Obersulmer läuft 2200 Kilometer in 27 Tagen

Obersulm - Warum tut sich Jürgen Mennel das an? Der 50-jährige Obersulmer will in 27 Tagen von Heilbronn nach Athen rennen. Das sind pro Tag mehr als 80 Kilometer. Die 2200 Kilometer lange Tortur beginnt am 22. September.

Von Helmut Buchholz

Läuft und läuft und läuft: Jürgen Mennel beim Training in den Obersulmer Weinbergen. Foto: Alexander Rieß

Obersulm - Warum tut sich Jürgen Mennel das an? Der 50-jährige Obersulmer will in 27 Tagen von Heilbronn nach Athen rennen. Das sind pro Tag mehr als 80 Kilometer, also zwei Marathondistanzen hintereinander. Eine 2200 Kilometer lange Tortur, die am 22. September beginnt. Ausgang ungewiss. Warum will sich jemand so schinden? Läuft Jürgen Mennel vor irgendetwas so weit davon?

Die Antwort auf diese Fragen ist ein Lachen. Und dann sagt der hagere Mann, an dem kein Gramm Fett zu erkennen ist: "Mir geht es um die Herausforderung. Ich renne schon seit 41 Jahren, das ist bei mir genetisch codiert." Wohl wahr. Denn womöglich ist kein anderer Mensch auf diesem Erdball schon so weit gelaufen wie diese 1,89 Meter große und 69,5 Kilogramm schwere Person. Auf 300.000 Kilometer kommt Mennel, wenn er alle Trainings- und Wettkampfstrecken in seiner Vita überschlägt. Die Zahl verkündet der Ultrasportler, ohne sie zu betonen − und ohne übermäßigen Stolz. Es überrascht ihn höchstens ein bisschen, dass er vor Verletzungen so gut wie verschont blieb. Schon fast ein kleines Wunder.

Dosierung

Vielleicht ist das auch einer der Gründe, warum sich der Extremläufer jetzt ein sportliches Ziel gesetzt hat, von dem er selbst nicht genau weiß, ob er es erreichen kann. Mal eben vom Unterland zur Party in der baden-württembergischen Vertretung in Berlin laufen? Das war für den Sozialpädagogen, der an der Stiftung Lichtenstern in Löwenstein arbeitet, kein Problem. Aber 2200 Kilometer nonstop nach Athen? Das ist echt extrem. Auch für Jürgen Mennels Verhältnisse. "Alles eine Sache der Dosierung", spricht sich der Vater zweier Kinder selbst Mut zu.

So viel steht fest: Tot umfallen wie der griechische Bote beim ersten Marathonlauf vor 2500 Jahren in Athen will er jedenfalls nicht. "Das soll auf keinen Fall eine Tour auf Gedeih und Verderb werden."

Dass es Athen sein muss, liegt übrigens auch an diesem ersten Marathonlauf. Griechenland feiert das Jubiläum groß im Oktober. Mennel, der Langsteckler der Langstreckler, will da natürlich nicht fehlen und macht sich darum zeitig auf den Weg. "Ich bin eben ein Themenläufer, ich brauche immer einen Anlass, um loszulaufen." Der Marathonmythos "treibt mich an". Dass Athen so weit von Obersulm ist, nennt Mennel Pech. "Triest wäre mir auch lieber gewesen."

Um die Tortur überhaupt in Angriff nehmen zu können, hat Mennel hart trainiert. Schon seit vielen Monaten sieht sein Tagesablauf so aus: Morgens um 5.30 Uhr aufstehen, erstmal eine halbe Stunde auf Gras laufen. Um 11 Uhr noch mal 45 Minuten im Wald rennen. Um 16 Uhr eine halbe bis ganze Stunde joggen. Um 20 Uhr eine Stunde Dauerlauf. Dazwischen: Essen und arbeiten und schlafen. Mennel: "Ohne die Unterstützung meines Arbeitgebers und meiner Familie würde ich das nicht schaffen." Damit die Bewegung nicht zu eintönig wird, hat Mennel meistens einen Tennisball dabei, den er beim Laufen auf den Boden dribbelt. Ansonsten vertreibt er sich die Zeit mit Gedankenspielen. Zum Beispiel darüber, wie er dieses ehrgeizige Athenlauf-Projekt organisieren kann.

Bären und Hunde

Bei diesen Gedankenspielen hat er sich die ursprüngliche Route durch den Balkan aus dem Kopf geschlagen. Zu gefährlich. "Da laufen freigelassene Tanzbären herum, es gibt Wölfe, Luchse und wilde Hunde." Außerdem hat die fehlende Infrastruktur − unpassierbare Straßen, mangelnde Unterkünfte − ihn und seine Begleiter im Serviceauto auf eine Strecke über Italien ausweichen lassen.

Damit es klappt, muss es aber so bald wie möglich losgehen. "Ich kann die Spannung nicht mehr lange halten", sagt Jürgen Mennel, der sich wie ein Pferd fühlt, das mit den Hufen scharrt und ohne Bewegung faul wird. Ein bisschen denkt er jedoch schon über Athen hinaus. "Hinterher liege ich mit meiner Familie in Kreta zwei Wochen am Strand." Und eines weiß der Extremläufer schon jetzt, lange Zeit vor dem Start: "Noch mal werde ich mir so etwas nicht antun."

Alles über den Lauf: www.athenlauf.de



Programm bis zum Schluss

Heilbronn/Athen Mit einem Prolog beginnt der Athenlauf am Montag, 20. September, um 17.30 Uhr vor der Heilbronner Experimenta. Extremläufer Jürgen Mennel wird mit jedem, der will, rund fünf Kilometer „ganz leger“, wie er sagt, am Neckar entlang laufen. Bis zum Zeag-Gebäude, wo es Musik und Unterhaltung gibt. Um 20 Uhr fällt dann der eigentliche Startschuss. Mennel rennt an diesem Abend noch etwa 45 Kilometer bis nach Bretten, am nächsten Tag dann bis nach Karlsruhe. Eine weitere Station ist am 22. September vor dem Europaparlament in Straßburg eingeplant. Dort stellt sich Mennel um 14 Uhr der Öffentlichkeit vor.

Am 17. oder 18. Oktober will der Extremläufer in Athen ankommen. Am 21. Oktober möchte Mennel eine Pressekonferenz in der deutschen Botschaft der griechischen Hauptstadt geben. Am letzten Oktoberwochenende finden die griechischen Feierlichkeiten zum Marathon-Jubiläum statt. mut