Polizisten kämpfen gegen ein Monstrum

Region Heilbronn - Der unter Kinderporno-Verdacht stehende SPD-Politiker Jörg Tauss will jetzt in einer Erklärung seine Unschuld beteuern. Unabhängig davon, ob sich sich die Vorwürfe gegen den baden-württembergischen Generalsekretär der Sozialdemokraten bewahrheiten oder nicht: Der „Besitz von Kinderpornografie“ - so die strafrechtliche Bezeichnung - entwickelt sich zum Massendelikt, auch in der Region Heilbronn. „Das ist ein gigantisches Monstrum“, sagt Heilbronns Polizeichef Roland Eisele.

Von Helmut Buchholz

Ein Polizeifahnder bei der Ermittlungsarbeit zu Kinderpornografie. Auch in der Region Heilbronn stellt die Polizei steigende Fallzahlen bei Nutzern fest. Foto: dpa
Region Heilbronn - Der unter Kinderporno-Verdacht stehende SPD-Politiker Jörg Tauss will jetzt in einer Erklärung seine Unschuld beteuern. Unabhängig davon, ob sich sich die Vorwürfe gegen den baden-württembergischen Generalsekretär der Sozialdemokraten bewahrheiten oder nicht: Der „Besitz von Kinderpornografie“ - so die strafrechtliche Bezeichnung - entwickelt sich zum Massendelikt, auch in der Region Heilbronn. „Das ist ein gigantisches Monstrum“, sagt Heilbronns Polizeichef Roland Eisele.

Extremer Wert

In der Kriminalstatistik 2008 für Stadt- und Landkreis Heilbronn nahmen die sogenannten Straftaten gegen die sexuelle Selbstbestimmung um 64,3 Prozent auf jetzt 268 Fälle zu. Ein extremer Wert auch im Vergleich zu anderen Deliktgruppen, wie etwa der Gewaltkriminalität, die im gleichen Zeitraum um 10,8 Prozent stieg. Vor allem das Herunterladen von Sex-Bildern mit Kindern aus weltweit verzweigten Computernetzen ist ein Problem. „Von soft bis ganz schlimm - es gibt alles“, berichtet Eisele. Ihm tun die Kollegen leid, die reihenweise beschlagnahmte PC-Festplatten nach dem Material absuchen müssen, die Pädophile so gern ansehen. Mittlerweile gibt es zwar Programme, die nackte Haut erkennen. So müssen die „Cyper-Cops“ nicht jede Ecke im Datenspeicher per Hand anklicken. Allerdings begegnen ihnen dabei sexuelle Missbrauchsfälle, die alle Grenzen sprengen. Eisele: „Es gibt sogar Filme mit Säuglingen.“

Stadt- und Landkreis Heilbronn sind aber keine Regionen, in denen das Geschäft mit der Kinderpornografie mehr als anderswo blüht. „Die Kriminalstatistik verzerrt da ein wenig das Bild“, erklärt Polizeisprecher Roberto Monaci. Die starke Zunahme der Fälle ist einer republikweiten Razzia geschuldet, mit der das Bundeskriminalamt Kinderporno-Ringen das Handwerk legen wollte. Allein aus diesem Großeinsatz 2008 resultieren 44 Fälle. Ein zweiter Grund für das große Plus sind die Ermittlungen im Zusammenhang mit zahlreichen Urheberrechtsverletzungen, die ein im Landkreis Heilbronn ansässiger Porno-Vertrieb zur Anzeige brachte. Es kam immer wieder vor, dass Nutzer illegal Sex-Filme von diesem Vertrieb aus dem Internet heruntergeladen hatten, um sie dann wieder für andere Personen ins Netz zu stellen. Da Kinder dann Zugang zu diesen Pornos hatten, stellte jeder einzelne Fall juristisch einen sexuellen Missbrauch von Kindern dar, erklärt Polizeisprecher Roberto Monaci.

Trauriger Trend

Aber auch wenn man diese lokalen Besonderheiten herausrechnet, nennt Polizeichef Roland Eisele die Entwicklung bei den sexuellen Straftaten einen „traurigen Trend“. Eine Rolle spiele dabei, dass Väter und Mütter sensibler geworden sind und mögliche Missbrauchsfälle eher anzeigen. Aus Scham hätten Familien das Thema früher eher verschwiegen.