auf Erfolg: "Verdi hat kein Interesse an dem Verlust von so vielen Arbeitsplätzen."
Weiterbeschäftigung
Den drei Mitarbeiterinnen der Heilbronner Karlstraßen-Filiale hat man nach Auskunft der Pressestelle eine Weiterbeschäftigung in einer der vorerst acht verbleibenden Filialen in der Kernstadt und in den Stadtteilen angeboten: "Sie agieren auch mal als Springer. Bei der Weiterbeschäftigung kommt es im Einzelfall auf den Vertrag an", sagt Phillip Kübber.
Für den Verdi-Vertreter ist es fraglich, ob bei der großen Zahl von Schließungen alle betroffenen Mitarbeiter einen Ersatzarbeitsplatz finden. Die Angst um die Zukunft bei der Belegschaft ist groß: "Fast täglich rufen Beschäftigte an und fragen, ob ihr Laden eine Schließungsfiliale ist." Vor allem in kleineren Gemeinden gehen Mitarbeiter, vielfach Teilzeitkräfte, zu Fuß zur Arbeit. Wer kein Auto hat, könne nicht einfach in den Nachbarort ausweichen.
Marktdaten
Im Drogeriemarktranking des Branchenblatts Lebensmittelzeitung lag Schlecker 2010 noch auf Rang 1: mit 6,55 Milliarden Umsatz, 8800 Filialen (inklusive Ihr Platz) und 47 000 Mitarbeitern. Seither soll der Umsatz um 15 bis 20 Prozent geschrumpft sein. Die bisherige Nummer zwei, die Drogeriemarktkette dm, soll inzwischen Schlecker überholt haben. Der Umsatz wird für 2011 auf europaweit 6,17 Milliarden Euro beziffert, 2010 waren es erst 5,65 Milliarden Euro. Für Deutschland bedeutet das ein Wachstum von zehn Prozent, 70 neue dm-Filialen wurden 2011 eröffnet. Platz drei im Ranking belegt Rossmann, die Kette will in diesem Jahr mit 110 neuen Filialen expandieren. Auf Platz vier steht die Drogeriemarktkette Müller. kis
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