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Rückschritte und Fortschritte
Fairness
Gerade noch hatte Bürgermeister Harry Mergel vor den Stadträten seine Landkreiskollegen gelobt. Man sei sich zwar in der vorbereitenden Debatte über die Aufteilung der Tierheimfinanzierung letztlich nicht ganz einig geworden, sportlich fair aber sei es zugegangen. Wenig später gab es von den Bürgermeisterkollegen ein taktisches Foul an dem gemeinsamen Fußballerfreund Mergel − oder soll man es schallende Ohrfeige nennen? Es mache offensichtlich keinen Sinn, mit der Stadt Heilbronn zu verhandeln wenn der Oberbürgermeister nicht am Tisch sitze, höhnte Achim Heck aus Ittlingen vor versammelter Kommunalpolitikerschar. Man habe ein Verhandlungsergebnis gehabt, an das sich Heilbronn nicht gehalten habe. Wenige Tage zuvor hatten sich Hecks Einlassungen noch etwas anders angehört: Sozusagen als "vertrauensbildende Maßnahme" teilte Heck Mergel mit, dass Harry Brunnet, der Sprecher der Kreisbürgermeister, die Kollegen über die umstrittene Protokollnotiz informiert habe und diese dabei "vorläufiges verwaltungsinternes Verhandlungsergebnis" nenne. Das alles ohne sein, Hecks, Wissen und ohne Absprache mit ihm. Bleibt festzustellen: Politiker, zumal fußballernde, kämpfen mit harten Bandagen. Auch in der Regionalliga.
Eingekastelt
Marktplätze sind offene Orte der Begegnung. Alles Einengende und Abschottende widerspricht diesem Zweck. Schade, dass nun gerade das Rathaus und der Ratskeller zum Mittel des sich Einigelns gegriffen haben: Das bewirtete Areal mit Tischen und Stühlen am Fuße der historischen Rathaustreppe wurde mit aufwendig gestalteten hölzernen Blumenkästen fein säuberlich vom restlichen Platz abgetrennt. Die wuchtigen Kästen bieten kaum eine Lücke. Dass sich gegenüber das Eiscafé Presutti wuchernd in den Marktplatz hinein ausbreiten darf, im Sommer Massen an Mobiliar platziert und im Winter wenig ansprechende Plastikvorhänge, ist wohl nicht zu ändern: Das Recht scheint dem Privatunternehmer in seinem Vertrag von der Stadt zugesichert. Beim ersten Haus am Platz mit Rathaus und Restaurant aber hätte man eine andere gestalterische Visitenkarte erwartet. Erst recht, wo es doch jüngst Lob gegeben hat für die neuen öffentlichen Bauten der Stadt, die wegen ihrer Geschichte arm ist an baulichen Schmuckstücken.
Obere Liga
Endlich ist das größte Klinikum im Stadt-Landkreisverbund tatsächlich in der Versorgungsliga angekommen, zu der es nominell schon gehörte. Der Gesundbrunnen kann dank der vom Weinsberger Weissenhof umziehenden Neurologie zum regionalen Schlaganfallzentrum ausgebaut werden. Das ist zuvorderst eine gute Nachricht für potenzielle Patienten. Schnelles und hochqualifiziertes Handeln rettet bei Schlaganfällen Leben und Lebensqualität. Das bedeutet aber auch, dass das Krankenhaus weiter an Attraktivität als Arbeitsplatz für besten Arztnachwuchs und Chefärzte gewinnt. Das, so zeigen die jüngsten Jahresabschlüsse der Kliniken, bringt mehr Patienten. Lange war zwischen Weissenhof und Gesundbrunnen um diesen Umzug der Neurologie nach Heilbronn gerungen worden. Beinahe zu lange.
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